Nun, was tut der Kaiser? Er herrscht! Ein weiser Kaiser aber tut mehr als dies, er dient – seinem Volk und seinem Land.

Der Kaiser im Tarot ist dem Element Feuer und dem Tierkreiszeichen Widder zugeordnet. Mit dem Widder startet der Frühling, alles kommt in seine Kraft, Neues wächst und gedeiht. Der ihm zugeordnete Planet ist der Mars, den wir als kriegerischen Gott kennen.

All dies klingt nach purer, männlicher Energie und so haben wir mit dem Kaiser auch den Gegenpart zur Kaiserin.

Yin – Yang

Die Kaiserin – Der Kaiser

Nur findet sich im Yin auch immer das Yang und im Yang immer auch das Yin. Die männliche, wie auch die weibliche Kraft findet sich in allen Menschen. Dies zu erkennen und auch zu akzeptieren fiele so manchem Zeitgenossen leichter, wenn er aufhören würde in Geschlechter-Klischees zu denken und die Attribute einfach nur als Formen unserer innewohnenden Energien sieht.

Wahrsagerin mit Tarot Karten - Kerzen

Das Wesen des Kaisers

Er erinnert an die Krone auf dem Haupt, das Zepter in der Hand und den Thron, welchen er besteigt. Der Kaiser strahlt eine autoritäre Stärke aus. Er beherrscht, kontrolliert und verteidigt sein Reich.

Die Tarotkarte hat den Zahlenwert vier. Die Vier erinnert an die vier Himmelsrichtungen oder auch die vier Jahreszeiten und die Aufgabe des Kaisers ist es, sein Reich in all jene vier Himmelsrichtungen zu schützen und dies im Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter. Möchte er ein Herrscher des Volkes sein, so schützt er auch alle vier Lebensphasen seiner Untertanen, von der Geburt, über ihr Wachstum, ihrem Vergehen bis hin zum Tod.

Der Kaiser muss seine Grenzen abstecken, möchte sie mitunter erweitern, aber nie aufgeben. Tag für Tag muss er seine Führungsqualitäten beweisen, möchte er nicht vom Thron gestoßen werden. Der Kaiser sorgt für klare Strukturen. Er plant seine nächsten Schritte, beschützt was ihm gehört und verteidigt es vehement, wenn es nötig ist.

Der Kaiser in der Kabbalah

Im Lebensbaum der Kabbalah verläuft der Weg des Kaisers zwischen Chokmah und Tipharet auf dem Pfad Heh. Auch die Kaiseren berührt auf ihrem Weg das Chokmah, das Reich der Weisheit. Ihr Weg jedoch wandelt vom Binah auf dem Pfad Daleth – dem Weg des Verstehens auf der emotionalen Ebene – eben hin zu jener Weisheit. Das Tipharet des Kaisers ist der ruhende Punkt im Zentrum aller Dinge – er ist der ruhende Punkt seines Reiches.

Der Pfad Heh erfordert Verstand. Heh ist das Fenster. Was ist die Aufgabe eines Fensters? Es lässt uns aus dem eigenen, inneren Raum in andere, außen liegende Welten blicken. Es lässt uns aber auch in die Räume anderer blicken. Wir können also hinein- aber auch hinausschauen. Ein Fenster erhellt den eigenen Raum, indem es das Außen, die Kraft der Sonne und somit des Feuers, hineinlässt. Dafür müssen die Scheiben geputzt sein, der Verstand scharf. Der Pfad des Kaisers braucht eine klare Sicht.

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Was bedeutet der Kaiser für dich

Um völlig frei und selbstbestimmt zu herrschen, musst deine Sicht klar sein. Du kommst nicht umhin, dich mit deinen Wünschen und Vorstellungen auseinander zu setzen.

Was will ich eigentlich?

Wohin führt mein Weg?

Mit dem Kaiser bist du aufgefordert deinen eigenen Spuren zu folgen und nicht den Spuren anderer. Höre auf deine dir innewohnenden Kraft. Ergreife die Initiative für dein eigenes Leben und lerne neue Lebensumstände mit Würde und Willenskraft zu beherrschen.

Das Wesen des Widders scheut sich nicht davor, neue Gebiete zu erkunden. Im Gegenteil – gerne möchte er stets der Erste sein. Das Leben bietet unendliche Möglichkeiten an Variablen (der Narr im Tarot). Wir dürfen uns nehmen, was wir für unser Leben benötigen, was wir im Stande sind zu handhaben (der Magier im Tarot). Die Aufgabe des Kaisers ist es nun, dem Ganzen einen Rahmen zu setzen. Er bietet vier Eckpunkte – bringt Ordnung, sortiert und strukturiert.

Ist er weise, so lässt er auch die Emotionen in seinem Inneren sprechen (die Kaiserin). Ist er kalt und herrschsüchtig, so werden seine Grenzen nur allzu bald, allzu starr und das Reich wird früher oder später untergehen.

Mit der Karte des Kaisers sind wir also auch aufgefordert Verantwortung zu übernehmen und somit eine stabile Basis für unser eigenes Leben zu schaffen.

Stecke deine Grenzen ab, in deinem äußeren und in deinem inneren Reich. Halte die Balance. Lerne aber auch deine Grenzen zu erweitern, wenn sie zu eng sind. Schaffe Schutzräume in deinem Reich.

Es geht darum, den eigenen Machtanspruch zu erheben. Das dreht vielen Frauen ein wenig den Magen um. Es klingt hart und fremd. Aber ja – auch die Frauen dürfen, nein müssen ihren Machtanspruch erheben, über ihr eigenes Reich herrschen. Stelle stets deinen Machtanspruch an die Welt, nur handle nicht verletzend oder entgegen moralischer und ethischer Prinzipien. Sei weise, aber stecke nicht zurück.

Egal zu welchem Geschlecht du dich zuordnest oder auch nicht zuordnest: Schnapp dir das Leben!

Setze deine Interessen durch, lasse nicht zu, dass dir auf der Nase herumgetanzt wird. Schaffe Ordnung und verliere dich nicht im Chaos. Tritt für deine Rechte ein, fordere sie ein und verteidige sie.

Finde den richtigen Weg, sorge dafür das deine Fenster sauber sind, deine Sicht klar.

Herrsche, aber finde die richtige Balance zwischen deinem Wollen und dem was möglich ist, ohne die Rechte anderer Wesen zu verletzen oder über deren Grenzen hinauszuschießen.

Nicht vergessen: Du bestimmst dein Leben. Sei mutig und trau dich etwas.

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Der Kaiser / der Herrscher im Rider-Waite Tarot

Im Rider-Waite Tarot wird der Kaiser der Herrscher genannt. In einigen Decks ist auch von dem König die Rede.

Das Zepter des Herrschers erinnert an das ägyptische Anch, dem Crux Ansata (lat.). Dieses altägyptische Symbol stand einst für das Weiterleben im Jenseits, wandelte sich aber in der heutigen esoterischen Szene in ein Symbol der Unsterblichkeit oder auch der eigenen Lebenspower.

In der Linken hält er den Reichsapfel, Symbol der Herrschaft auf Erden und der gleichzeitigen Anbindung an Gott. Die Herrscherin (Kaiserin) trägt diesen Apfel als Krone. Was wiegt wohl mehr?

Der Herrscher wirkt alt mit seinem grauen, langen Bart, der für die weisen, reifen Aspekte des Herrschers steht. Diese symbolische Weisheit suggeriert, dass es bei dem Herrscher keineswegs um den Missbrauch seiner Macht geht.

Den Thron, auf welchem er majestätisch sitzt, zieren vier Widderköpfe. Waite sagt über den Herrscher:

Er ist […] die Macht in dieser Welt […].

Weiter sagt er:

Er ist die Zeugungskraft, zu der die Kaiserin in Entsprechung steht […].

Betont aber zugleich, dass es nicht vordergründig um die Darstellung einer Ehe geht, diese aber sehr wohl mit einschließt.  – Nur damit es nicht zu einer Verwirrung kommt, Waite selbst spricht von Kaiser und Kaiserin, auf den Karten jedoch findet sich „Der Herrscher“.

Beide – der Herrscher und die Herrscherin – symbolisieren das Königtum auf der Ebene des Intellekts, auf der mentalen Ebene – jedoch ohne die Weisheit höherer Sphären. So lautet die Ansicht von Waite. Er betont zwar, dass dies seitens des Herrschers stärker geschieht, jedoch kann ich an dieser Stelle nicht mit seiner Deutung mitgehen.

Sie herrschen sehr wohl beide, jedoch auf grundverschiedenen Weise. Yin und Yang eben, mit einer Nuance des jeweiligen Gegenparts – dem Yin im Yang, dem Yang im Yin. Die Dualität zwischen der emotionalen Ebene (die Herrscherin) und der mentalen Ebene( der Herrscher) führt zu einer Balance in jedwedem Königreich.

Während die Herrscherin in einer üppigen Natur platziert ist und aus der Fülle schöpfen kann, wandelt sich diese Fülle beim Herrscher in Kargheit. Es wirkt kühl, frei von Schönheit und Sinnesgenuss. Auch der Blick des Herrschers ist ernst, distanziert. Unter seiner Robe trägt er eine eiserne Rüstung, stets bereit anzugreifen oder sich zu verteidigen. Er scheint sehr wohl bereit, die zerklüfteten Berge im Hintergrund zu bezwingen.

Es regiert der Verstand, nicht das Herz.

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Der Kaiser im Aleister-Crowley Tarot

Bei Crowley sticht als Erstes die rote Farbe hervor. Sie ist das Feuer.

Wir finden die Kraft des Feuers auch hier in drei Widder Symbolen wieder. Zwei Widderköpfe finden sich sich hinter dem Kaiser und sein Zepter ziert das Gehörn. Die Sonne und somit wiederum das Feuer steigt hinter beiden Widderköpfen auf.

Das Lamm auf der Karte könnte einen Bezug zur Osterzeit, der Auferstehung und den damit verbundenen großen Feuern haben – die passender, für Crowley an alte Heidenfeuer zu Ostara erinnern. Das Lamm ist als Agnus Dei dargestellt, einem Symbol für Jesus Christus. Es trägt den Heiligenschein, hält mit den Vorderpfoten das Banner, nur das rote Kreuz fehlt.

Crowley selbst sagt über Widder und Lamm:

[…] Herrschaft mittels zweier gegensätzlicher Symbole. […] Widder, der in Freiheit einzelgängerisch und mutig ist, und das Lamm, das fügsam und feige ist und in Wirklichkeit für den Widder steht, der durch Autorität gezähmt wurde.“

Durch Autorität ein nun mehr feiges, fügsames Lamm gezähmt! Hört! Hört! Nutzt er das Lamm am Ende als Metapher für das Ducken unter dem Dogma der Kirche?

Findet sich bei Waite eine Freiheit des Handels im Wesen des Herrschers, so scheint diese reine Freiheit bei Crowley durch die Bürde der Autorität eingegrenzt. Nun – der Kaiser muss / sollte das Wohl seiner Untertanen im Blick haben. Darüber hinaus gibt es in allen Kreisen wirtschaftlichen Druck. Der Kaiser hat hier also keine freien, sondern vor allem kluge Entscheidungen zu treffen.

Durchsetzungskraft und Wille ist reichlich vorhanden, auch die Körperhaltung des Kaisers spiegelt die Kraft des Feuers wieder. Die Haltung steht für den alchemistischen Schwefel, den Sulfur. Er ist eines der drei philosophischen Prinzipien der Spagyrik, einer alten Herstellungsmethode zur Heilung. Sulfur verkörpert neben dem Feuer auch den Geist, das WOLLEN.

Über den Adler sagt Crowley, er:

[…] präsentiert die rote Tinktur des Alchimisten, welche die Beschaffenheit von Gold aufweist.“

Wird also zu Gold, was der Kaiser anfasst? Nun bleibt zu hoffen, dass er nicht am Ende wie König Midas Hunger und Durst erleiden muss, weil alles was er berührt sich in Gold verwandelt, auch Speis und Trank.

Auch die Bienen auf dem Umhang kennen wir bereits von der Kaiserin. Sie sind ein Zeichen der Herrschaft und lösten mit Napoleon die zuvor üblichen Lilien ab – wobei auch diese wieder zusätzlich abgebildet sind.

Ein weiteres Symbol, dass wir so schon von der Kaiserin kennen, findet sich ebenfalls: der doppelköpfige Adler. Er steht für den Wandel, die Transformation. War hinter den Adlerköpfen der Kaiserin indes ein leerer Kreis, ist er hier feuerrot. Es scheint die rote Sonne zu glühen, was abermals die männliche Kraft unterstreicht. Auch findet sich das Schild, auf dem die Adler abgebildet sind, nun auf der rechten Kartenseite und nicht mehr links, wie bei der Kaiserin. Auch dies könnte die Energien nochmals betonen, steht die rechte Hirnhälfte doch für das analytische Denken und die linke Seite für die emotionale Ebene.

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Mit Verstand zur Selbstermächtigung

Welche Möglichkeiten bietet dir das Leben, um in deine eigene Macht zu kommen? Mit dem Kaiser – wie auch mit der Kaiserin – erwacht das Neue oder wird das Vorhandene erneuert. Für beide Wege brauchst du Mut. Für den Weg des Kaisers aber bedarf es vor allem deinem analytischen Verstand.

Bringe Ordnung in dein Leben. Strukturiere dich und regiere weise über deine Wünsche und Projekte. Ziehe klare Grenzen. Nimm dir vom Leben, was du brauchst, damit es dich erfüllt. Handle dabei klug und gütig, wie ein wahrer Kaiser.

Stärke deinen eigenen Stand und somit deinen Standpunkt innerhalb deiner Beziehungen, sei es in der Familie, im Freundeskreis oder auch in der Arbeit. Kontrolliere deinen Weg, prüfe deine Absichten.

Es ist jetzt nicht die Zeit, sich in tausend Möglichkeiten zu verlieren, sondern beginne eine Sache. Bringe etwas zu Ende, was du angefangen hast oder anfangen wirst.

Der Kaiser fragt: „Willst du dein eigener Herr sein und wenn ja, wie erreichst du das?“ Vertraue dabei stets deiner inneren Kraft und sei offen für Neues.

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Quellen:

Crowley, Aleister (2019), Toth Tarot: Originalausgabe (2. Aufl.).Krummwisch AGM-Urania.

Waite, Arthur Edward (01. Januar 1978), Der Bilderschlüssel zum Tarot: Erste Auflage, Urania.

Angeles Arrien (2001), Handbuch Crowley Tarot: Praxisbezogene Anleitung zur Interpretation des Aleister Crowley Tarots (4. Aufl.).Neuhausen/Schweiz Urania Verlags AG. [online: http://rkspiele.de/wordpress/wp-content/uploads/2015/04/Tarot-Hanbuch.pdf. [Stand 05.03.2021]]

docplayer.org: Gerd Ziegler. Tarot: Spiegel der Seele. Handbuch zum Crowley-Tarot. (Stand unbekannt). http://docplayer.org/12116343-Gerd-ziegler-tarot-spiegel-der-seele-handbuch-zum-crowley-tarot.html. [05.03.2021]