In den Blüten der Ringelblume lebt der pure Nektar der Sonne. Sie, die Goldblume – das Morgen- und das Abendrot, ist ein Kind, des Helios und eine Botin der Venus. 

Im Mittelalter reiste sie, vermutlich aus dem Süden des Kontinentes, in nördlichere Gefilde. Seither ist sie bei uns als Zier- und vor allem Heilpflanze zu Hause. 

Einer ihrer vielen Namen war einst »Totenblume«, denn sie wurde lange Zeit auf Gräbern gepflanzt. Bei der Totenwache schmückte sie die Aufgebahrten. Dies hatte dreierlei Gründe. Der unangenehme Geruch wurde durch ihren prägnanten Duft gemildert und die unerwünschten Geistwesen hielt sie fern vom Totenbett. Im alten Glauben vermag die Ringelblume, die Seele der Verstorbenen zu erlösen. Zudem war ihre Verwendung als Totenblume ebenso rein praktischer Natur, denn sie war bis in den November hinein zu finden.

Ein anderer ihrer Namen lautet »Niewelkblume« – die Ringelblume ließ über den irdischen Tod hinaus, die nie verblühende Liebe in den kosmischen Raum fließen. 


Andere Namen:

Goldblume, Niewelkblume, Totenblume,

Morgenrot und Abendrot

Sonnenwende, Gilgenkraut

Mariengold, Regenblume und Ringelrose


Ringelblumenkranz

Die Ringelblume

Es dürstet sie nach dem Licht der Sonne. Je mehr Strahlen sie erreichen, desto gehaltvoller ihre Inhaltsstoffe. Sie ist die »Calendula officinalis« so ihr lateinischer Name. 

Sie ist bescheiden, genügsam gar. Die Ringelblume gedeiht zauberschön in normaler Gartenerde, der hin und wieder ein wenig Kompost hinzugefügt wird.

Sie ist zum Teil in verwilderter Form zu finden, aber eher als Kulturpflanze auf privatem Grund und Boden und im kommerziellen Anbau weit verbreitet.

In den Gärten sorgt sie für einen gesunden Boden, so dass es ratsam ist, sie kreuz und quer anzusiedeln. 

Es handelt sich um eine einjährige Pflanze. Ihre Blüten duften weniger lieblich, eher würzig-aromatisch. Die Ringelblume wird bis zu etwa 60 Zentimeter hoch.

Siehst du, wie sie am Tage ihre großen Blüten schließt, so suche dir schon einmal ein trockenes Plätzchen, denn der Regen ist nicht mehr fern. So gehört diese orange-gelbe Schönheit mit zu den Wetterpflanzen. Ein weiterer Name der Ringelblume ist somit gefunden, sie ist die »Regenblume«. 

Bleiben die Blüten am Morgen direkt zu, sprich sie öffnen sich gar nicht erst, so steht eine verregnete Zeit bevor. Schlaue Gärtner sparen sich an solch einem Tag das Gießen ihrer Pflanzen. Der Regen wird es richten.

Wie beispielsweise die Schafgarbe hat die Ringelblume Zungen- und Röhrenblüten. Ihr Stängel ist leicht klebrig und fühlt sich filzig an. Die eiförmigen Blatt-Lanzetten sind wechselständig angeordnet und ebenfalls zart behaart. 

Ringelblume

Alte Bräuche rund um die Heilpflanze

Siehst du eine Ringelblume, so ziehe schnell Schuhe und Socken aus. Berühre mit deinem nackten Fuß ihre Zauberblüten und du verstehst die Sprache der Vögel. So berichten es die alten Geschichten.

Bleiben wir bei den Füßen. Es wird erzählt, dass die jungen Frauen einst die Blumen in die Fußabdrücke ihres Liebsten einpflanzten. Welch übler Liebeszauber, denn dies bindet den Erwählten an die listige Hexe. 

Im südslawischen Raum gibt es eine kleine Abwandlung dieser Geschichte. Hier nahm die verliebte Närrin die Erde eines solchen Abdruckes mit in das traute Heim, füllte es in einen Topf und pflanzte die Ringelblume ein. Wie die Blume, so würde die Liebe des Mannes wachsen. 

Weiter ist zu hören, dass die Wurzel gleichfalls magische Kräfte besitzt. Wird diese ausgegraben und einem Mann in ein violettes Tuch gebunden untergejubelt, so ist der Ahnungslose ab diesem Moment für alle Frauen unwiderstehlich. Ich kann mir nur einen Menschen vorstellen, der solch ein Ansinnen in Betracht zieht – die Mama des Nesthockers.

Die Ringelblume war bei den ganzen Liebesspielchen und Zaubereien äußerst beliebt. Hieronymus Bock, Tragus genannt, war einer der Väter der Botanik. Er sagte: 

»Etliche Weiber treiben superstition damit / brauchen sie zu der buhlschaft.«

Die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff (1797 – 1848) schrieb in der zweiten Strophe ihres Gedichtes „Junge Liebe“ über die Blume:

Ringelblumen blättert sie ab:

»Liebt er?« – »liebt er mich nimmer?«

Und wenn »liebt« das Orakel gab,

Um ihr Antlitz gleitet ein Schimmer:

»Liebt er nicht« – o Grimm und Graus!

Daß der Himmel den Blüten gnade!

Gras und Blumen, den ganzen Strauß

Wirft sie zürnend in die Kaskade.

Für derartige Liebesorakel wurden die Blüten der Ringelblume gerne verwendet, wie bei ihren Sonnenschwestern, den Gänseblümchen oder den Margeriten. 

Haut es mit der Liebe nicht so recht hin, so pflanze die Blume an. Das klappt für uns Stadtkinder glücklicherweise ebenfalls leicht auf Balkon und Fensterbank. 

Für alle, die der Liebe nicht hinterher rennen, die Blume wurde im alten Ägypten zur Verjüngung genutzt. Steht dir der Sinn nach einem entspannenden Blütenbad, so lasse dir das Wasser mit ihrer Blütenpracht ein. Mische die Essenzen der Wunderblume mit in einer Socke gestopftem Hafer. Letztere Zutat ist ein Ersatz für Kleopatras Milch. Es ist nicht nötig, einen Esel zu melken. 

Das klingt vermutlich seltsam, aber ich gehe inzwischen selten ohne diese Hafersocke baden. Irgendeinen Spleen braucht ein jedes Wesen. Nein im Ernst, Hafer ist absolut wohltuend für unsere Körperhülle. Das Wasser wird durch das Pseudogetreide milchig und die Haut wunderbar geschmeidig. Die gefüllte Socke lässt sich hervorragend als Stempel für ein Gesichtspeeling verwenden. Dankt mir später. 

Nur wo kommt die Ringelblume denn her?

Das erzähle ich dir, und zwar in verschiedenen Varianten. Folgendes war in den Landen des altgriechischen Reiches geschehen:

Vier Waldnymphen der Artemis verliebten sich unsterblich in Apollo. Jede begehrte den Gott für sich allein und so wuchs die gegenseitige Eifersucht von Tag zu Tag. 

Wer so in seinen niederen Gefühlen verstrickt ist, konzentriert sich nicht mehr auf das Wesentliche und dies fiel ihrer Herrin Artemis bald auf. Die Nymphen kamen ihren täglichen Verpflichtungen nicht so nach, wie es gewünscht war, bis sie gänzlich aufhörten, diesen nachzugehen.

Artemis fand das nicht lustig und verwandelte sie kurzerhand in vier mattweiße Blumen. Dieser Anblick rührte das Herz des Apollos und so schickte er die Strahlen der Sonne auf ihre traurige Blässe. Seither tragen sie strahlende, goldgelbe Blüten, die sich wie zu Lebzeiten der Waldnymphen weiterhin sehnsuchtsvoll dem leuchtenden Tagesgestirn entgegenstrecken.

Bleiben wir im frühen Griechenland. Es findet sich dort eine weitere Version dieser alten Mythologie. So einig waren sie sich in der Überlieferung der Geschichte rund um die Ringelblume nicht. Aufgemerkt, Helios betritt die Theaterbühne. Er ist der eigentliche Sonnengott, denn Apollo war eher ein Gott des Lichtes.

Und wieder hören wir, wie es zu erwarten war, eine Mär von der Liebe. Dieses Mal hat es Caltha erwischt, die unsterblich dem Gott Helios verfallen war. 

An jedem Morgen ersehnte sie im Osten sein Erscheinen und ihr Herz tanzte und frohlockte, wenn er mit seinem Sonnenwagen durch den Himmel zog. Schade nur, denn Helios nahm Caltha nicht einmal wahr. 

So wurde die Arme immer trauriger und letztlich verbrannten die Feuerzungen der Liebe ihr Herz und sie starb. Die Stelle aber, an der Caltha jeden Morgen auf ihren Angebeteten gewartet hatte, wurde jener Nährboden für die ersten Ringelblumen, die je die Strahlen der Sonne erblickten. 

In einer dritten Variante lassen wir die Romantik auf traurige Art hinter uns. Hier wird sich erzählt, dass die Blumen aus dem Blut der Native Americans gewachsen sind, die von den spanischen Eroberern getötet wurden.

Ringelblume mit Blätter

Spirit, Verwendung und Räucherkraft

In ihrer Signatur ist die Ringelblume eine der wichtigsten Sonnenpflanzen. So wirken ihre enthaltenen Carotinoide und Flavonoide gegen die schädlichen Aspekte der Sonnenkraft und schenken der Haut einen leichten Sonnenschutz. 

Ein weiteres Indiz ist der Standort der Pflanze, welche die pralle Sonne bevorzugt. In ihren gelben Blütenblättern lebt die alchemistische Kraft des Feuers, des Sulfurs. Diese Blüten sind es, die den Stoffwechsel ankurbeln, die Organe befeuern und erwärmen. Vor allem Herz und Leber profitieren von ihrer Lebenskraft.

In der Blume steckt neben der Sonne der Spirit der Venus. Du siehst, sie wurde schon bewusst für all die Liebesorakel ausgewählt. 

Ich erwähnte, dass die Blüte sich bei drohendem Regen verschließt. Diese Eigenart spiegelt sich in ihrer Verwendung unter den Frauenblumen wider. Vor, inmitten und nach der Periode schließt sie sinnbildlich schützend ihren Mantel um die Gebärmutter der Frau, so dass sie äußeren Einflüssen leichter widersteht. 

Die Ringelblume bevorzugt die liebevolle Gesellschaft der Anderen, nur selten ist sie alleine anzutreffen. Ihre Blüten schmecken süß und mit ihr angerührte Salben lassen Verletzungen schnell heilen. Ihre Elemente sind Feuer und Erde. 

Sie gehört, wie beispielsweise Lavendel oder die Brennnessel zu jenen Pflanzen, die über universale Kräfte verfügen. Die Ringelblume heilt Wunden, hilft bei Herzleiden, bringt Venen zum Fließen, wirkt Hautkrebs entgegen, verjagt Warzen, regt die Verdauung an und so weiter. Sie ist ein wahres Wundermittel für Körper, Geist und Seele.

In der Räucherpraxis konzentrieren wir uns weitestgehend auf die Seelen Aspekte der Pflanzenkraft. 

Die Blütenkraft, in der die pralle Sonne lebt, hellt unsere Stimmung auf. Die Ringelblume stärkt uns von innen heraus, bringt unsere eigene Kraft zum Leuchten. Sie vermag seelische Wunden zu heilen, auch Wunden aus sehr alter Zeit. Sie vermag Ängste zu lindern und lichtvolle Gefühle zu schenken. Ihre Kraft steuert auch gerne den eigenen Gedanken entgegen, die uns einreden wollen, dass wir nichts oder nur wenig wert sind.

Der Spirit wirkt auf den Solarplexus, also dein Nabelchakra, dem Sitz unserer Energie und Lebenskraft – das innere Sonnenkraftwerk. Ihre Räucherkraft wirkt stimmungsaufhellend, wie zum Beispiel beim Johanniskraut.

Als Totenblume ist sie eine Mittlerin zwischen dem Irdischen und der Anderswelt. In ihrem Rauch können die Seelen wohl behütet auf einer lichtvollen Brücke zwischen den Welten wandern.

Weiterlesen