• Jahreskreis keltischer, germanischer Feste

Der Jahreskreis alter keltischer und germanischer Feste

Jahr für Jahr dreht sich das Rad des Lebens. Der Jahreskreis alter keltischer und germanischer Feste geht teils bis in die Bronzezeit zurück.

In unseren Breitengraden variierten die Zeiten der Jahreskreisfeste regional teils recht stark, so manches Mal hat schon bereits das Nachbardorf anders gefeiert als man selbst. Die Geschichte lässt sich zudem leider nicht eindeutig zurück verfolgen, da vieles gar nicht oder erst wesentlich später überliefert wurde. Es finden sich zum Beispiel Aufzeichnungen römischer Gesandter, die jedoch niemals die Wirklichkeit widerspiegelten, da sie nur versuchten zu interpretieren was sie sahen und es allein dadurch schon verfälschten.

Die Edda gibt es in zwei verschiedenen Ausführungen, beide stammen jedoch erst aus dem 13. Jahrhundert. Mit der Edda werden wir uns an anderer Stelle näher beschäftigen. Deutlich soll an dieser Stelle nur werden, dass sie kein genaues Abbild uralter Geschichte widerspiegelt und zudem sicherlich auch jeweils über eine eigene künstlerische Note der Verfasser verfügt.

Fast könnten wir über die alte Zeit sagen: „Wir wissen, dass wir nichts wissen.“, aber ganz so ist es auch nicht.

 

Die vier Hauptfeste im Jahreskreis

In einem sind sich die Anhänger des Heidentums der heutigen Zeit einig: Es gab vier wichtige Feste, die auch heute noch als die Eckpunkte des gesamten Jahres angesehen werden. Diese vier Feste sind allesamt Sonnenfeste. Sie finden zu den Sonnenwenden im Dezember und Juni statt sowie zu den TagundNachtgleichen im März und September. Diese vier Sonnenfeste wurden sicher auch von unseren germanischen Vorfahren zelebriert.

In Skandinavien gab es laut Snorri Sturloson, welcher die Snorri Edda verfasst hat, nur drei Hauptfeste: Das disablót, welches den Beginn des Winters markierte, das jól (Jul) in der Mitte des Winters (welches in die Mitte des heutigen Januars fiel) und das sigrblót im Sommer.

Die Angelsachsen teilten das Jahr in zwei Hälften und trennten es durch die Sonnenwenden voneinander, beginnen tut es indes jedoch mit der modraniht (der Mütternacht), welche in der Nacht zum 25. Dezember stattfindet.

Die vier Sonnenfeste waren in vielen Religionen wichtige Dreh- und Angelpunkte des Jahres und sie gehen mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit schon auf die Bronzezeit zurück, die bis zu 2200 Jahre vor Christus zurückliegt.

Himmelsscheibe von NebraAus dieser Zeit stammt ein einzigartiger Fund: Die Himmelsscheibe von Nebra. Sie ist etwa 3700 bis 4100 Jahre alt und fällt somit in die Bronzezeit. Sie interpretiert die Winter- und Sommersonnenwende und die beiden TagundNachtgleichen. Es existieren im Internet zahlreiche interessante Berichte dazu.

Es finden sich viele archäologische Funde oder auch ganz offensichtliche Bauten (siehe Stonehenge. Pyramide von Kukulká, …). welche die Wichtigkeit der Sonnenfeste seit jeher belegen.

 

Die Wintersonnenwende

Die Wintersonnenwende wird oftmals mit dem Julfest gleichgesetzt, was aber nicht korrekt ist, da dieses erst im Januar gefeiert wurde und nicht direkt mit der Wintersonnenwende in Verbindung steht.

Wir können die Wintersonnenwende als Mutternacht (modranecht, modraniht) ansehen, aber es gibt auch hier starke Schwankungen in den Zeiten. In einer Theorie ist die Mutternacht gleichzeitig die Nacht der Wintersonnenwende, die Angelsachsen wie oben bereits erwähnt datierten sie auf die Nacht zum 25. Dezember und im Werke De temporum Ratione von Bena Venerabilis, datiert auf eine Zeit zwischen 500 und 700 n. Chr., heißt es:

„Sie beginnen aber das Jahr mit dem achten Kalender des Januars, an dem wir die Geburt des Herrn feiern. Und diese selbe Nacht, die uns besonders heilig ist, wird von den Heiden Modranicht genannt, was Nacht der Mütter bedeutet…“

Persönlich ist für mich die Mutternacht die Nacht der Wintersonnenwende. Sie ist das Fest der Wiedergeburt und des Neubeginns allen Lebens.

 

Die Frühjahrs-Tagundnachtgleiche

Dieses Fest, welches auch unter dem Namen Ostara und Alban Eiler bekannt ist, hat auch starke zeitliche Abweichungen in den verschiedenen Regionen. Der April, welcher im angelsächsichen Kalender eostremanoth genannt wurde, ist gleichzusetzen mit dem althochdeutschen ostarmonath, benannt nach dem Feste der Eostre (Ostara). So fiel das Ostara Fest meistens in den April.

Die Hexen und auch teils Schamanen der heutigen Zeit zelebrieren das Fest zur Frühjahrs-TagundNachtgleiche im März. Sie huldigen damit der Göttin Ostara, für deren Existenz sich jedoch keinerlei Beweis finden lassen, außer in Erzählungen des Märchen(er)finders Jacob Grimm, welcher sich widerum auf die eben schon erwähnte Schrift Bedas „De temporum Ratione“ im Kapitel 15 bezog, in welcher von Eostre berichtet wird.

Mit dem Fest der Frühjahrs-Tagundnachtgleiche feiern wir das Fest der Wiederaufstehung, nicht der von Jesus Christus, sondern der Auferstehung neuen Lebens. Die Fruchtbarkeit allen Lebens, der Frühling kehrt zurück.

 

Die Sommersonnenwende

Die Sommersonnenwende, auch Mittsommer, Litha oder Alban Hevin genannt, wird am 20., 21. oder 22. Juni eines jeden Jahres gefeiert, je nachdem auf welchen Tag sie fällt. Der längste Tag des Jahres ist gekommen mit seiner kürzesten Nacht. Es ist eine Nacht des Feuers und des Lichtes. Es ist eine Zeit des Überflusses, eine ausgelassene und freudige Zeit. In der Nacht der Sommersonnenwende wird der Sonnengott zum König gekrönt, welcher zu Samhain stirbt und zur Wintersonnenwende neu geboren wird.

 

Die Herbst-Tagundnachtgleiche

Das Fest fällt je nach Sonnenstand auf einen Zeitraum zwischen dem 21. und 23. September. Nun ist der Tag abermals so lang wie die Nacht und die Welt beginnt sich allmählich schlafen zu legen. Die Ernten sind größtenteils eingefahren, die Blätter fallen von den Bäumen und die Natur wird sich nach und nach zur Ruhe legen. Mit diesem Fest danken wir Freya, der Göttin der Furchtbarkeit für all ihre reichen Gaben.

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Jahreskreis Feste 2018

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Pentagram

Die vier „kleineren“ Feste des Jahres

Neben den vier Hauptfesten des Jahres, welche durch die vier markanten Sonnenstände des Jahres gekennzeichnet sind, gibt es noch weitere „kleinere“ Feste. Die wichtigsten Vier davon seien kurz genannt: Imbolc, Belteine, Lughnasadh und Samhain.

Achtung! Entgegen vieler Darstellungen gibt es keinerlei Belege, dass diese Feste bei den alten Germanen gefeiert wurden. Sie sind, so der bisherige Kenntnisstand, rein keltischen Ursprungs. Imbolc wurde später auch unter dem Namen dísablót in Schweden gefeiert. Belteine kam höchstwahrscheinlich erst später nach Deutschland und wurde hier unter dem Namen Walpurgisnacht bekannt. Die ersten Aufzeichnungen darüber finden sich erst im 16. Jahrhundert. Nach England gelangte Lughnsad. Es wird dort hloafinæs oder auch Lammas genannt und bedeutet „Brotlaib-Fest“.

Heute ist ein Synkretismus, eine wilde Vermischung der alten Bräuche üblich und es ist inzwischen ganz normal, dass alle acht Jahreskreisfeste gefeiert werden.

Herrscht heutzutage (!) eigentlich Einigkeit über die Zeitpunkte der Sonnenfeste, so fallen die eben genannten Feste doch auf sehr unterschiedliche Zeitpunkte. Die einen sehen die Feste als Pendant zu den Sonnenfeiern als Mondfeste an. Andere wiederum glauben, dass die Feste in etwa mittig zwischen den Sonnenfesten liegen und sich an den Zyklen der Natur (wie Wurfzeiten der Tiere, Erntezeit, usw.) richten.

Der keltische (irische) Kalender gibt eine recht eindeutige historische Zuordnung. Er legt die Feste wie folgt:

  • Samhain (eigentlich Samain geschrieben) – 01.November
  • Imbolc – 01. Februar
  • Beltane (eigentlich Belteine geschrieben) – 01. Mai
  • Lughnasadh (eigentlich Lugnasad geschrieben) – 01. August

Die Feste begannen jedoch schon immer mit dem Sonnenuntergang des Vorabends, da früher auch ein Tag mit dem Untergang der Sonne begann, also der Erste Mai quasi am Abend des 30ten Aprils begann.

Ich persönlich bevorzuge ebenfalls diese Variante, zum einen weil sie mehr meinem inneren Gefühl entspricht und zum anderen, weil sich für die Mondfeiern keine historischen Belege finden lassen. Ein Jahr lang habe ich es probiert mich nach dem Mond zu richten, aber es hat sich einfach nicht stimmig angefühlt.

Für das Jahr 2018 fallen die Feste nach dem Mond berechnet auf folgende Tage:

  • Imbolc- 02.01. (zweiter zunehmender Mond),
  • 29.05. Beltane (5. Vollmond),
  • 04.08. Lughnasadh (8. abnehmender Mond) und
  • 07.11. – Samhain (11. Neumond).

Die Berechnung erfolgt übrigens nicht mit dem Jahreswechsel wie er heutzutage üblich ist, sondern beginnt mit dem Ersten Neumond nach der Wintersonnenwende, dieses Jahr am 17. Januar.

 

Samhain – Das Fest zu Ehren unserer Ahnen

In der Nacht von Samhain stirbt der Gott der Sonne. Bei den Kelten war dies der Beginn eines neuen Jahres, daher ist es an dieser Stelle auch als Erstes angeführt. Es heißt die Tore zur Welt der Toten sind in dieser Nacht besonders weit geöffnet und die Wesen der Anderswelt kommen uns besuchen. Es ist ein Fest in dem Altes stirbt, damit das Neue geboren werden kann.

 

Imbolc – Das Leben beginnt allmählich zu erwachen

Mit diesem Fest beginnt sich die Göttin wieder zu erheben. Zur Wintersonnenwende gebar sie den neuen Sonnengott und ließ diesen in ihrem dunklen Schoße zu einem Knaben heranwachsen. Die Göttin und der Knabe sind von der Anstrengung der Geburt genesen und beginnen sich zu erheben. Die Kraft des Knabens, also der Sonne, ist nun stark genug um der Erde neues Leben zu schenken. Seine Strahlen sind der Dünger, welche die Pflanzen wieder sprießen lässt.

 

Beltane – Das Fest der Druiden und Hexen

Zu diesem Fest gibt es nur sehr wenige wissenschaftliche Quellen. Im ursprünglichen Sinne war Beltane ein Fest der Druiden, erst später wurde es zu einem Fest der Hexen. Hierzulande ist das Fest besser unter dem Namen Walpurgisnacht begannt und ein jeder Mensch verbindet inzwischen damit die Nacht der Hexen. Die Menschen feiern das Fest zusammen, auch die Tourismusbranche verdient inzwischen recht gut daran und das nicht nur auf dem Brocken, dem Hexentanzplatz schlechthin.

 

Lughnasadh – Das Fest des Königs

In seinem Ursprung war dies das Fest des Lug, dem keltischen König der Sonne. Das Land steht in der Blüte seiner Erträge. Die Ernte wird nun bald eingefahren. Zu diesem Fest wird sehr viel gespeist. Es wird an diesem Tage nach altem Brauch gerne geheiratet. Es finden Märkte statt und die Menschen erfreuen sich am Überfluss des Lebens. Hierzulande wird es auch das Schnitterinnenfest genannt, da nun die Zeit beginnt, in der das Korn geschnitten werden muss.

 

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Quellen:

Francoise Le Roux und Christian-J. Guyonvarc’h, in: Die Hohen Feste der Kelten, ©1997 Arun-Verlag, 3. Auflage 2008

Fritz Steinbock, in: DAS HEILIGE FEST – Rituale des traditionellen germansichen Heidentums in heutiger Zeit, ©2011 Edition Roter Drache, 4. Auflage 2014

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