Wir Neuheiden feiern zumeist die germanischen und die keltischen Jahreskreisfeste. Während die germanischen Hauptfeste nach der Sonne ausgerichtet sind, feierten die Kelten die Zyklen der Natur. Ihre Feste waren dem Erwachen der Saat zu Imbolc, der Fruchtbarkeit zu Belteine, dem Beginn der Ernte zu Lughnasadh und dem Ende der Ernte zu Samhain zugeordnet. In diesen Zyklen treffen wir immer wieder auf die Dreifache Göttin, verkörpert durch Brigid, Modron und Cailleach.

Brigid keltische Göttin Imbolc Trinität

Der Aspekt „Dreifache Göttin“ der Kelten kurz beleuchtet

In vielen alten Mythen und Legenden ist die die Trinität der drei Göttinnen nicht erwähnt, sondern agieren die Göttinnen mehr oder weniger unabhängig voneinander. Rund um die alten Legenden der Brigid finden wir sie selbst an eigenständige Trinität vor – als dreifache Göttin erscheint sie oft als dreifache Brigid oder auch als Göttin der Dichtkunst, der Schmiedekunst und der Heilung. Und doch findet sich vor allem zwischen Brigid und Cailleach in den alten Sagen immer wieder eine Verknüpfung. So siehe diese Trinität bitte als ein mögliches, nicht als ein in Stein gemeißeltes Konzept an.

Erstens

Brigid, die Göttin des Frühlings und des Feuers

Brigid ist die Jüngste im Bunde und wird selbst oft für sich allein stehend als dreifache Göttin angesehen. Sie ist von jugendlicher Gestalt, wunderschön und voller Leben. Ihr Fest ist Imbolc, welches mancherorts sogar ihren Namen trägt. Mit Imbolc beginnt auch die Regentschaft der Brigid. Sie übernimmt in vielen alten Mythen den Kraftstab von Cailleach, der Weisen Alten. Dieser Kraftstab verleiht der Trägerin die Macht über das Wetter und die Elemente.

Brigid ImbolcDas Neue tritt in die Welt, das Leben beginnt sich wieder zu entfalten. Unter der Erde warten bereits die Samen darauf endlich aufgehen zu dürfen. Mit Brigid schieben sich die Schneeglöckchen durch die weiße Pracht.

Brigid bringt das Licht nach einer langen Phase der Dunkelheit. Sie lädt uns ein, unseren Geist weit zu öffnen, um der Zukunft entgegen zu sehen. Brigid ist auch die Herrscherin über das Feuer. Es entflammt in unseren Herzen und fordert uns auf, für das zu brennen, was wir lieben.

Brigid ist zudem die Schutzgöttin des Herdfeuers. Sie ist die Göttin der Schmiedekunst und des glänzenden Metalls. Sie ist eine Göttin der Heilung und der Dichtkunst.

Bereits die alten Druiden wussten sie zu ehren. Wollte man gewiss gehen, dass jemand die Wahrheit sprach, so schwor dieser Mensch auf Brigid. Sie ist auch die Göttin der Wahrheit, der Weisheit, der Poesie und der Künste.

Brigid liebt alles, was Früchte tragen wird, dass etwas Neues erschafft. Sie ist mit dem Aufgang der Sonne zum Leben erwacht. Als kleines Kind schon schlief sie in einem Meer aus Flammen. Diese Kraft des Feuers ist es, die den Winter in die Flucht schlägt, damit das neue Leben erwacht.

Das Licht kehrt zurück.

Pfeil-Zauberpferd

Zweitens

Modron, die Göttin des Sommers und der Fruchtbarkeit

Zur Zeit der Sommersonnenwende legt Brigid den Zauberstab unter einen Holunder und zieht sich aus der Regentschaft zurück. Die Zeit von Modron ist gekommen. Sie ergreift das Zepter und regiert als Herrscherin über den Sommer.

Alles was Brigid gesät hat, beginnt nun zu reifen. Modron ist im Aspekt der dreifachen Göttin die große Mutter. Sie ist eine Göttin der alten Welt. Liebst du die Artus Sagen, so hast du gewiss schon von ihr gehört.

Modrons Sohn ist Mabon. Ihn kennen wir von der Herbst-Tagundnachtgleiche, deren Namensgeber er im Volk der Kelten ist. Als er drei Tage alt war, wurde er seiner Mutter genommen. In der Artus Sage heißt es, dass Artus und seine Ritter Mabon aus der Gefangenschaft befreiten. Jedoch gibt es noch zwei weitere Legenden. Modron selbst, so steht geschrieben, habe ihren Sohn in der Anderswelt gefunden. In einer dritten Version wurde Mabon im Bauch von Mutter Erde von einer Amsel, einem Hirsch, einer Eule, einem Adler und einem Lachs befreit. Sie gelten als die ältesten Tiere der Welt.

Modron ist nicht nur die Göttin der Fruchtbarkeit, sie ist auch die Göttin der Ernte. Ihr Sohn Mabon begibt sich zu Beginn des Herbstes in die Unterwelt. Sein Erntefest ist auch seiner Mutter Modron gewidmet, deren zweite Regentschaft der dreifachen Göttin alsbald endet.

Ist wirklich das letzte Kraut gezupft und die letzte Ernte eingeholt, so kündigt sich die Zeit des Winters, die Phase der Dunkelheit an. Modron legt zu Samhain den Zauberstab unter den Holler und steigt in ein Wasserbecken, um zu baden. Aus dem Becken steigt die Weise Alte, die Cailleach heraus und übernimmt die Winterzeit.

Pfeil-Zauberpferd

Drittens

Cailleach, Göttin des Winter, der Dunkelheit und des Todes

Vergleichen wir die dreifache Göttin der Kelten mit den drei Nornen der Germanen, so gleicht Cailleach der Norne Urd. Sie schneidet den Schicksalsfaden durch, wenn die Zeit des Ablebens gekommen ist.

Cailleach ist fest mit dem Leben verankert und hält doch die Fäden des Todes in der Hand. Sie lässt sich weder beirren, noch schert sich um die Meinungen anderer. Ihr Süppchen ist längst gekocht und in dieses lässt sie sich nicht mehr spucken.

Cailleach hat alles gesehen und weiß um alles was kommt. Sie ist eine große Zauberin und fähig sich in jede beliebige Gestalt zu verwandeln. Oft ist sie im Körper eines Tieres anzutreffen. Blitzschnell wie das Licht reitet sie als Stute durch die Sagenwelt von Morc Na Maighe.

Sie kann eisig sein wie der Nordwind, aber auch einladend wie das Feuer im Kamin. Niemand weiß, ob sie einem wohl gesonnen sein wird oder nicht. Das zeigt auch die Herkunft ihres Namens, der ursprünglich „das Verschleierte“ (caille, der Schleier) bedeutete. So ist Cailleach, wie hinter einem Schleier verborgen. Sie ist mystisch und geheimnisvoll, undurchsichtig und weise. Und noch einen Aspekt trägt der Schleier in sich. Er ist die Verbindung zwischen den Welten, zwischen unserer und der Anderswelt. Cailleach ist es, welche an Samhain zum Feste lädt.

Nach einem keltischem Glauben, so wird es erzählt, ist es eine Schlange, die den Frühling bringt. Cailleach weckt diese Schlange, obwohl dies ihre Regentschaft beendet. Wie eine Schlange sich häutet, erneuert sie nun die Welt. Cailleachs Regentschaft ist vorbei, wenn sie ihren Zauberstab unter den Holler legt und sich in einen Stein verwandelt.

Brigid ergreift den Stab, setzt sich auf einen Hirsch und reitet durch die Lande, um die Samen zu wecken. Sie wird all die Bäume schütteln und dafür Sorge tragen, dass das Leben neu zu sprießen beginnt.

Der Kreis schließt sich.

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Brigid keltische Göttin Imbolc Trinität