Die Tore der Dimensionen öffnen sich nicht schlagartig mit dem ersten Tag der Rauhnächte. Es beginnt viel früher und wir können es uns ein wenig so vorstellen, als würde der Spalt zwischen den Welten von Tag zu Tag, von Nacht zu Nacht größer werden.

Es beginnt eine Zeit um die sich viele Bräuche und Aberglauben im Volksmund bewahrt haben. Spätestens vier Wochen vor der Wintersonnenwende, wenn der Lichterkranz das erste Mal entzündet wird, liegt ein ganz bestimmter Zauber in der Luft. Die Magie der Rauhnächte. Der Kranz ist das nach Außen hin sichtbare Symbol zur Rückkehr des Lichts, zur Geburt der Sonne, aus dem Schoße der großen Göttin, der Mutter Erde.

Es beginnt vier Wochen vor der Wintersonnenwende

Vier Wochen vor der Wintersonnenwende und somit auch vor dem Beginn der Rauhnächte werden an dem Lichterkranz alle vier Kerzen entzündet. Der Kranz sieht dem heute gebräuchlichen Adventskranz sehr ähnlich. Er besteht allerdings aus 5 Kerzen, die fünfte Kerze, die sogenannte Jahreskerze befindet sich in der Mitte. (nähere Informationen findest du hier)

Drei Wochen vor der Wintersonnenwende, wenn die Welt noch mehr in Dunkelheit liegt, brennen nur noch drei Kerzen des Kranzes. Zwei Wochen zuvor, die Tage sind noch kürzer als zuvor, brennen noch zwei Lichter. In der letzten Woche vor der Wintersonnenwende, die Nächte sind nun die längsten des Jahres, brennt nur noch eine Kerze am Kranz. Die Dunkelheit hat ihren Höhepunkt gereicht.

Zur Wintersonnenwende, wenn das Licht, die Sonne neu geboren wird, werden alle Kerzen des Kranzes entzündet.

Ein zauberhafter Brauch, der unmittelbar mit den folgenden Rauhnächten zusammenhängt.

Mistelzweig

In der Nacht der Wintersonnenwende wird vielerorten das sogenannte Julholz in Brand gesetzt.

Ein großer Eichenholzklotz wurde hierfür mit immergrünen Zweigen und auch Tannenzapfen geschmückt und zur Wintersonnenwende entzündet. Alles was nicht im Feuer verbrannte, wurde aufbewahrt und zur nächsten Wintersonnenwende dem Feuer übergeben. Die Asche des Feuers wurde auf Felder verstreut und auch dem Vieh unter das Futter gemischt. Das sollte für das nächste Jahr Glück bringen. Findet die Verbrennung des Holzklotzes nicht im eigenen Hof statt, so wurde mit einem brennbaren Material, wie einem Holzstab oder einer selbstgebauten Fackel (Kerze) das Feuer mit in den eigenen Herd getragen.

Bräuche während der Rauhnachtszeit

Viele Geschichten ranken sich aus alten Zeiten um die Rauhnächte. Sie sind eine wohlgewürzte Mixtur aus Aberglauben, alten Weisheiten und dunklen Erfahrungen. Über den Mund des einfachen Volkes werden sie von Generation zu Generation weiter erzählt. Bewahren wir diese Überlieferungen und erzählen auch unseren Kindern und Kindeskindern von der Magie der Rauhnächte.

Zahl Eins

Frau Holle liebt Ordnung

Bevor wir in die rauhen Nächte starten, soll  alles aufgeräumt sein. Unordnung kann Frigg, auch Frau Holle oder Perchta genannt, gar nicht leiden.

Ursprünglich soll laut Erika Timm Frau Holle ein Beiname Friggs gewesen sein, der sich nach der Christianisierung verselbständigt hat, da Frigg nicht mehr genannt werden durfte. Analog dazu hat sich um süddeutschen Raum der name Perchta entwickelt.

Es heißt auch, dass alles was in Unordnung ist das Böse magisch anzieht.

Die Dinge geordnet zu haben, bedeutet aber ebenso, dass wir uns in den Rauhnächten nicht mehr darum kümmern müssen und die Zeit wirklich ganz bewusst für uns nutzen können.

Zahl Zwei

Opfergaben

Frau Holle wurde auch während der Rauhnächte mit  Opfergaben  beschenkt. Vor das Haus, auf Fensterbänke oder auch an Plätze die als Tor zur Welt für Frau Holle gelten, wie der Holunder, wurden Nüsse, Äpfel und auch Gebäck gelegt. Du kannst auch Milch hinaus stellen.

Auch Naturgeister und andere Götter kannst du in den Rauhnächten mit Opfergaben beschenken.

Zahl Drei

Keine Wäsche im Freien

Odin und sein Gefolge, die Wilde Jagd, fegt durch das Dunkel der Nacht. In den rauhen Nächten sollst du keine Wäsche nach Einbruch der Dämmerung im Freien aufhängen, damit sich die Wilde Jagd nicht darin verfängt. Es bringt Krankheiten oder Schlimmeres in dein Leben.

Schaffst du es, so versuche ganz und gar auf das Waschen zwischen den Jahren zu verzichten.

Zahl Vier

Alle Räder stehen still

In der Zeit der Rauhnächte steht selbst das Rad des Schicksals still. Frigg, die sonst die Fäden spinnt macht sich mit ihrem Gemahl Odin auf zur Wilden Jagd. Die Nornen indes können zu jeder Zeit die Fäden des Schicksals zu dem Wyrd, dem Schicksal der Menschen, verweben.

Alte Frau am Spinnrad

Auch alle anderen  Räder müssen stillstehen.

Dies ist damit begründet, dass in den Rauhnächten alle Arbeit ruhen soll. Früher saßen Frauen häufig an ihren Spinnrädern.

Heißt es also „Alle Räder stehen still“ so bedeutet es, dass du in der Zeit der Rauhnächte nicht arbeitest. Nimm dir Zeit für dich. Richtiger ist also „Alle Arbeit ruht„.

In einigen Gegenden Europas tanzte, sang und feierten sie zu den Rauhnächten, während anderswo alles mucksmäuschenstill war. In dieser Hinsicht gehen die Bräuche entsprechend ihres geographischen Lebensraumes auseinander, aber in allem waren sie sich einig, die Arbeit ruht.

Zahl Fünf

Rauhnachts-Räucherungen

In den Rauhnächten wird wie seit eh und je geräuchert. Vor allem  Reinigungs- und Schutzräucherungen werden durchgeführt. Die Menschen erbitten den Schutz der Götter für sich selbst, ihr Vieh sowie ihr Hab und Gut.

Nicht fehlen sollte:

  • Beifuß
  • Salbei
  • Eisenkraut
  • Fichtenharz
  • Wacholder
  • Rosmarin
  • Lavendel
  • Mädesüß
  • Johanniskraut

 

Zahl Sechs

Divination

Die Rauhnächte sind wunderbar geeignet um in die Zukunft zu schauen. Du kannst Runen und auch Knochen werfen und mit ihnen das Schicksal vorhersagen. Vielleicht möchtest du aber lieber in einen schwarzen Spiegel schauen oder die Tarotkarten legen. Nutze das Medium, welches für dich stimmig ist.

Das  Orakeln  ist ein fester Bestandteil der rauhen Nächte.

Pentagram

Résumé

Viele Bräuche stehen geschrieben, nicht alle sind sie mit den Ursprüngen der Rauhnächte in Einklang zu bringen.

So geistern viele kuriose Gerüchte über die Rauhnächte umher und in jedem Jahr werden es mehr. So heißt es doch, dass wir in den Rauhnächten nicht um Geld spielen sollen. Eines bin ich mir gewiss, die Rauhnächte sind ganz sicher älter als das Geld selbst.

Räume nicht auf und wasche nicht an Weihnachten und zu Silvester ist auch kein ursprünglicher Rauhnachtsbrauch. Weihnachten in der Form, wie wir es heute kennen, gab es einst nicht. Es kam erst mit der Geburt Jesu Christi auf und wurde auf durch die Kirche auf den Abend der germanischen Modranecht gelegt. Das Julfest der Heiden fand in seinem Ursprung im späteren Januar statt, ehe es in der Mitte des zehnten Jahrhundert von König Håkon auf das Weihnachtsfest der Christen verlegt wurde.

Viele Aufzeichnungen aus der Geschichte sind verfälscht und es ist heute wirklich sehr schwer zu sagen, welche Bräuche den Ursprüngen am ehesten entsprechen. Es ist sogar schwer zu sagen, wo die Ursprünge selbst zu finden sind.

Und doch sollst du in den Rauhnächten nicht mit den Türen knallen, du sollst nichts Geliehenes im Hause haben und dir deine Haare und Fingernägel nicht schneiden.

Über alles Weitere sind sich wohl selbst die Götter nicht ganz einig.

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