Der Stern ist eine der schönsten Karten im Tarot. Es ist die siebzehnte Station der Großen Arkana. Die Lebensreise des Narren neigt sich dem Ende entgegen, die zugleich ein neuer Anfang sein wird.

Mit dieser kraftvollen Karte ist der Narr frei. Er erkennt nun, warum der Turm einstürzen musste. Dieser war unser zu hoch gestapeltes Lebenshaus, gezimmert aus falschen Glaubenssätzen und jahrelang erworbener Konditionierungen. Der Turm ist in sich zusammengebrochen. Vom Blitz getroffen lag unsere künstlich erbaute Welt in Schutt und Asche. Nun, wo er nicht mehr steht, ist die Sicht frei und wir können die Sterne leuchten sehen.

Der Narr hat auf all seinen bisherigen Stationen endlich erkannt, dass er all die falschen Werte, die materiellen Gelüste und vom Ego gesteuerten Handlungen nicht mehr benötigt. Er hat sich aus der Enge befreit und leuchtet wie der Stern selbst.

Alles fügt sich. Wir geben uns ganz im Vertrauen der kosmischen Führung hin. Wir können tief durchatmen, ein langer Weg liegt hinter uns, der oft beschwerlich, aber unbedingt notwendig war.

Der Stern Waite Tarot Große Arkana

Der Stern im Rider-Waite Tarot

Ich möchte mit dem wohl berühmtesten Tarotdeck anfangen, weil in dieser Karte eine Unmenge an symbolischer Bedeutung enthalten ist. Es ist eine strahlende, harmonische und positiv getragene Stimmung erkennbar. Wir sehen die Göttin des Wassers, der Quelle, aber zugleich ist sie ein Wesen der Erde. Nackt kniet sie auf dem fruchtbaren Boden, mit einem Fuß im Wasser stehend. Sie gießt das Wasser des Lebens aus immer vollen Gefäßen. Über ihr leuchten selbst am helllichten Tag die Sterne.

Das Element des Wassers ist sehr dominant auf dieser Karte. Es ist ein fließendes Element der Seele und auch der Emotionen. Ich sehe in dem Teich eine Quelle des puren Lebens, die wir nähren, während wir auch aus ihr schöpfen können. Die Göttin ist vollkommen nackt. Sie hat alles Anhaftende, alles Materielle abgelegt und ist sich nunmehr selbst genug.

Ishtar on an Akkadian sealDiese Göttin erinnert an die dritte Station des Narren, die Karte der Kaiserin, der Herrscherin, nunmehr ganz in ihrem Element. Ich denke dabei auch an jene Zeit zurück, in welcher solch eine Göttin zutiefst verehrt wurde und in derer die Menschen glaubten, alle die Sterne am Nachthimmel sind die leuchtenden Seelen der Verstorbenen. Die Sterne lassen erahnen, um welches Wesen es sich bei dieser Karte handelt und auch die Quersumme des Zahlenwertes unterstreicht dies: Eins und Sieben ergibt in der Summe Acht. Es ist die Zahl der Ištar.

Ishtar-star-symbolAus dem Symbol dieser Göttin, dem Stern, gehen acht Strahlen hervor. Dieser Stern wird auch der „Stern der Isis“ genannt. Sie ist die Himmlische Jungfrau, die Astroarche, die wahre Königin der Sterne.

Die ägyptische Göttin Isis war einst die Quelle der Lebenswasser für alle Seelen, die aus dem Irdischen in den Himmel übertraten. Isis wurde in der alten Zeit von sieben Priesterinnen begleitet.

In Syrien entsprach sie der Astarte, die von sieben Orakelpriesterinnen umgeben war. Die bereits erwähnte Ištar waltete in Babylon, die Göttin Esther in Elam, Ashtoreth in Palästina, und so weiter. Wie die heiligen Sieben treu dem irdischen Treiben ihrer Göttin ergeben waren, fanden sie sich auch am Himmel, in den sieben Plejaden, die auch Atlantiden, Atlantiaden, Siebengestirn, Taubenschwarm oder Sieben Schwestern genannt werden.

Herodotus, ein antiker griechischer Geschichtsschreiber, beschrieb sie als eine Schar an Tauben, die sieben heilige Frauen symbolisierten: Das Orakel von Dodona (ältestes Orakel in Griechenland), Epirus und Theben. Andere beschreiben die Sieben als Nymphen, die Töchter des Titanen Atlas und der Okeanide Pleione. Wieder andere sehen in den Plejaden die Töchter der Aphrodite, welche auch Pleione genannt wurde, die Göttin der Liebe, aber auch der Meere. Eines ihrer Nachkommen war Maja, die Erschafferin. Sie gebar Hermes, den Erleuchteten. Und auch zu ihm führt die Spur, wenn wir die Karte unter die Lupe nehmen.

Im Baum des Lebens sitzt der Ibis, der heilige Vogel. Er wird auch Pharaonenibis genannt, was uns wieder in das alte Reich von Ägypten reisen lässt. Dort wurde das gefiederte Heiligtum als Inkarnation des Gottes Thot verehrt, der später im griechischen Raum dem Gott Hermes entsprach. Der Urvater der hermetischen Gesetze sozusagen.

Der große Stern (selbst mit acht Strahlen bestückt) mit seinen sieben Kleinen Sternen öffnet eine weite, mystische Spielwiese mit vielen Möglichkeiten. Selbst in der Bibel steht geschrieben: „Die Weisheit hat ihr Haus gebaut, ihre sieben Säulen behauen. “ (Spr. 9,1). Es würde mich nicht wundern, wenn die Göttin an dieser Stelle durchblitzt, was natürlich zumeist bestritten wird.

Die Symbolik der Sieben, welche hier mit verankert ist, kann sich auch in den sieben Chakren wiederfinden und somit in der Erleuchtung selbst, wenn diese keinerlei Blockierungen mehr aufweisen und die Kundalini, die Schlange des Lebens, ungehindert aufsteigen kann.

Diese nackte Frau, die Göttin speist Wasser und Land aus vollen Krügen. Sie gießt die Quelle und den fruchtbaren Boden zugleich und obwohl es aus beiden Gefäßen fließt, schließt sich somit auch ein Kreislauf der ewigen Fülle. Auf einigen Decks findest du die Göttin in abgewandelter Form abgebildet, wo nicht aus Krügen, sondern deren Brüsten, das nährende Wasser fließt.

Sie kniet auf dem Boden der Tatsachen und ist doch eng mit der Intuition verbunden, denn ihr rechter Fuß ist gänzlich in der Quelle stehend. Die Quelle steht für den weiblichen Raum, die Intuition, die Gefühle, das Nährende, Gebärende – und doch hat Waite die rechte Seite des Körpers gewählt, die dem Raum des Männlichen entspricht. So finden trotz aller scheinbaren Übermacht des Weiblichen auf der Karte auch die männlichen Anteile des Lebens ihren Platz.

Der Stern Crowley Tarot Große Arkana

Der Stern im Aleister Crowley – Toth Tarot

In diesem Deck ist der Stern mit sieben Strahlen abgebildet. Wir finden die nackte Göttin harmonisch fließend in der Mitte der Karte, während auch sie zwei Kelche leert, aus welchen sich spiralförmig die Energien des Lebens ergießen. Sie betrachtet einen Stern im inneren des oberen Kelches. Es ist die Göttin Nuith, die uns bei der zwanzigsten Karte, „DAS AEON“ noch einmal begegnen wird. Ihre Haare sind lang und fließend, wie Antennen, die eng an den kosmischen Raum angebunden sind.

Das Wasser der Göttin wandelt sich in Kristalle, die für Reinheit, aber auch der Gewinnung von Erkenntnissen stehen.

Die Blumen der Karte symbolisieren die Kraft der freien Entfaltung, die Schmetterlinge das unendliche Potential, welches durch eine Transformation freigesetzt wird.

Wie auch bei Waite ist der Narr auf seiner Reise bei der Station „Der Stern“ kosmisch angebunden. Nur wirkt hier stärker der freie Wille, der auch in der Zuordnung der Karte zum Tierkreiszeichen Wassermann deutlich wird. Der Wassermann ist ein Revolutionär, ein Freidenker und Grenzensprenger. Hier lotet er seine Grenzen so weit aus, dass sie kosmische Dimensionen erreichen.

Der Mensch selbst erkennt, dass er Teil des Schöpfungsprozesses ist. Seine Möglichkeiten sind fließend und grenzenlos, die Kelche leeren sich nicht. Er ist mit dem höheren Selbst verbunden und spürt seinen göttlichen Kern. Seine Visionen ergießen sich, werden sprichwörtlich kristallklar. Die Antennen sind ausgefahren, jetzt heißt es, zu empfangen und selbst schöpferisch tätig zu werden.

Vielleicht leuchtet im Crowley Tarot der Stern mehr im Inneren jedes Einzelnen, wo seine wahre Kraft verborgen liegt.

Es gilt nun, die Strahlkraft strömen zu lassen. Bringen wir den Stern zurück an seinen Platz, strahlend schön über allem leuchtend.

Wahrsagerin mit Tarot Karten - Kerzen

Resümee

Bleibe mit den Füßen auf dem Boden des Irdischen. Einen auf festen Grund gestellt, der andere im Reich der Intuition und dem Land der Träume. Spüre den kosmischen Raum, aber verliere dich nicht vollkommen in den höheren Sphären. Noch sind wir aus Fleisch und Blut und haben ein Leben zu meistern.

Der Stern schenkt uns einen heiligen Raum, in dem wir neuen Mut und neue Hoffnung schöpfen können. Wir können uns entfalten und ausruhen. Tiefe Zufriedenheit durchströmt Körper, Geist und Seele. Lassen wir uns vom Leben selbst inspirieren, auch über dessen Grenzen hinaus. Der Stern leuchtet und weist uns den Weg.

Es ist ein Land der unendlichen Möglichkeiten, ähnlich dem Raum des Magiers, nur dass diese jetzt in alle Welten fließen und nicht mehr an das rein Irdische gebunden sind. Denke an die Sternschnuppen, die zauberhaft schön die Nacht erhellen und ihre Macht, Wünsche zu erfüllen. Jetzt ist es an der Zeit, dass du deine Wünsche erkennst. Schöpfe aus vollen Krügen, lasse die Energie fließen und du wirst die Früchte deiner Taten ernten.

Der Stern ist ein Ort der Harmonie, der Intuition, der Schöpfungskraft. Kehre nicht zu den falschen Werten zurück, lasse es nicht zu, dass Menschen dich missbrauchen und konditionieren. Folge deinem inneren Stern, deiner eigenen Intuition und lasse dich nicht von deinem eigenen Seelenplan abbringen, sondern finde in ihm deine Erfüllung. Erkenne und lebe deine Berufung.

Sei vollkommen im Vertrauen, dass alles im Leben einen Sinn hat, sei er noch so schwierig zu erkennen. Die innere Stimme führt dich sicher durch jedes Terrain, so wie der Polarstern immer die Richtung gen Norden zeigt.

Vergiss nie, die Kelche sind gefüllt – das waren sie immer und sie werden es immer sein. Erkennst du dies, so bist du frei. Ergreife deine Chancen, wenn sie sich zeigen. Zögere nicht, das beste Leben so selbstbestimmt wie nur irgend möglich zu führen. Hier ist kein Raum für Ängste oder Zweifel, einzig und allein das Vertrauen in jeden gegenwärtigen Moment.

Der Stern strahlt zu jeder Zeit, auch bei Tag. Wir sehen ihn nicht, aber er ist da. Spüre ihn in deinem Herzen, in deiner Seele. Finde den Stern in dir und lasse deine Lebenskraft erstrahlen.

Fühle die Energie der Gemeinschaft, ein Stern steht nicht allein im Himmel. Finde die Menschen, mit denen du zu einem Sternbild verschmilzt. Denke daran, auch die große Göttin war umgeben von ihren Priesterinnen. Strahle also nicht für dich allein im dunklen Kämmerlein, erleuchte die Welt und die Menschen um dich herum.

Sei es dir selbst wert, der schönste Stern von allen zu sein und erkenne im Anderen, dass auch er der Schönste von allen ist.

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