20. 03. 2016

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Viel Wundersames ist über die Tagundnachtgleiche zu lesen. Je nach gelebtem Kult wird von Ostara gesprochen oder aber auch von Alban Eiler. Beides wird ohne mit der Wimper zu zucken als die absolute Wahrheit verkauft. Bräuche und Rituale werden beschrieben und scheinbar völlig einleuchtend erklärt. Es ist die Rede von der Göttin Ostara, manch andere schreiben von Freya und widerum andere haben so ihre eigenen Göttinnen für dieses jährlich stattfindende Ereignis.

 

Was genau geschieht eigentlich zur Tagundnachtgleiche?

An diesem Tag überquert die Sonne den Himmelsäquator, sie befindet sich also senkrecht über dem Erdäquator. Die Tagundnachtgleiche oder, wie in der Wissenschaft genannt, das Äquinoktium (lat. aequus=gleich, nox=Nacht) findet zweimal jährlich statt: Im Frühjahr und im Herbst, genauer gesagt am 20. oder 21. März und am 22. oder 23. September. An diesem Tag ist die Nacht so lang wie der Tag und der Tag so lang wie die Nacht. Kalendarisch beginnt mit diesem Ereignis im März der Frühling sowie im September der Herbst.

Derartige Ereignisse waren für die Menschen schon immer faszinierend. Sie sind ein wichtiger Wendepunkt im Kalenderjahr und wurde seit jeher gefeiert. Doch gab es wirklich ein Ostara oder ein Alban Eiler?

 

Alban Eiler – Wer hat’s erfunden?

Es war einmal ein walisischer Autor namens Edward Williams (*1747 † 1826), auch Iolo Morganwg genannt, der Schriften verfasste, die oftmals als Grundlage des sogenannten Neo-Druidismus hergenommen wurden. Von ihm stammen die walisischen Bezeichnungen Albane, auch Alban Eiler, welches mit Licht der Erde übersetzt wird. Dieser walisische Altertumsforscher, Dichter und Autor hatte damals behauptet alte druidische Traditionen wiederentdeckt zu haben. Viele seiner Schriften wurden nach seinem Tod als Fälschung entlarvt und auch sein Wissen um Alban Eiler wird für reine Fiktion gehalten. Das hält jedoch viele Bewegungen nicht davon ab weiter auf die Richtigkeit dieser Traditionen zu bestehen.

 

Es war einmal … Ostara

Jacob Grimm (*1785 † 1863) war der ältere der Gebrüder Grimm, welche uns alle als Sammler alter Märchen bekannt sind. Ihnen verdanken wir Geschichten wie Schneewittchen, Frau Holle oder Hänsel und Gretel und eben auch … Ostara.

Blessed Ostara wünschen sich Hexen und auch Schamanen der heutigen Zeit. Sie sind sich absolut einig, einst existierte die Frühlingsgöttin Ostara und ihr verdanken wir das heutige Osterfest. Alte Bräuche und Rituale werden erklärt und beschworen. Fakt ist jedoch: Zu dem ursprünglichen Osterfest ist so gut wie nichts bekannt und der Raum für Spekulationen ist gewaltig.

Das je eine Göttin Ostara gelebt haben soll, konnte mit keiner Quelle belegt werden. Ihre Existenz verdanken wir einer Vermutung Jakob Grimms. Dieser wiederum stützt sich dabei auf den Kirchenvater Beda Venerabilis, welcher im Jahr 672 oder 673 in Northumberland geboren wurde.  Er ist einer der Heiligen der katholischen, evangelischen und auch anglikanischen Kirche, aber das tut hier eigentlich nichts zur Sache. Dieser Beda jedenfalls teilte um das Jahr 700 herum in seinem Werk »De temporum Ratione«mit, dass die Angelsachsen den April Eostur-monath nannten, was auf die heidnische Göttin Eostre zurückzuführen sei. Ferner berichtete Beda, dass ihr zu Ehren im April Feste gefeiert werden und diese als das kirchliche Osterfest übernommen wurden:

„Eostur-monath, qui nunc paschalis mensis interpretatur, quondam a dea illorum, quae Eostrae vocabatur, et cui in illo festa celebrabant, nomen habuit; a cuius nomine nunc paschale tempus cognominant, consueto antiquae observationis vocabulo gaudia novae solemnitatis vocantes“

 

„Der Eosturmonath, heute Passahmonat bezeichnet, war früher benannt nach einer ihrer Göttinnen, welche Eostre genannt wurde, zu deren Ehren Feste in diesem Monat gefeiert wurden. Jetzt benennen sie die Passahzeit mit ihrem Namen, womit die Freuden der neuen Feierlichkeit unter dem Namen der altehrwürdigen Göttinnenverehrung angerufen werden.“¹

 

– De temporum Ratione Kap. 15

 

Grimm war fasziniert von dieser Darstellung und überlegte nicht lange, ob die Erklärungen Bedas glaubwürdig waren oder nicht.  Grimm fand auch in althochdeutschen Sprachdenkmälern Bezeichnungen wie ôstarun oder auch ôstar-mânôth. Dies würde also bedeuten, dass die Angelsachsen ihre Göttin Eostre hatten und wir seither unsere eigene Göttin Ostara.

Nun verhält es sich aber so, das nicht nur die Existenz der Göttin Ostara stark angezweifelt wurde (und heute weitestgehend Einigkeit darüber herrscht, dass es sie nie gegeben hat), sondern auch deren Ursprung, die angelsächsische Göttin Eostre, stark im Verdacht steht nie in der Form existiert zu haben. Der Beleg der Monatsbezeichnungen eostre-monath und ôstar-mânôth ist einfach alles andere als aussagekräftig und könnte, was für wesentlich wahrscheinlicher gehalten wird, auch einfach nur der Hinweis auf die östliche Himmelsrichtung sein. Somit würde der Monatsname lediglich verkünden, dass die Sonne von nun ab wieder genau im Osten aufgehen würde.

 

Sonnenfest zu Ehren der Frühlingsgöttin oder Gaia, der Mutter Natur

Niemand kann mit Sicherheit sagen, welche heidnischen Ursprünge dem heutigen Osterfest zu Grunde liegen. Es wird vermutlich nicht auf eine Göttin Ostara zurückzuführen sein und schon gar nicht auf einen druidischen Brauch namens Alban Eiler.

Es ist jedoch stark anzunehmen, dass heidnische Festivitäten zu Grunde liegen. Diese haben aber sicher nichts mit der Wiedergeburt von Jesus Christus zu tun, wie uns das Christentum seit dem Jahr 325 dieses Fest verkauft. Es handelt sich vielmehr und eine zyklische Form der Wiedergeburt, der Rückkehr der Sonne und des Lichtes.

Die Natur feiert ihre Wiederauferstehung! Fruchtbarkeit, symbolisiert in Form von Eiern, keimt allerorts neu auf. Die Tiere sind für die Paarung bereit, neues Leben reift im Leib der Erde und im Leib der Tiere heran.

Wir Menschen sehnen uns nach der zunehmenden Kraft der Sonne. Der Winter möge bitte endgültig gehen und Wärme und Licht sollen den Durst unserer Gemüter nach neuer Energie stillen.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieses Ereignis der Tagundnachtgleiche in vielen Religionen dieser Welt gefeiert wurde und vielerorts war dieses markante Ereignis sicher einer Göttin zugeschrieben. Mir persönlich steht diesbezüglich Gaia, die Urmutter der Erde, am nächsten. Sie ist es, welche sich dieser Tage zu unendlicher Schönheit entfaltet. Die Bäume tragen ihre Knospen, es blüht und grünt und die Pflanzen kämpfen sich durch das Erdreich hinaus in das Licht. Das Wachstum ist nicht mehr aufzuhalten. Die geballte Energie von Mutter Natur ist nie so stark zu spüren wie in diesen Tagen des Wachstums und Neubeginns. Das Neue schafft sich seinen Raum.

Mehr und mehr zieht sich die Dunkelheit zurück und jeder spürt es tief in seinem Herzen: Der Frühling ist da!

Die Tagundnachtgleiche ist das Fest der Wiedergeburt der Natur, ein Fest der Fruchtbarkeit. Es wurde sicher seit jeher ausgelassen und euphorisch gefeiert. Noch heute brennen vielerorts die Osterfeuer, welche wohl aus heidnischen Tagen übernommen wurden. Die Menschen treffen sich mit Freunden und der Familie und erfreuen sich gemeinsam daran, dass nun die Kälte der Wärme weichen muss. Das nun die Äcker wieder bestellt, das Saatgut wieder gesät wird, das neues Leben beginnt und die Natur aus ihrem Winterschlaf endgültig erwacht ist.

 

Mögliche Rituale zur Tagundnachtgleiche

 

Finde in dir dein eigenes Samenkorn, welches im Laufe des Jahres Früchte tragen wird

Die Natur erneuert sich und auch wir spüren diese Erneuerung tief in unserem Herzen.

Gehe hinaus in die Natur, spüre den Boden unter den Füßen. Siehe dich um wie alles zu blühen und zu grünen beginnt. Höre das Zwitschern der Vögel. Umarme einen Baum, wenn du willst. Lasse das beginnende Leben auf dich wirken und finde so deine eigenen Wege um neue Ziele und Ideen zu verwirklichen.

Es ist der Zeitpunkt für einen wirklichen Neubeginn.

Strecke dein Gesicht der Sonne entgegen, tanke dich mit ihrer Kraft auf. Zeige all dem Leben in dir: Es ist vorbei mit Winterschlaf, es ist Zeit Neues zu beginnen.

Du kannst bei Sonnenschein deine Arme weit ausbreiten, die Handflächen nach oben kehren, die Augen schließen und die Kraft des Frühlings durch dich hindurch strömen lassen. Lasse die Energie des Winters in den Boden abfließen, übergebe sie der Natur und fülle deine leeren Speicher mit den Strahlen der Sonne wieder auf.

Es ist zu jeder Zeit ratsam sich mit der Natur zu verbinden, doch gerade im Frühling ist diese Verbindung mit Gaia besonders kraftvoll. Probiere es aus und du wirst spüren, welche Energien die Welt durchströmen.

In zahlreichen Ortschaften gibt es noch heute Osterfeuer, vielleicht hast du ja Lust eines zusammen mit deiner Familie oder deinen Freunden zu besuchen. Du kannst auch selbst als Symbol des Feuers eine Kerze entzünden und gemeinsam mit deinen Lieben den Abend mit einem gemeinsamen Mahl, Freude und Gesang verbringen.

 

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