Trennlinie Ornament

… in uralten und neuen Liedern besungen

 

„Ask veit ek standa,
heitir Yggdrasils,
hár baðmr, ausinn
hvíta auri;
þaðan koma döggvar,
þærs í dala falla,
stendr æ yfir grænn
Urðarbrunni.“

„Eine Esche weiß ich, heißt Yggdrasil,

Den hohen Baum netzt weißer Nebel;

Davon kommt der Thau, der in die Thäler fällt.

Immergrün steht er über Urds Brunnen.“

 

lieder-edda-bildSo steht es in der älteren Edda, auch Lieder-Edda genannt, geschrieben. Sie wird dem isländischen Gelehrten Saemundr enn fróði Sigfússon (1056–1133) zugeschrieben. Vermutlich wurde diese Edda 1240 niedergeschrieben.

Das Zitat findet sich in der Völuspá, Vers 19.

Die Völuspá, die Weissagungen der Seherin, ist DAS bedeutendste Gedicht des nordischen Mitteltalters. Sie berichtet von der Entstehung und dem Ende der Welt.

Der Autor greift dabei auf die nordische Mythologie zurück, auch auf die Geschichte Yggdrasils, dem Weltenbaum.

… und auch heute noch wird Yggdrasil besungen:

 

Yggdrasil, der erste Baum, der je wuchs

Yggdrasil Symbol

Vor unendlich langer Zeit schufen Odin und seine Brüder den Kosmos. Sie schufen das erste Menschenpaar,  Ask und Embla, aus dem Holze zweier Baumstämme.

Diese lebten in Midgard.

Ask und Embla machten schnell große Fortschritte. Sie liebten einander und schon bald entwickelte sich eine prächtige Familie mit jeder Menge neuer Menschenkinder.

Neben der Zeugung vieler Kinder war es auch ihre Aufgabe für das Wohl aller Pflanzen und Tiere zu sorgen.

Unter den Menschen lebten zur dieser Zeit auch die  Riesen.

Birgelmir und seine Frau, Urvater und Urmutter einer neuen Generation von Riesen, sorgten ihrerseits fleißig für Nachwuchs.

Die  Zwerge  lebten ebenfalls bei den Menschen. Sie waren in allen Gebirgen Midgards beheimatet und ließen ihren Stamm größer und stärker werden. Sie waren gut Freund mit den Menschen und den Riesen, aber besonders die  Alben  hatten es ihnen angetan. Nicht selten wurden Ehen zwischen Zwergen und Alben geschlossen.

Die Riesen wiederum, vor allem die weiblichen unter ihnen, hatten häufig ein Techtelmechtel mit den Göttern selbst. Das größte Göttergeschlecht, die  Asen, brachten zahlreichen Nachwuchs aus den eigenen Reihen hervor, verbündeten sich aber auch mit dem anderen Göttergeschlecht, den Wanen. Die Wanen sind zwar das kleinere, aber dafür ältere Göttergeschlecht. Während die Asen eher die Krieger und Herrscher repräsentierten, waren die Wanen Götter der Natur und der Erde.

Ehe der Riese Birgelmir und seine Frau das neue Riesengeschlecht erschufen, existierte ein uraltes anderes Geschlecht der Riesen, dessen Urvater Ymir war. Ymir allerdings war ein äusserst böser Riese. Odin, Vé und Vili, die ersten Götter, töteten Ymir. Aus ihm erschufen sie die Welt. Ymirs Fleisch wandelte sich in die Erde, sein Blut erschuf die Meere, seine Knochen wurden zu den Felsen und Gebirgen, aus seinen Augenbrauen entstand Midgard, aus seinem Schädel der Himmel, aus seinem Gehirn die Wolken, aus seinem Haar und seinen Wimpern entstanden die Bäume.

Einer dieser Bäume, eine Esche, wuchs höher und schneller als alle anderen. Ihre Krone reichte weit in den Himmel hinein, so weit, dass das Blätterdach von Midgard aus nicht mehr zu sehen war. Ihre Wurzeln reichten tiefer in das Erdreich, als unser Verstand zu begreifen vermag.

Ihr Name war Yggdrasil.

Sie galt von nun an als die Weltenesche, als der Mittelpunkt aller Sphären des Kosmos.

Soweit klingen die Lieder der alten Edda.

In der neuen Edda, der Snorra-Edda wird Yggdrasil weiter ausgeschmückt. So findet sich an jeder der drei Wurzeln ein Brunnen. Aber alles zu seiner Zeit.

 

Der Frieden im neu geschaffenen Kosmos währte nicht ewig

In den Anfängen herrschten Eintracht und Frieden zwischen den Menschen, den Riesen, den Zwergen und den Alben, den Göttergeschlechtern der Asen und der Wanen.

Sie alle lebten in Midgard und vermehrten sich fleißig fort und so kam es wie es kommen musste. Zu viele Wesen lebten auf einem zu engen Raum miteinander. Dies führte mehr und mehr zu Streitereien. Es wurde einfach zu eng in Midgard. Immer öfter feindeten sich alle Wesen untereinander an. Nun forderte jede Art ihr eigenes Reich. Vor allem die Riesen wurden immer streitlustiger und forderten die Menschen mehr und mehr heraus. Sie schikanierten sie nur zu gerne und es bereitete ihnen einen höllischen Spaß sie in Angst und Schrecken zu versetzen.

Odin, ganz verzaubert von seiner eigenen Schöpfung der Menschheit, konnte dies nicht länger mit ansehen. Er hatte noch etwas von den Augenbrauen Ymirs übrig. Mit ihnen schuf er einen in sich geschlossenen Schutzwall aus Flüssen und Wäldern rund um Midgard. Hinter dem Schutzwall floss der Ozean, der Midgard vollständig umrundete. Ausserhalb des Ozeans schuf Odin Jötunheim, das Reich in dem ab sofort die Riesen lebten. Utgardaloki, der Anführer der Riesen, bekam seinerseits noch eine ganz eigene Region: Utgard.

Das längst zu Urzeiten bereits erschaffene Muspelheim ging in all dem Durcheinander fast unter. Muspelheim, das Feuerland, war seit jeher das Reich der Feuerriesen, in welchem Surt über sein Volk herrschte. Die Feuerriesen waren eine recht eigene Art. Sie interessierten sich weder für die Belange der Menschen, noch für die der Götter. Daher verlor Odin sie fast aus seinem Blick. Nun aber setzte er auch dieses Reich ausserhalb des Ozeans.

Odin hatte die erste Ebene Yggdrasils geschaffen. Die Erde mit dem

  • Reich der Menschen – Midgard
  • Reich der Riesen – Jötunheim und seiner Herrschaftsresidenz Utgard
  • Reich der Feuerriesen – Muspelheim

 

Die tiefste Ebene Yggdrasils – Die Unterwelt

Yggdrasil wuchs und wuchs. Die Ausmaße der Esche waren gigantisch. Drei riesige Wurzeln bildeten die Grundlage des Weltenbaumes. Ehe sie in der Untiefe verschwanden ergriffen sie Niflheim und zogen es für alle Zeit mit in die Tiefe. Niflheim, gelegen an dem Punkt wo die drei Wurzeln sich kreuzten, ist das Land des reinen Eises, des Nebels und der tiefsten Finsternis mit gelegentlichen Polarnächten.

Einst ein eigenes Reich, wurde Niflheim später in das Totenreich Helheim integriert. Herrscherin über dieses Reich war die Göttin Hel. Helheim war einst der Ort, wo alle landeten, die zwar gestorben, aber nicht im Kampf gefallen waren. In der Snorra-Edda wurde Helheim als gigantisch groß beschrieben. Es war vollständig von Gittern umgeben. Der Saal Helheims wurd Elend genannt, der Hunger war Helheims Schlüssel und ihr Messer war die Gier. Der Knecht dieses Reiches hieß Träg, die Magd Langsam, die Schwelle ward Einsturz benannt, das Bett die Kümmernis und ihr Vorhang drohendes Unheil. Hel selbst ist eine furchterregende Gestalt. Sie ist zur einen Hälfte schwarz wie die tiefste Nacht und zur anderen Hälfte menschlicher Gestalt.

Die Göttin Hel und ihre Geschwister

Angrboda und ihre Brut: Hel, Fenrir und Jörmungand. (Emil Doepler, 1905)

Der Vater der Göttin Hel ist Loki, der Gott mit den dunkelsten Eigenschaften und Blutsbruder Odins. Ihre Mutter ist die Riesin Angrboda. Hel ist nicht die einzige Brut aus der Vereinigung von Loki und Angrboda. Sie waren es auch, die Fenrir, den Riesenwolf und Jörmungandr, die Midgardschlange zeugten.

Dieser Teil der alten Geschichte um Yggdrasil ist vermutlich stark christlich eingefärbt, so ist der Name Hel eng mit der christlichen Bezeichnung Hölle verknüpft.

Selbst in Helheim gab es Leichen, die nicht einmal das Totenreich überlebten. Sie nährten den schlangenartigen Drachen Nidhöggr.

Dieses hasserfüllte Wesen ernährte sich aber nicht nur vom Fleische der Leichen, auch von den Wurzeln Yggdrasil konnte er nicht lassen. Er wünschte sich den Untergang des Weltenbaumes. So fraß er unaufhörlich an seinem Wurzelwerk und konnte Yggdrasil doch nicht zu Fall bringen, denn die drei Nornen, an der Quelle des Schicksals, dem Urdbrunnen, heilten stetig die Wunden Yggdrasils und gaben dem Baume stets von dem heiligen Wasser der drei Quellen zu trinken. Sie sind es auch, die die Fäden des Schicksals aller Wesen spinnen und weben. Urd, die Norne der Vergangenheit sowie Verdandi, die Norne der Gegenwart und auch Skuld, die Norne der Zukunft.

das Schicksal – das Sein – das Werden

Unter der Wurzel Niflheims findet sich eine weitere Quelle, Hvergelmir, der brausende Kessel. Sie ist voller Gift und doch spendet sie der Göttin Hel ein wenig Wärme in ihrem doch sonst so eiskalten Reich. Hvergelmir speist alle Flüsse der Welt mit ihrem Wasser und ist die Heimat des dir bereits bekannten Schlangen-Drachens Nidhöggr.

Die dritte Quelle ist der Mimirsbrunnen, der Brunnen der Weisheit. Der Hüter dieser Quelle ist Mimir. Mit seinem Horn schöpft er deren Wasser und trinkt daraus. Mimir ist der Weiseste aller Weisen und ein Berater Odins.  Als Ragnarök, der Untergang der Welt, naht ist es Mimir, der Odin mit seiner Klugheit zur Seite steht.

Die Zwerge und die Dunkelalben lebten fortan in Steinhöhlen und Erdtunneln in der Region Nidavellir, ein Stück über Niflheim. Es funktionierte jedoch nicht. Die Zwerge wollten mit den Dunkelalben einfach nichts zu tun haben und ein neues Reich, etwas oberhalb von Nidavelllir, wurde geschaffen: Schwarzalbenheim. Dort lebten fortan die Dunkelalben,  welche auch Schwarzalben genannt werden. Die Zwerge selbst blieben in Nidavellir.

Das Reich der Unterwelt war geschaffen.

 

Die Reise führte weiter in die Oberwelt Yggdrasils

Alle Wesen hatten ihren Platz im Reiche Yggdrasil gefunden. Nur die Göttergeschlechter der Asen und der Wanen und auch die Lichtalben hatten noch keinen Platz im Reiche der Weltenesche.

Odin liebte Midgard und die Menschen, die dort lebten und gerne wäre er einfach unter ihnen gewesen. Es gab jedoch viel zu tun für den Göttervater und so brauchte er sein eigenes Reich von dem aus er regieren konnte. Das er dieses Reich nicht im Dunkel der Unterwelt schaffen wollte, versteht sich von selbst und in der Ebene der Erde war einfach nicht mehr genügend Platz.

So zog Odin mitsamt der Götter der Asen und der Wanen in die Krone des Baumes und schuf das sagenumwobene Asgard.

In vielen Liedern wird die Halle der toten Krieger, Walhall, besungen. Die tapfersten Krieger Midgards wurden von Odin selbst auserwählt nach ihrem Tode ihre letzte Ruhestätte in Walhall zu finden. Sie befand sich in Odins Burg Gladsheim, die größte Burg Asgards. Das Dach von Walhall bestand aus auf Speeren ruhenden Schilden. Aus der Halle führten über 500 Tore. Durch ein jedes Tor konnten 800 Krieger nebeneinander hinaus marschieren. Diese Krieger waren alle bereit an Odins Seite zu kämpfen, wenn Ragnarök nahte. In diesem Kampfe sollten sie ein zweites und letztes Mal fallen.

In Asgard lebten viele Götter und ein jeder Gott hatte seinen eigenen Palast. Jeder Palast wiederum war umgeben von immergrünen Wäldern und Wiesen. Das Land war fruchtbar und alle Pflanzen gediehen prächtig. Es kam also auch dort wie es kommen musste. Mit der Zeit wurde es in Asgard einfach zu voll. Die Asen und die Wanen gerieten in Streit und so blieb Odin nichts anderes übrig als einen dicken Schutzwall um Asgard zu ziehen und ausserhalb Wanenheim, das neue Reich der Wanen, zu schaffen.

Die Wanen waren schon immer eng mit den Lichtalben verbunden und nahmen diese seit jeher schützend unter ihre Fittiche. Unterhalb von Asgard und Wanenheim schufen sie den Lichtalben ein eigenes Reich: Albenheim.

Die Lichtalben sind die Beschützer der Natur, die Wächter über die Flora und die Fauna. In ihrem neuen Reich hatten sie von nun an einen guten Überblick über jede Pflanze und jedes Tier.

 

… Yggdrasil ward erschaffen, doch etwas fehlte noch
Heimdall - Bifröst

Es fehlte eine sichere Verbindung zwischen Odins Reich Asgard und der Menschenwelt Midgard.

So nahm Odin drei Feuerstränge und flocht daraus Bifröst, die Regenbogenbrücke. Sie führte direkt von seiner göttlichen Königsburg aus nach Midgard.

Heimdall, ein Gott aus dem Geschlecht der Asen, wurde zum Wächter bestimmt. Niemand sollte die Brücke je überqueren können, der dort nichts zu suchen hatte.

Heimdall ist im Besitz des mächtigen Schwertes Höfud und auch von Gjallarhorn, das schallende Horn. In dieses blies er, als Ragnarök, der Untergang der Götter, begann.

***

Ich erzählte euch von Nidhöggr, dem schlangenartigen Drachen und Fenrir, dem Riesenwolf. Ich erzählte von den Zwergen, den Alben, den Riesen, den Asen, den Wanen und den Menschen.

Nur erzählte ich euch nichts von von Hraesvelgr, dem allwissenden Adler, der in den Ästen des schützenden Blätterdaches seinen Nistplatz hat. Erwähnte nicht den Habicht Vedrfölnir, der zwischen des Adlers Augen lebt und allsehend ist. 

Ich sprach nicht über Ratatöskr, dem Eichhörnchen. Ein arg geschwätziges Tierchen, welches ständig zwischen der Ober- und der Unterwelt Yggdrasils hin und her flitzte um die jeweiligen Beleidigungen von Hraesvelgr dem Adler zu dem Drachen Nidhöggr und umgekehrt zu überbringen. Der Adler und der Drache, ihr ahnt es schon, konnten sich auf den Tod nicht ausstehen.

Du kennst auch noch nicht Goinn und Moinn, zwei der bösartigsten Schlangen unter den Wurzeln Yggdrasils, welche dem boshaften Nidhöggr fleißig beim Annagen der Wurzeln halfen. Ich sprach auch nicht von den vier Hirschen Dain, Dwalin, Dunneir und Durathror, die im seitlichen Geäst Yggdrasils lebten.

Erwähnte selbst Hugin und Munin nicht, die zwei Raben und ständigen Begleiter Odins. Jeden Tag schickte Odin Hugin und Munin nach Midgard und lies sich von ihnen das Neueste aus dem Reich der Menschen berichten.

So viele zauberhafte Geschichten gibt es noch über Yggdrasil zu berichten, doch soll dies an einem anderen Tag an einem anderen Ort geschehen. Für heute genug der Worte.

Mit Ragnarök, dem Kampf der Götter und Riesen, welcher ganze drei Jahre währte, ist die Welt Odins untergegangen und mit ihr auch Yggdrasil, der Weltenbaum. Aber auch von dieser Geschichte soll ein anderes Mal berichtet werden. Nur eines vorweg: Es steht geschrieben, dass die Welt neu erschaffen wird und dieser Tage erinnern sich viele Menschen wieder an die alten Geschichten Odins und Yggdrasils und es ist, als würde der Weltenbaum sich aufs Neue erheben, größer und stärker als je zuvor.

Trennlinie Ornament

Artikel drucken Artikel drucken

 

2 Responses

  1. Pete J. Probe

    Hallo Alexa&Co,
    ich habe im letzten Jahr die Rauhnächte mit einem zünftigen Feuer gefeiert, Meine Freunde waren sehr beeindruckt von der urigen Stimmung. Diesmal will ich es diesmal mit `Stockbrot´ und einer heißen Suppe über dem Feuer machen.
    Ganz einfach und Stockbrot mit eigenem Teig zu machen.
    Ich weiß das genaue Datum leider nicht mehr.
    LG und geht raus!!
    Jürgen aus Loy (PJP)

    Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.