10. November 2018 Wintersonnenwende: Die Wiedergeburt des Lichtes
  • Geburt des Lichtes

Wintersonnenwende: Die Wiedergeburt des Lichtes

Die Wintersonnenwende ist die tiefste Nacht des Jahres. Die Nacht der Wintersonnenwende wird daher auch Mutternacht oder althochdeutsch Modranecht genannt.

Diese Geburt steht symbolisch für den Neubeginn allen Lebens. Die Wiedergeburt der Sonne und des Lichts wird gefeiert. Der Kreislauf des Jahres beginnt von vorne. Die Tage werden wieder länger, das Licht triumphiert über die Dunkelheit. In dieser Nacht nehmen die Hexen von allem Abschied, was im Dunkeln zurückgelassen werden musste.

In Edda, einer Sammlung nordischer Dichtungen des 12. und 13. Jahrhunderts, findet sich folgende Überlieferung:

„Eine Tochter gebiert die strahlende Göttin, ehe der Wolf sie würgt.“

Früher glaubten die Menschen, der Wolf würde versuchen die Sonne zu verschlingen. Die Zeit um Weihnachten herum war auch die Zeit des Wolfmondes. Die Sonne, das neugeborene Licht, bedarf also des Schutzes.

Das Licht ist geboren und die Zeit der Wilden Jagd, die Nächte Odins, liegt vor uns.

Der Winter ist hart und kalt. Eine einst gefährliche Zeit für die Menschen. Das Fest der Wintersonnenwende schenkt Mut, Hoffnung und Kraft. Das Licht ist winzig, aber da. Selbst, wenn die Menschen es noch nicht sehen können, so können sie es spüren und ehren. Die Dunkelheit wird kommen, aber sie hat ihren Kampf bereits verloren. Das war Anlass genug für ein wundervolles Fest, welches bis heute nicht in Vergessenheit geraten ist.

Der Mythos der Wiedergeburt des Sonnenkindes findet sich übrigens in nahezu allen Kulturen der Welt wieder. Das Bekannteste ist die Geburt des Christuskindes zu Weihnachten.

 

Mittwinter: Fest der Sonne und der Erde

Mit der Nacht der Wintersonnenwende, auch des Mittwinters, kehrt die Stille ein. Es folgt eine Zeit der Segnung und der Weihung dessen was auf uns zukommen wird. Es ist die Zeit der Reinigung und der Vorbereitung. Wir beginnen uns von dem Dunkel, dem alten Jahr, zu lösen und bereiten uns auf das Licht, das neue Jahr vor.

Das neue Jahr liegt als Winzling in unserem Schoß und wird der Tage behütet und genährt, auf das es stark und leuchtend werde und neu aufsteigen kann.

 

Mit der Wintersonnenwende beginnt die Julzeit

Mit Jul (auch Jol) beginnt die Verbannung der Dunkelheit. Die Nächte werden wieder kürzer und alles was tot schien wird neu geboren. Das neue Leben erwacht.

Die Rauhnächte beginnen.  und bergen in sich das Wissen um den Wiederaufstieg des Lichtes.

Die Wintersonnenwende ist der goldene Ausstieg aus der Dunklen Zeit, welche zu Mabon begann. Zur Sonnenwende greifen Sonnen-, Toten und Fruchtbarkeitsriten ineinander. Die Kraft des Menschen und der Natur wird mit Hilfe symbolischer Handlungen unterstützt und neu aktiviert.

Das Versprechen der Wiedergeburt erfüllt sich in der Nacht der Wintersonnenwende. Wer hier nur an die christliche Form in ihrer Verkörperung durch das Jesuskind denkt, dem sei gesagt, dass die Geburt eines Sonnenkindes auf ältere Zeiten als die des Christentums zurück geht. Denken wir nur an den Sonnengott Ra bei den Ägyptern oder den Sonnenkönig Lugh bei den Kelten.

Hoch im Norden zeigt sich im Namen Jul/Jol auch noch der Bezug zu den alten nordischen Gottheiten. Er steht in enger Verbindung zu Odin, der bis heute den Beinamen Jolnir trägt. Odin führt mit seiner Frau Frigg in den Rauhnächten die Wilde Jagd an. Dieser Ritt durch die Nächte samt dem wilden Herr wird auch Jolareidi genannt. Je nach Breitengraden ist Frigg auch unter anderen Namen mit der Wilden Jagd unterwegs: Frau Holle, Percht, Holda sind nur einige davon.

Besonders aus den Alpenländern sind viele Bräuche im Zusammenhang mit Odin und Percht, wie sie hier genannt wird, und ihrem Wilden Heer überliefert. Der Begriff Jolareidi erinnert auch stark an das dort gebräuchliche Jodeln.

 

Die Energien der Wintersonnenwende nutzen

So ziemlich jeder von uns trägt seine Schattenseiten in sich. Wir alle bergen Bereiche der Dunkelheit in uns. Diese Nacht darf und soll genutzt werden um Licht in das Dunkel zu bringen.

Wir suchen nach Antworten, Lösungen und Wegen um uns aus dem Schatten zu befreien.

Bitten wir die geistige Welt uns dabei zu unterstützen und fürchten wir uns nicht davor die dunklen Aspekte unseres Lebens zu beleuchten und zu hinterfragen.

Um sehen und erkennen zu können was wirklich wichtig ist bedarf es einer Klärung. Es ist wichtig dieser Tage diese Klärung alter Themen, tiefer Wunden und Unzufriedenheiten einzuleiten. Die Natur schweigt und ruht in einer neutralen Position und lässt nach der Nacht der Wintersonnenwende das Licht wieder aufsteigen. Halte es wie die Welt um dich herum und kehre neutral betrachtend in dich ein um dann dein Licht heller denn je erstrahlen zu lassen.

Räumen wir auf, bringen wir Dinge zu Ende und vergessen bei all dem nicht für all das dankbar zu sein, was das Leben uns geschenkt hat.

Du kannst die Wiedergeburt des (inneren) Lichtes auch energetisch unterstützen indem du Kerzen (in den Farben magenta, rot, schwarz und / oder silber) entzündest und deine Wohnräume räucherst.

 

Bräuche der Wintersonnenwende

Der Julbaum

Lebender oder gefällter Baum, der feierlich geschmückt wird. Als Schmuck eignen sich zum Beispiel Girlanden aus Zimtstangen und getrockneten Rosenblüten, kleine Kräutersäckchen oder mit Draht umwickelte Quarzkristalle. Üblich sind auch Äpfel, Zitronen und Orangen.

 

Der Julkranz

Der Kranz besteht aus fünf Kerzen. Davon sind vier Kerzen wie auf dem bekannten Adventskranz angeordnet, die fünfte Kerze befindet sich in der Mitte. Die Kerze in der Mitte ist die Julkerze, die einen idealerweise schon das ganze Jahr hindurch begleitet hat.

Der Kranz kann aus immergrünen Nadelhölzern sein, aber auch aus sämtlichen anderen Materialien. Ein grüner Kranz bringt die Freude auf das kommende Fest zum Ausdruck und ist ein Zeichen der Lebendigkeit des Lebens mit den Göttern.

Brauntöne symbolisieren die Zeit, die in dem Jahr bereits vergangen ist und was in dem Jahr mit den Göttern geteilt wurde.

Der Kranz kann mit symbolischen Elementen dekoriert werden, zum Beispiel:

  • Äpfel für Iduna
  • Zapfen für Frey
  • Eicheln für Thor

Typisch sind auch Zimtstangen, die nicht nur einen wundervollen Duft in die Wohnung bringen, sondern auch die Würze des Lebens symbolisieren.

Vier Wochen vor der Wintersonennwende werden die vier im Kreis angeordneten Kerzen entzündet. Die fünfte Kerze in der Mitte bleibt aus. Drei Wochen vorher brennen nur noch drei Kerzen, zwei Wochen vorher zwei und eine Woche vorher nur noch eine Kerze. Dies symbolisiert, dass die Welt immer dunkler wird.

Zur Wintersonnenwende werden dann alle fünf Kerzen angezündet. Mit der Julkerze vom letzten Jahr entzündet man zuerst die Julkerze in der Mitte, dann die restlichen vier Kerzen. Nehmen mehrere Personen an diesem Ritual teil, so sollte jeder eine Kerze entzünden.

Das Licht ist nun endlich zurück gekehrt. Die Götter versprechen immer an der Seite ihrer Kinder auf der Erde, in Midgard zu stehen.

 

Das Wintersonnwendfeuer

Feuer des HerzensEs symbolisiert die Wiedergeburt des Gottes aus dem heiligen Feuer der Mutter Göttin.

Traditionell verwendet man dazu einen Holzblock oder Scheit aus Eiche oder Fichte. In diesen wird mit einem rituellen weißen Messer (werden grundsätzlich nur für Rituale verwendet) das Symbol der Sonne geritzt. Alternativ geht auch das Symbol für den Gott in Form des gehörnten Kreises oder ein Mann.

Das Holz wird am Abend im Kamin entzündet. Das Feuer wird als brennende Sonne visualisiert und soll von den wärmeren Tagen, die kommen, erzählen.

 

Speisen zur Sonnenwende

Zur Wintersonnenwende werden Früchte wie Äpfel oder Birnen verzehrt. Zudem werden Nüsse verspeist. Ein selbst gebackener Kümmelkuchen wird in Apfelwein getränkt. Des Weiteren sind gewürztes Bier, Hibiskus oder Ingwertee sehr beliebte Getränke an diesem Abend.

 

November 18th, 2016|Kategorien: JAHRESRAD|Tags: , |