• Die drei Nornen - Verdandi, Schwester von Urd und Skuld

Drei Nornen weben unser aller Schicksal

Das Schicksal jedes einzelnen Menschen liegt in der Hand der drei Nornen.

Am Urdbrunnen, an einer der drei Wurzeln Yggdrasils, weben die drei Nornen das Schicksal von uns Menschen. Von der Stunde unserer Geburt bis zum letzten Atemzug haben sie unsere Fäden in der Hand. Sie sind die Schicksalsweberinnen.

Dreifach ist der Schritt der Zeit.

Zögernd kommt die Zukunft hergezogen,

Pfeilschnell ist das jetzt entfolgen,

Ewig still steht die Vergangenheit.

(Friedrich Schiller)

Die Fäden selbst erhalten die drei Nornen von Frigg, der Allmutter und der Frau des Allvaters Odin. Sie hat die Fäden einst mit ihrer magischen Spindel gesponnen.

Im Germanischen nornô genannt, leitet sich der Begriff vermutlich von dem indogermanischen Wort norhni ab. Nornô ist die Verknüpfung, die Verknüpferin.  Andere vermuten, dass Nornen von dem Wort ner für einfädeln abstammt. Eine dritte Möglichkeit bietet eine Herleitung von dem Wort norhsn, die Männertöterin.

Urd, Namensgeberin für den Brunnen und Norne der Vergangenheit, ist die germanische Bezeichnung für die Spinnerin.

 

Woher kamen die drei Nornen?

Die Riesen, welche schon vor der Schaffung Yggdrasils lebten, sind noch älter als die Götter selbst. Das Erscheinen der drei Nornen begann, als das glückliche Leben des Göttergeschlechtes der Asen sein Ende fand. Die drei Nornen kamen aus Riesenheim und es heißt eine der drei sei gleichwohl ebenso eine Riesin.

Es heißt weitere Nornen finden sich im Stamme der Asen, dem Stamme der Elben und auch im Stamme der Zwerge.

 

Wer sind die drei Nornen?

Die heute geläufigen Namen der drei Nornen, Urd, Verdandi und Skuld, sind noch nicht sehr alt. Die einstigen Namen sind nicht bekannt. Ebenso wurden die drei Nornen erst in jüngerer Zeit zu Abstraktionen der Zeit:

  • Urd, die Alte und Norne der Vergangenheit
  • Verdandi, die Mütterliche und Norne der Gegenwart
  • Skuld, die Jungfräuliche und Norne der Zukunft

aber auch

  • Urd die Gewordene
  • Verdandi die Werdende
  • Skuld die werden Sollende

Skuld ist auch die weiße Norne, Verdandi die rote und Urd die schwarze Norne.

 

Das Wirken der drei Nornen

Die Walküren, welche ebenfalls Einfluss auf das Schicksal nehmen können, stehen im Dienste Odins. Die drei Nornen aber sind vollkommen unabhängig von den Mächten der Götter. Ja es scheint gar, als müssten sich die Götter ebenso ihrem Schicksal ergeben wie wir Menschen. In Schlachten sind es die Nornen, welche die Todgeweihten erwählen. Die Walküren indessen wählen im Sinne Odins aus, wer sie nach Walhalla begleiten darf. Odin ist der Gebieter über den Tod, mit seinem Speerwurf durchbohrt er diejenigen, die des Todes sind. Allerdings muss er sich seine „Beute“ mit Freya teilen, welche ebenfalls ihren Anspruch auf Gefallene geltend macht. Freya aber tötet die Gefallenen nicht, sie erweckt zum Leben.

 

Los-Stäbchen werfen

Die drei Nornen weben nicht nur unser Schicksal, sie werfen auch die sogenannten Los-Stäbchen.  Mit diesen Stäbchen orakeln sie über das Leben, das Los der Menschen. So wie die Stäbchen fallen, so wird das Leben verlaufen. Urd, die Norne der Vergangenheit, und Verdandi, die Norne der Gegenwart, schneiden die Lose des Lebens. Skuld, die Norne der Zukunft, ist dazu bestimmt dieses Schicksal aufzunehmen. Die Vergangenheit und die Gegenwart bestimmen die Zukunft. So ist es zu jeder Zeit in jedem Leben.

 

Divination des Schicksals

Die drei Nornen sehen ein jedes Schicksal voraus. Auch unter uns Menschen gibt es Frauen, die mehr sehen als andere. Diese Frauen heißen Völva (auch Wölva), die Stabträgerin und Seherin. Der Stab ist das Symbol für ihre übernatürlichen Kräfte. Die Nornen der Kelten finden sich in der dreifachen Göttin, verkörpert in Brigid, Modron und Cailleach. Ihr Kraftstab ist aus Holunder. Brigid erhält zu Imbolc den Stab von Cailleach, welchen ihn zu Samhain von Modron bekam.

 

Neues Leben

Erblickt ein Menschenkind das Licht der Welt, so sind die drei Nornen zugegen. Nur unterstützen sie in keinerlei Art und Weise die Geburt wie die Disen (Geburtshelferinnen), sondern bestimmen das Schicksal der Neugeborenen. Die weiße Norne verteilt Geschenke. Die schwarze Norne legt den Zeitpunkt des Todes fest. Die rote Norne verbindet den Anfang des Lebens mit seinem Ende. Gemeinsam weben alle drei den Teppich des Lebens für das neugeborene Kind.

Der erste Schluck der Muttermilch hieß übrigens einst Nornengrütze. Es heißt die Mütter opferten sie den Schicksalsweberinnen, um sie Milde zu stimmen.

 

Es war einmal

Einst rief ein Vater drei weise Frauen zu sich, um das Schicksal seines Sohnes bestimmen zu lassen. So beginnt eine alte Geschichte, welche sehr an das bekannte Märchen Dornröschen erinnert.

An der Wiege des Kindes standen zwei Kerzen, welche vor dem Alp schützen, dass dieser kein Wechselbalg unterlegen könne.

Die Frauen sagten dem Sohn Glück voraus und er solle mächtiger werden als als seine Verwandten je zuvor. Die jüngste Norne fühlte sich nicht genügend vom Hause beachtet. Zornig rief sie aus, dass das Kind nicht länger leben solle als die angezündete Kerze, welche hier brennt.

Die Älteste der Völva griff schnell nach dem Licht, pustete es aus und gab es der Mutter. Diese wiederum gab es dem Sohne als er Erwachsen geworden war und sich die guten Wünsche der Nornen erfüllt hatten.

Als er 300 Jahre alt war, so ward er das Leben leid und wollte sterben. Er griff die Kerze, entzündete sie und starb sobald sie abgebrannt war und die Flamme erlosch.

Illustration von: Constantin Hansen 1804 - 1880

Illustration von: Constantin Hansen 1804 – 1880

 

Trägst du Nornenspuren?

Einst legten die Menschen Fingernägel und furchterregende Krallen in das Bett, denn sie fürchteten die drei Nornen. Sie hatten Angst davor, dass die Nornen sie im Schlafe holen.

Auf den Faröern heißen die weißen Flecken auf den Fingernägeln noch heute Nornenspuren. Sie, so sind die Menschen dort überzeugt, künden das Schicksal der Menschen vorher. Weiße Flecken auf den Fingernägeln des Mannes besagen, dass ihn so viele Frauen lieben, wie er Liebestropfen an sich trägt. Je größer die Liebe, desto größer der Tropfen.

Anders in Norwegen: Dort verbrennen oder vergraben sie die abgeschnittene Nägel. Die Menschen glauben, sonst formen die Elben Kugeln davon, mit welchem sie auf das Vieh schießen.

In Dänemark sollen blaue und gelbe Flecken auf den Händen von gespenstischen Wesen stammen.

In Island bedeuten am Abend geschnittene Nägel einen sanften Tod.

 

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Quelle: Paul Herrmann: Nordische Mythologie. Anaconda Verlag, 2011, S. 56ff.

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Dezember 2nd, 2016|Kategorien: MAGIE|