Die Herbst-Tagundnachtgleiche ist das mittlere von drei Erntezyklen. Zu Lughnasadh beginnt die Ernte, zur Herbst-Tagundnachtgleiche ist ihr Höhepunkt erreicht und zum Ahnen- und Totenfest Samhain ist alles unter Dach und Fach gebracht. Dabei sind Lughnasadh und Samhain keltischen Ursprungs. Die Tagundnachtgleiche gehört zu den Sonnenfesten.

Insgesamt feiert die Hexen- und Zauberzunft der heutigen Zeit zumeist alle acht Jahreskreisfeste, sowohl die keltischen als auch die alten Sonnenfeste.

Die Herbst-Tagundnachtgleiche ist unter vielen Namen bekannt. Die Wicca-Anhängerschaft, eine neuzeitliche Hexenreligion, feiert das Fest unter dem Namen Mabon. Es wird unter anderem auch Erntedank, Alban Elved, Fest von Avalon oder auch Witch’s Thanksgiving genannt.

Herbst-Tagundnachtgleiche – Termine der nächsten drei Jahre

2022: am 23. September

2023: am 23. September

2024: am 22. September

Ornament Trennlinie

Mabon ist ein uraltes Fest des Dankes. Die Ernten sind zu großen Teilen eingeholt, die Speicher prall gefüllt, die Nüsse und Früchte des Herbstes sind reif und die Pilze zahlreich. Die Kelten (Mabon) und Germanen (Erntedank) dankten mit diesem Fest ihren Göttern für die Fülle der Ernte, die sie im Winter nähren wird.

Mit diesem Fest ist es an der Zeit, dem Sommer so langsam ‚Lebewohl‘ zu sagen. Oft werden wir noch einige Tage von der Kraft der Sonne beschenkt, mit ein wenig Glück können wir in den Strahlen eines zauberschönen Altweibersommers baden, aber die Dunkelzeit hat sich bereits auf den Weg gemacht und nichts wird sie aufhalten.

Das Fest zur Herbst-Tagundnachtgleiche wurde nicht selten wahrlich ausschweifend gefeiert und mitunter gar bis zum nächsten Vollmond zelebriert.

Mit den Feierlichkeiten begann trotz Gesang, gedeckten Tischen und lodernden Feuern, ganz im Stillen die Zeit des Rückzuges, welche wir auch noch heute ganz intuitiv in uns spüren. Wir beginnen, uns wie von selbst mehr in unseren privaten Gefilden einzurichten. Viele Menschen verspüren das Bedürfnis, es sich daheim so richtig gemütlich zu machen. Wir greifen immer öfter zur Kuscheldecke und dem warmen Kakao.

Die Menschen der alten Zeit suchten nun vermehrt den Kontakt zu ihren Ahnen. Mit der anschwellenden Dunkelzeit wird dieser Bund immer stärker, bis zu seinen Höhepunkten an Samhain und in den Rauhnächten.

Mit dem Erntefest ehrten sie auch insbesondere ihre Gottheiten und die Hexen und Magier der neuen Zeit tun es ihnen gleich. Der Dank der Heiden richtete sich zur Herbst-Tagundnachtgleiche dabei vor allem an Freyja, der Göttin der Fruchtbarkeit.

Es wurden reichlich Büschel aus Korn zusammen gebunden und in den Wohnstätten aufgehangen. Auf den Feldern ließen sie jedoch stets einige Früchte und Ähren für die Tiere zurück. Die Natur schenkt, der kluge Mensch gibt voller Dankbarkeit etwas von diesen Gaben zurück.

Keltischer Knoten

Die stille Jahreszeit nimmt ihren Anfang

Fährt man dieser Tage über Land, so sind allerorten die Traktoren zu sehen, welche bis in die Dämmerung hinein unterwegs sind, um die letzten Ernten einzufahren. Die Erntezeit selbst beginnt zur Zeit von Lughnasadh – Anfang August, als die Kraft der Sonne schon zu schwinden begann, aber noch gleißend heiß am Himmel stand. Nun legt der Sommer sich zur Ruhe, schon bald wird es still im ganzen Land.

Zweimal im Jahr ist die Nacht so lang wie der Tag und der Tag so kurz wie die Nacht – sind Dunkelheit und Licht in vollkommener Balance. Jetzt, zur Herbst-Tagundnachtgleiche, wie auch zu seinem Pendant, der Frühjahrs Tagundnachtgleiche, liegt ein spürbarer Zauber des Wandels in der Luft.

Im Glauben der Wicca ist Mabon der göttliche Sohn und zugleich Namenspatron für das mittlere Ernte-Fest. Zur Herbst-Tagundnachtgleiche steigt er in die Unterwelt hinab, nachdem er sich zu Lughnasadh als Kornkönig opferte. Zur Wintersonnenwende wird er sodann neu geboren.

Wie für den Göttersohn Mabon, beginnt nun auch für uns Menschen eine Zeit der Stille mit langen dunklen Nächten.

Jetzt umgibt uns noch Fülle. Es wurde und wir reichlich geerntet, die Speicher sind voll, die Vorräte eingelagert und winterfest gemacht. Die Herbstsonne verströmt ihr goldenes Licht und die Blätter tanzen in einem buntem Farbenspiel durch die noch recht milden Winde. Der Baum wirft, wie in jedem Jahr, sein Laub ab und kommt zur Ruh. So wie auch wir zur Ruhe kommen sollten.

Es ist eine Zeit der tiefen Dankbarkeit. Über das Jahr hinweg haben wir viele Geschenke erhalten – nicht nur von Mutter Natur. So manches haben wir uns gewünscht und gerne empfangen. Es waren aber auch einige Geschenke unter den Gaben, auf die wir gut hätten verzichten können. Doch im Leben ist schon so manches Mal eine ungewollte Gabe zur schönsten Perle heran gewachsen. Es braucht stets Zeit, um die wahre Schönheit hinter den Dingen zu erkennen.

Danke wir all unseren Lebens-Momenten, den neu gewonnenen Erkenntnissen, den Erlebnissen und Taten, unseren Träumen und danke wir auch unseren Enttäuschungen. Überlege, aus welchem Grund dir welches Geschenk wohl zuteil wurde.

Danke auch Gaia, der Mutter Erde, für all ihre nährenden Gaben und Freyja, der nordischen Göttin der Fruchtbarkeit.

 

ZUM SHOP

Es ist an der Zeit, Ordnung zu schaffen

Wir haben uns einen Frühling und einen Sommer lang ausgetobt, doch so langsam ist es Zeit aufzuräumen. Wir müssen wieder Ordnung schaffen. Es ist wichtig, vom Äußeren den Blick wieder vermehrt auf das Innere zu richten und uns neu zu sortieren.

Überlege, was sich im Laufe des Jahres so alles bei dir angesammelt hat. Was wird dir nützlich sein? Was benötigst du für deinen weiteren Weg wirklich? Überlege dir, welche Dinge vielleicht nur unnötiger Ballast sind und dir mehr schaden als nutzen. Was war einfach nur eine Spielerei, ein kleiner Spaß oder unnötiger Luxus, den es eigentlich nicht braucht?

Denke auch darüber nach, welche Erfahrungen du in der kommenden Zeit der Besinnung sammeln möchtest? Lasse in Wohlwollen los, was dich daran hindert ein Leben zu führen, wie du es dir von Herzen wünschst.

Was brauchst du wirklich, um deinen Weg zu gehen? Welche deiner neuen Erkenntnisse möchtest du weitergeben?

Frage dich, welche Dinge oder Erfahrungen von Nutzen sind. Hüte alle Bereicherungen deines Lebens wie einen wertvollen Schatz.

Erscheinen dir auch bestimmte Dinge und Erfahrungen auf den ersten Blick unnütz, so frage dich, ob sie dich dennoch glücklich machen. Wenn ja dann behalte sie und trage sie in deinem Herzen. Schenken sie dir jedoch weder Nutzen noch ein positives Gefühl, dann werde sie schnell los. Belasten sie dich gar, dann wirf sie davon – so weit du nur kannst. Schreibe sie von dir, wenn sie nicht greifbar sind. Übergib sie durch Verbrennen dem Feuer, durch Vergraben der Erde oder durch Versenken dem Wasser.

Keltischer Knoten

Lege die Keime für das nächste Jahr

Keine Zeit währt ewig und auch die kommende wird im nächsten Frühjahr wieder ein Ende finden. Jetzt ist der Moment gekommen, um das erste Saatgut für den nächsten Frühling zu legen.

Beginne in deinem Leben Raum für Neues zu schaffen. Finde in deiner Wohnung, deinem Haus oder deinem Garten einen Ort, an dem du Platz schaffen kannst. Stelle eine Kerze an diesen Platz und dekoriere ihn mit Symbolen des Herbstes. Das können Kastanien oder andere Baumfrüchte sein, wunderschöne Heidepflanzen oder auch Herbstastern.

Die Schlehe trägt jetzt ihre Früchte, der Sanddorn und auch die Hagebutten. Nicht zu vergessen der Kürbis. Stelle ein farbenfrohes Arrangement zusammen. Begib dich in den nächsten Tagen immer wieder an diesen wundervoll dekorierten Ort. Er möge dir Kraft und Freude schenken. Entzünde eine Kerze, wenn du ihn besuchst und nimm dir ein jedes Mal ein paar Minuten Zeit nur für dich.

Erinnere dich all der schönen Momente der letzten Monate und nimm diese positive Energie mit in die Winterzeit. Danke dem Universum für all deine zauberhaften Augenblicke des Lebens.

Keltischer Knoten

Kleine Bräuche zur Herbst-Tagundnachtgleiche

Die Sonne verlässt nunmehr das Zeichen der Jungfrau und tritt in die Waage ein.

Es ist eine Zeit der Fülle, denn die Ernte ist eingefahren. Was liegt da näher, als miteinander ein Fest zu feiern. Tischt die zahlreichen Speisen auf, dass sich die Tische biegen. Mit einem üppigem Mahl dankten schon die Heiden den Göttern für eine reiche Ernte.

Am Felde werfen die Bauern zu Ehren der Mutter des Kornes drei Früchte über die Schulter. Das letzte Fleckchen Getreide bleibt stehen und wird als letzte Gabe zurückgelassen.

Die Kornpuppe, welche zu Lughnasadh gebunden wurde, darf nun in Flammen aufgehen. Nutze getrocknete Früchte, Efeu, Eicheln und Kastanien, um einen Kranz zu binden. Hänge den Kranz im Eingangsbereich deines Zuhauses auf.

Räucherst du gerne, so kannst du folgende Kräuter nutzen:

  • Myrrhe
  • Sandelholz
  • Kiefernharz
  • Rosmarin
  • Salbei
  • Wacholder

 

Fülle dein Herz

Es ist Zeit Danke zu sagen, wie es für die alten Heiden einst selbstverständlich war. Danke deiner Familie, deinen Freunden und Bekannten. Richte heuer auch deinen Dank an die Ahnen, denn sie sind die Quelle all unseres Wissens. Danke den Elementen, dem Feuer, der Luft, der Erde, dem Wasser und dem Spirit dieser Welt. Vergiss auch nicht dir selbst zu danken, denn du allein bist den Weg gegangen, der hinter dir liegt.

Feiere diesen Tag, wenn möglich nicht allein – es sei denn, du möchtest es unbedingt. Suche dir einen Kreis von liebenswerten Menschen. In vielen Städten und Gemeinden kannst du dich auch angebotenen Feierlichkeiten anschließen. Sei mutig.

Möchtest du dich tiefer mit den alten Bräuchen verbinden, dann folge dem Beispiel unserer Ahnen, deren Erbe wir sind. Trage Kränze aus Blumen im Haar. Nutze auch die kulinarischen Möglichkeiten. Backe ein (Kürbis-)Brot, koch leckere Herbstgerichte oder atme den Duft eines Apfelkuchens in deiner Küche. Lade dir für ein gemeinsames Mahl Freunde ein. Deckst du den Tisch, dann dekoriere ihn mit farbenfrohen Gaben der Natur.

Entzünde ein Feuer oder nutze Kerzen, wenn es dunkel wird. Schlage die Trommeln oder erwecke anderweitig deine Umgebung mit Klang. Die Elementargeister lieben Musik. Lade sie ein zu Speis und Trank.

Spüre die Fülle in deinem Herzen, welches leise Danke flüstert.


 

Titelbild von Larm Rmah auf Unsplash