Die Frühjahrstagundnachtgleiche findet jedes Jahr zwischen dem 19. und 21. März statt. Es ist der Monat des Aufbruchs. Das Dunkel weicht dem Licht, die Knospen sprießen aus den Bäumen, die Blumen aus dem Boden.

Der März ist nach dem Gott Mars benannt und in einigen Werken ist zu lesen, dass dieser Name gewählt wurde, weil nun die römischen Feldzüge wieder beginnen konnten. In seinem Ursprung jedoch war Mars ein Gott der Vegetation (Mars Silvanus). Da nun die Zeit gekommen ist, in welcher alles in der Natur wieder zu wachsen beginnt, kann es also auch ebenso gut sein, dass der Name März zwar auf den Gott Mars zurück geht, aber dies eher im Zusammenhang mit der wiederbelebten Vegetation steht. Diese Variante würde mir persönlich auch mehr zusagen.

Im Artikel: Ostara – Das Fest der Frühjahrs-Tagundnachtgleiche stelle ich das Jahreskreisfest selbst vor. In diesem Artikel hier kannst du einige Wege finden, um dein ganz persönliches Jahreskreisfest zu zelebrieren.

Die Triskele - Symbol der Kelten

Rituale zur Frühjahrs-Tagundnachtgleiche

Folgende sieben Rituale sind lediglich Anregungen, in welcher Form du dir dein eigenes Fest zur Tagundnachtgleiche gestalten kannst.

Zahl Eins

Finde in dir dein eigenes Samenkorn …

… welches im Laufe des Jahres Früchte trägt.

Die Natur erneuert sich und auch wir spüren diese Erneuerung tief in unserem Herzen.

Gehe hinaus in die Natur, spüre den Boden unter den Füßen. Siehe dich um, wie alles zu blühen und zu grünen beginnt. Höre das Zwitschern der Vögel. Umarme einen Baum, wenn du willst. Lasse das beginnende Leben auf dich wirken und finde so deine eigenen Wege, um neue Ziele und Ideen zu verwirklichen.

Es ist der Zeitpunkt für einen kraftvollen Neubeginn.

Strecke dein Gesicht der Sonne entgegen, tanke dich mit ihrer Energie und Wärme auf. Zeige all dem Leben in dir: Es ist vorbei mit Winterschlaf, denn es ist nun an der Zeit Neues zu beginnen.

Du kannst bei Sonnenschein deine Arme weit ausbreiten, die Handflächen nach oben kehren, die Augen schließen und die Kraft des Frühlings durch dich hindurch strömen lassen. Lasse die Energie des Winters in den Boden abfließen, übergebe sie der Natur und fülle deine leeren Speicher mit den Strahlen der Sonne wieder auf.

Es ist zu jeder Zeit ratsam sich mit der Natur zu verbinden, doch gerade im Frühling ist diese Verbindung mit der Erdmutter besonders kraftvoll. Probiere es aus und du wirst spüren, welche Energien die Welt durchströmen.

Zahl Zwei

Entzünde ein Feuer

In zahlreichen Ortschaften gibt es noch heute Osterfeuer, welche wohl auf einstige heidnische Feuer zurückzuführen sind. Auch direkt zur Tagundnachtgleiche gibt es viele öffentliche Feuer, denen man beiwohnen kann. Vielleicht hast du ja Lust eines zusammen mit deiner Familie oder deinen Freunden zu besuchen.

Bitte schichtet niemals das Feuer schon Stunden vor dem Anzünden auf. Tiere suchen in gestapeltem Brennholz oft einen Unterschlupf und verbrennen Jahr für Jahr in den Flammen. Aus diesem Grunde unterstütze ich auch keine öffentlichen Feuer, die bereits einen Tag zuvor aufgeschichtet wurden.

Lässt das Wetter kein Feuer zu oder möchtest du kein Feuer in der Natur entzünden, so kannst du als Symbol des Feuers eine Kerze entzünden.

Zahl Drei

Ehre Jörd, die nordische Göttin der Erde

Viele Menschen zieht es nun hinaus in ihre Gärten. Es wird umgepflügt, Obstbäume werden beschnitten und die ersten Samen werden ausgesät. Das Fest zur Frühjahrs-Tagundnachtgleiche ist ein Sonnenfest und eher im nordischen, als im keltischen Raum angesiedelt. Die Göttin des Nordens für das Erdreich ist Jörd, sie ist die Tochter der Nacht und die Mutter des Thors.

Viele Namen für die Erdgöttin sind bekannt: Erda, Hertha, Erke, Berta, Nerthus oder auch hierzulande sehr beliebt die griechische Gaia.

In alten heidnischen Riten wurde zu Zeiten des Lenzen das Reich der Erde geweckt und die ihr innewohnende göttliche Kraft geehrt. Trete dazu direkt mit dem Erdreich in einen körperlichen Kontakt, greife also ruhig beherzt hinein in die Erde und spüre sie ganz bewusst mit deinen Händen. Danke Jörd oder einer Göttin deiner Wahl für ihr Wirken und bitte sie um ein erntereiches Jahr.

Zahl Vier

Ehre die Sonne

Ich erwähnte bereits, dass die Frühjahrs-Tagundnachtgleiche den Sonnenfesten zugeordnet ist. Es fällt zwischen der Sonnenwende im Winter und der Sonnenwende im Sommer und markiert den Zeitpunkt, an welchem die Nacht ebenso lang ist wie der Tag.

Auch an diesem Punkt sind verquere Darstellungen zu lesen, die erstmal sinnvoll erscheinen, aber wahllos zusammen gewürfelt sind. So heißt es, dass der Weg zur Fruchtbarkeit nur über die Vereinigung von männlich und weiblich geschehen kann. Viele Mythen aus uralten Zeiten widerlegen diese These, aber das nur am Rande.

Die Sonne wird jedenfalls kurzerhand zum keltischen Sonnengott ernannt, welcher sich mit der Göttin der Erde paart. Hier findet eine Vermischung verschiedener Bräuche statt, die irgendwie zurecht geschustert werden, weil es so schön mystisch klingt. Die Jahresfeste der Kelten indes waren nicht am Lauf der Sonne ausgerichtet, dies war eher typisch für die nordische Tradition. Die Kelten feierten Imbolc, Belteine, Lughnasadh und Samhain. Keines davon ist ein Fest zu Ehren der Sonne.

In unseren Breitengraden steckt viel keltisches Erbgut in unseren Genen und ich finde es vollkommen legitim beide Jahreskreisfeste zu einem Jahreskreis zu verbinden, neige jedoch nicht dazu die Feste selbst miteinander zu vermischen. Im Nordischen ist der Sonne auch eine weibliche Gottheit, nämlich die Asin Sol zugeordnet.

Sollte es eine nordische Vereinigung für die Fruchtbarkeit der Erde geben, dann eher zwischen dem Gott Freyr, welcher für sein riesiges, eindeutig männliches Attribut bekannt war, und der Riesin Gerda, welche den Garten verkörpert. Um sie für sich zu gewinnen, musste Freyr so einiges opfern, aber diese Geschichte sei ein anderes Mal erzählt.

Du kannst durch die Kraft des Feuers an diesem Tage der Sonne für ihre lebensspendende Energie danken.

Zahl Fünf

Meditation zur Erdung

Die Tagundnachtgleiche im Frühjahr ist ein wunderbarer Zeitpunkt um sich selbst mit dem Erdreich zu verbinden, indem wir uns im wahrsten Sinne des Wortes erden. Für eine meditative Erdung empfehle ich dir eine Baummeditation, in welcher du zum Einen deine eigenen Wurzeln tief in das Erdreich wachsen lassen kannst und zum Anderen aber auch deine Krone weit Richtung Himmel empor hebst.

Ich empfehle dir folgende Übung: Der Baum: Nutze seine Kraft und Wurzeln für eine tiefe Meditation

Zahl Sechs

Nutze die Energie des Wassers

Findest du die Zeit und die Möglichkeit in die Natur, gerne auch in den Wald zu gehen, so nutze dies. Es ist längst erwiesen, dass ein Spaziergang im Wald glücklich und gesund macht. In Japan ist das sogenannte Waldbaden längst im Alltag angekommen. Es genügen 5-20 Minuten um der Gesundheit etwas Gutes zu tun. Der Blutdruck senkt sich, das Stresshormon Cortisol wird stärker abgebaut. Die „natürlichen Killerzellen“ des Körpers nehmen signifikant zu, was Infektionen und schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs vorzubeugen hilft. Heilungsprozesse des Körpers und der Seele beschleunigen sich. Es ist also nicht nur meditativ, sondern zugleich äußerst heilsam den Wald zu besuchen.

Den Lebensfluss wecken

Suche im Wald nach einem Bach, einem Teich oder idealerweise nach einer Quelle. Wasser ist ein zauberhaftes Element um dem Fluss der eigenen Lebensenergie wieder neuen Schwung zu geben. Gehe nicht zielstrebig und auf das Ziel gerichtet zum Wasser deiner Wahl, sondern spüre die Natur bei all deinen Schritten. Fühle den Boden unter deinen Füßen, nimm mit deinen Augen die Umgebung wahr. Halte ruhig zwischendurch einmal inne und sauge alles tief in dich auf. Spüre den Wind auf deiner Haut und nimm die Gerüche der Natur wahr. Sei ganz im derzeitigen Moment verankert. Du bist ein Teil der Natur.

Am Wasser angekommen, betrachte die fließende Bewegung. Halte deine nackten Füße in den Strom, kremple die Ärmel hoch und tauche ein in das erfrischende Nass. Wasche dein Gesicht und genieße das frische Gefühl auf der Haut. Heiße den Frühling willkommen. Spüre wie das Leben fließt und die Kräfte zurückkehren.

Fühlst du im Inneren das Bedürfnis belastende Gedanken, zermürbende Sorgen oder auch nagende Zweifel loslassen zu wollen, dann stelle dir vor, dass du sie mit Hilfe deines Körpers dem Wasser übergibst. Lasse sie davon fließen. Jeglicher Ballast soll nun einfach fortgespült werden.

Blicke der Zuversicht ins Antlitz und bitte sie, dich auf deinem Weg zu begleiten.

Die Zahl 7

Speise und feiere mit deinen Lieben

Bei den alten Germanen feierten sie die Frühjahrs-Tagundnachtgleiche unter dem Namen Várblót, mitunter auch Sigrblót. Ein Blót ist ein Trankopfer und so manches germanisches Fest endet mit diesem Wort. Es war dabei üblich mit der Familie und den Freunden beisammen zu sitzen, gemeinsam zu essen und zu trinken.

Die vielen Götter der Heiden waren eingeladen dem Festspiel beizuwohnen. Die Heiden selbst waren überzeugt, dass sie mit den Göttern verwandt seien und von diesen abstammen. So war es ganz selbstverständlich, dass sie Teil jeglicher Feiern waren. Diese automatische Verwandtschaft ist auch der Grund warum niemand getauft werden musste, denn die Verbindung bestand zu jeder Zeit und musste nicht erst durch ein Ritual herbei geführt werden.

So feierten also Menschen und Götter Seite an Seite. Ein voller Becher mit Met oder Bier gefüllt, wurde vom Gastgeber um das Feuer getragen. Der erste Becher war Odin geweiht, der zweite Njörd und der dritte Freya. Dies wusste einst Snorri Sturlusons zu berichten. Ob wahr oder nicht, klar ist, sie feierten gerne. Speisen kamen auf den Tisch, Met und Bier wurden reichlich geleert.

Du kannst also den Abend im Kreise deiner Lieben ausklingen lassen. Trefft euch zu Speis und Trank. Seid beisammen, feiert gemeinsam. Ladet ein zu Tanz und Gesang und erfreut euch an der Fülle des Lebens.

Die Triskele - Symbol der Kelten

Wage den Neubeginn

Die Natur zeigt uns wie es geht, sie lässt die Knospen sprießen, das Gras und die Blumen wachsen. Jahr für Jahr sammelt sie all ihre Kräfte und lebt mit geballter Energie neu auf. Sammeln auch wir uns und springen wir mitten hinein in das Leben, denn es wartet nur darauf von uns erobert zu werden.

Die Triskele - Symbol der Kelten

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