Meine Runen sind aus dem Holz einer Eibe geboren. Sie ist ein so heiliger Baum, dass in Wales die Beschädigung der heiligen Eibe bei Höchststrafe verboten war, so ein Gesetz des Königs Hywel Dda. Eiben lassen mich stets ehrfürchtig werden. Sie sind mir die liebsten der immergrünen Bäume.

Als ich noch in Bayern lebte, habe ich des Öfteren den dortigen Paterzeller Eibenwald besucht. Er ist mit über 2.000 Eiben einer der größten zusammenhängenden Bestände in Europa. So manch Eibe dort ist sehr alt. Ich stand im hohlen Stamm einer dieser alten Eiben und spürte ihre Kraft bis in die letzte meiner Zellen.

schlafender Drache im EibenhainEs ist mir schon oft aufgefallen, dass heilige Plätze mit spürbaren Zauberenergien von Eiben umringt werden. Erst zum letzten Beltane habe ich dies wieder mit Freude festgestellt. Bei einer Wanderung auf dem Deister erblickte ich an einem unserer Etappen-Ziele zuerst den Eibenhain, zu dem sich ein kleiner Pfad vom Berg hinab schlängelte. Dieser Hain stand schützend um einen ganz besonderen Stein, die Alte Taufe, auch Wolfstaufe oder Heidentaufe genannt.

In diesem großen Findling wurde eine Art Becken gehauen, in der immer Wasser steht, wie trocken es auch sein mag. Der Platz selbst trägt einiges an dunklen Energien, nicht böse, eher schwer und wehmütig. Ich denke, dies hängt mit der Alten Taufe und der dortigen Redewendung „Über den Deister gehen“ zusammen.

Der heilige Ort kann sich kaum regenerieren, denn er wird rege besucht und muss so einiges aushalten. Der Sage¹ nach fanden dort einst Blutopfer statt. Es wird unter anderem vermutet, dass es sich um eine alte germanische Opferstätte handelt. Jedenfalls halten die Eiben dort den mystischen Raum und die Energie. Es war ein großer Unterschied zu spüren, als wir in den Hain traten.

Direkt am Opferstein, so es denn mal einer war, fühlte es sich nicht richtig an, ein Ritual zu vollführen. So gingen wir ein kleines Stück tiefer und ließen uns in einem gut erkennbaren Steinkreis nieder. Wesen huschten ringsumher immer wieder durch die Bäume. Dort wurden unsere Körper von mehreren energetischen Wellen erfasst, wir wurden regelrecht durchflutet, so auch der Druidenstab meiner Begleiterin, welcher plötzlich wie aus dem Nichts umfiel – vielleicht war es einfach ein wenig zu viel des Guten.

Ich war zu vertieft in dieses magische Erlebnis, dass ich vergaß die Alte Taufe im Ganzen zu fotografieren. Auch die Eiben sind leider nicht zu sehen. Auf dem Bild siehst du nur einen Ausschnitt des großen Findlings der Alten Taufe. Ich wählte ihn, weil für mich dort ganz klar ein Drache schlief. Das untere Bild zeigt einen Teil des bergab des Eibenhaines liegenden Steinkreises, den wir für unsere Opfer ausgewählt hatten.

Nur warum gehe ich bei diesem Erlebnis so in die Tiefe? Weil das für mich die Macht der Eibe ist. Sie sind hoch spirituelle Wesen, welche behüten und an magischen Orten wie nimmermüde Wächter am Rande der Schwellen stehen. Sie können sehr dunkel sein, aber auch warm und einladend. Sie sind der Tod und das ewige Leben.

Es heißt, sie sind ein Schutzmantel gegen böse Mächte und das ist auch richtig. Nur, ich finde, sie schützen letztendlich jede Form von Magie, egal ob sie Gutes bewirkt oder nicht. Sie sind wahre Wächter der Magie.

Steinkreis im Eiben Hain

Die Eibe

Alte Eibe Paterzeller EibenwaldDer Baum wird im Lateinischen Taxus baccata genannt. Taxus ist der Bogen, abgeleitet vom griechischen Wort Toxon, ebenfalls der Bogen. Der Zusatz baccata beschreibt die „beeren“tragenden Äste.

Die Eibe ist in fast all ihren Bestandteilen hoch giftig, außer der Fruchtmantel, der die Samen umhüllt. Das rote Fruchtfleisch kann also verzehrt werden, es schmeckt sogar recht lecker. Aber vorsichtig, die darin liegenden Samen sind ebenfalls giftig und dürfen nicht mitgegessen werden. Schon eine sehr geringe Menge kann deine Atmung lähmen und dein Herz zum Versagen bringen.

Die Gifte heißen übrigens Taxine. Es heißt, Julius Caesar erwähnte in seinem Gallischen Krieg einen Eburonen-Stammesfürsten, der lieber mit dem Gift der Eibe den Freitod wählte, als sich den Römern zu ergeben.

Biologisch gesehen ist der Baum eine Mischung aus Laub- und immergrünen Nadelhölzern.

Die Eibe ist ein Nacktsamer und direkt mit der Tanne verwandt. Ganz genau gehört sie zur Familie der Eibengewächse. Sie wird auch Ibe oder Kantelbaum genannt und findet sich in Europa, Asien, Nordafrika und Nordamerika. Sie wird bis zu 20 Meter hoch, allerdings gibt es hierzulande auch Exemplare bis zu 25 Metern. Der Durchschnitt liegt allerdings eher bei 9 – 14 Metern.

Anders als die anderen Nadelbäume trägt die Eibe keine Zapfen, sondern die schon erwähnten „Beeren“. Eigentlich sind es aber keine Beeren, sie sehen nur so aus. Diese Frucht, welche also die Samen ummantelt, wird Arillus genannt. Sie ist also auch hier eine kleine Besonderheit.

Die Eiben sind zweihäusig, es gibt also einen Baum mit nur weiblichen Blüten und einen Baum mit nur männlichen Blüten. Erstere sind grünlich und sitzen an der Zweigunterseite, die Männlichen sind gelb und kugelig. Es sind auch die weiblichen Exemplare, die später die typischen roten Arillus-Früchte tragen.

Die Nadeln sind an der oberen Seite recht dunkelgrün und leicht glänzend, als möchten sie das Licht von sich fort reflektieren, wenn es doch einmal durchdringt. An der Unterseite sind sie wesentlich heller und matt. Die Nadeln sind nicht wirklich spitz und eher weich und biegsam.

Sammle im Frühjahr ein klein wenig der neuen Triebe und hebe sie dir für die Dunkelzeit auf. Ich verrate dir später wozu sie von Nutzen sind. Bewahre sie so auf, dass auf keinen Fall neugierige Kinder in Gefahr geraten.

Eibe blutroter StammAuch der Stamm des Baumes ist besonders, denn er besteht aus mehreren Trieben, die einzeln gewachsen sind. Mitunter berühren auch Äste den Boden und verbinden sich miteinander im Stamm. Es braucht gute 100 Jahre bis sich der Stamm so richtig entfaltet. Die Eibe lässt sich also viel Zeit. Recht tut sie daran, denn schließlich hat sie ein langes Leben vor sich.

Werden die Eiben älter, so faulen sie innen weg und werden hohl. Neuere Triebe wachsen an den älteren Stämmen empor und die Eibe schafft es mit diesem Trick sehr lange stehen zu bleiben. Die älteste Eibe in Europa ist laut Schätzungen mindestens 2000 Jahre alt. Sie steht in Fortingall – Schottland. Sie ist aber nicht nur die älteste Eibe, sondern wohl auch der älteste Baum Europas generell. Die Eibe im Titelbild² ist die: Slaugham Church Yew Tree in West Sussex, England.

Die in diesem Abschnitt abgebildeten Fotos habe ich im Paterzeller Eibenwald aufgenommen. Du erkennst den hohlen Innenraum eines alten Stammes und du erkennst eine weitere Besonderheit der Eibe – ihren mitunter nach dem Regen blutrot gefärbten Stamm. Bisher hatte ich zweimal das Glück diese temporäre Verfärbung zu bewundern.

An diesem Tag konnte ich also die Schönheit der blutrot gefärbten Bäume fasziniert in mich aufnehmen. Dabei wird das Foto dem eigentlichen Anblick nicht einmal gerecht. Ein kleines Stück tiefer im Text zeige ich noch einmal eine Nahaufnahme, mit der du meine Faszination gewiss verstehen kannst.

Viele der Eiben im Wald hatten diese blutroten Stämme. Es war sehr mystisch.

Der Baum ist nicht sonderlich anspruchsvoll, was den Boden zu seinen Füßen angeht. Er bevorzugt aber einen  nährstoffreichen, kalkhaltigen und feuchten Grund. Was sie aber nicht mag ist ein sonniger Platz, zumindest nicht im zarten Alter, denn vor allem die jungen Eiben möchten gerne im Schatten stehen.

Die Eibe bildet sehr tiefe und weit verzweigte Wurzeln.

Einst war dieser wunderschöne Baum sehr verbreitet. Ganze Eibenwälder durchzogen das Land, doch nur wenig ist davon erhalten geblieben. Wir finden die Eiben auf Friedhöfen und in Parkanlagen, wo sie häufig angepflanzt werden, jedoch verhältnismäßig selten noch in der freien Natur. Zudem überleben jungen Eiben nur recht schwer, da sie zu oft von Rehen gefressen werden. Erst mit etwas 40 Jahren ist die Eibe standhaft genug, um den Wildfraß zu überleben – nur leider schafft sie es selten bis dahin.

Das Eibenholz wurde viele Jahrhunderte lang genutzt, um Tische, Betten und Stühle herzustellen. Es fand sich auch in Schiffsmasten und Zäunen. Da es sich über Dampf gut biegen lässt, wurden auch Fässer damit eingefasst. Die eng mit dem Tod verbundene Eibe musste oft zur Herstellung von Waffen, wie Speeren, Messergriffen oder Langbögen herhalten.

Vor allem als Bogenholz war der Baum sehr beliebt. Funde belegen, dass schon die Neandertaler Bögen aus Eibenholz nutzten. An vielen Orten in Europa wurden die Überreste von Langbögen aus Eibenholz gefunden. Die Pfeilspitzen wurden zur Tötung der Feinde teils auch direkt mit dem tödlichen Gift des Baumes getränkt. Bei geologischen Untersuchungen, die bis in die Eiszeit zurückreichen, wurden hier Pollen von Eiben gefunden. Auch die Kelten verwendeten den Sud der Eibennadeln, um ihre Pfeilspitzen zu präparieren.

“We’ll nerve each arm with ancient pow’r
To bend the toughest Yew:
And consecrate that happy hour
When Kent’s first arrow flew.

Be it mine alone from my airy throne,
To chaunt the victor’s high renown.
To hey, ho, nonny no, Merry be and bonny O,
Hail to the Kentish bow.”

„Wir werden jeden Arm mit uralter Kraft stärken, um die härteste Eibe zu biegen“, heißt es in „The Fairy Queen and the Royal Kentish Bowmen“³.

Auch in der griechischen Mythologie kam das Gift zum Einsatz. Artemis, die Göttin der Jagd, tötete mit in Eibengift getränkten Pfeilen die Töchter der Niobe.

Die Eibe steht heute unter Naturschutz und kann nicht mehr einfach so gerodet werden. An dieser Stelle, wie versprochen, ein weiteres Bild von einem scheinbar blutendem Stamm eines Zauberbaumes aus Paterzell. Wundert es da, dass meine Runen aus ihrem Holz entstehen wollten? Der Ast, den ich dazu verwendet habe, war übrigens nicht mehr am Baum. Das würde ich nicht übers Herz bringen.

Rot wie Blut - Die Eibe

Mythologie, Mystik und Magie

Es heißt: Vor der Macht der Eibe kann kein Zauber bestehen.

In der Signaturenlehre ist die Eibe dem Element der Luft zugeordnet. Es zieht mich immer wieder zu den Luft-Bäumen, was vermutlich damit zusammenhängt, dass ich im Luftzeichen des Wassermannes geboren bin. Der zugeordnete Planet ist der Jupiter. Dieser Planet stand mit Merkur zu meiner Geburt in meinen astrologischen Wurzeln, dem Imum Coeli. Mitunter wird aber auch Saturn als planetarer Pate genannt, der mir fast passender erscheint, da er die Weisheit des Alten symbolisiert und wie die Eibe ein Hüter der Schwelle ist.

Geschlechtlich wird der Baum der Männlichkeit zugeordnet, ich habe mit diesen Zuordnungen zu nur einem Geschlecht immer so meine Schwierigkeiten, möchte es aber dennoch erwähnen.

Die Eibe ist ein wahrer Zauberbaum und eng mit den Gottheiten des Todes verbunden. Bei den Griechen stand Hekate persönlich mit der Eibe im Bunde. Sie ist die Herrin der Unterwelt und für viele Hexen eine Art göttliche Königin, eine wahre Symbolfigur der Hexenkraft. Ein Aspekt der Hekate ist die weise Alte des Winters. Sie ist auch die Zauberin der Gifte. Hekate verkörpert die Zeit des abnehmenden Mondes, mit ihrem Totentanz zur schwarzen Mondin. Sie ist die Dunkle, teils Unerbittliche. Sie ist die Göttin der Magie und Totenbeschwörerin, eine Wächterin der Tore und Schwellen.

Eibe Zweig und Arillus

Ein Schwellenbaum

Wie gesagt, auch der Baum selbst ist ein Schwellenbaum, wie die Hasel, die Weide oder der Holunder. Sie ist ein Baum mit zwei Gesichtern, wie die nordische Göttin Hel – die Eibe ist Hüterin der Toten und zugleich der immergrüne Baum der Unsterblichkeit und der Hoffnung. In alten Legenden zeigt sie mal das eine, mal das andere Gesicht. Sie ist ein Baum uralter Weisheit, dem tiefe Ehrfurcht gebührt.

Es gibt im Leben und darüber hinaus nie die eine Wahrheit. Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Und dazwischen ist immer die Schwelle, wo das Eine in das Andere übergeht. So ist die Eibe zwar hoch giftig – etwa 50 Nadeln bringen den Tod – und doch ist ihr Holz als Talisman sehr beliebt und ein mächtiges Werkzeug, das gegen Schadzauber eingesetzt werden kann. Es wird gemunkelt, dass es einst Bestandteil der legendären schwarzen Hexensalbe war.

Eibe Zweig und Arillus

Der Eibenhain

Der Baum wurde wie die Hasel als Schutz vor dem Bösen um die Häuser gepflanzt, aber auch um viele Kirchen, vor allem in England. Lange vor der Übermacht des christlichen Glaubens wurden dort Eiben um heidnische Plätze und Tempel angeordnet. Wer weiß, vielleicht war es auch umgekehrt. Diese Eibenhaine wurden von der Kirche als heiliges Symbol der Unsterblichkeit übernommen.

Naturwissenschaftler sagen jedenfalls, dass die ältesten Exemplare aus einer Zeit vor dem Bau der Kirchen stammen. An manchen Stellen steht ein kompletter Ring oder ein Oval aus sieben riesigen Eiben um eine der Kirchen herum. Es wird vermutet, dass in jenen Ringen einst Kultstätten der Druiden lagen und später die Kirchen diese Stätten ersetzten. Als Baum des Todes findet sie sich natürlich auch oft auf den Friedhöfen der Kirchen.

Auf dem Kirchhof von St. Mary & St. Gabriel in Devon steht ein besonders riesiges Exemplar, In einem Spruch heißt es über diesen Baum:

Walk ye backward round about me
Seven times round for all to see;
Stumble not and then for certain
One true wish will come to thee.

Geht rückwärts um mich herum
Siebenmal, für jedermann sichtbar;
Stolpere nicht und so mit Sicherheit
wird ein wahrer Wunsch zu dir finden.

Nun, es schadet ja nicht, dies einmal an einer der anderen Eiben auszuprobieren, nicht wahr?

Eibe Zweig und Arillus

Im Reich der Kelten

Keltisches BaumhoroskopFür die Kelten war die Eibe ein Baum des Todes und des ewigen Kreislaufes.

Sie gehört zu den fünf magischen Bäumen der Kelten und ist eng an die Wintersonnenwende gekoppelt, wo sie den Kreislauf von Werden, Wachsen und Vergehen symbolisiert. Sie gehört ebenso zu den neun Hölzern, die zur Sonnenwende verbrannt werden.

Die Kelten benannten Teile ganzer Völkergruppen nach der Eibe, so beispielsweise die gallischen Eburonen, das Volk der Eiben. Oder auch die Ibero-Kelten, Ibe ist ein anderes Wort für den Baum.

Die Eibe ist eine der Bäume der Ogham Magie und wird dort als Ioho/ Idad genannt, als Herrscherin über den Sonnenwendtag. Für das Orakeln wurden einst die Zeichen des Ogham Alphabetes auf kleine Eibenäste geritzt, welche auf einem weißen Tuch ausgeworfen wurden. Es heißt, was die Eibenstäbe über die Zukunft sagen, ist für alle Zeit festgeschrieben und nicht mehr zu ändern.

Wie schon bei der Hasel, wird auch bei diesem heiligen Baum gesagt, dass Druiden ihre Stäbe mit dessen Holz fertigten. Auf jeden Fall ist ein Zauberstab aus Eibenholz gewiss sehr machtvoll. Er lässt sich wie ein Hexenbesen zur Reinigung unerwünschter Energien nutzen, wobei drei Zweige auch in meinem eigenen Hexenbesen eingebunden sind.

Bei den Kelten gibt es die alte Legende von Etain und Midir – eine Liebesgeschichte.⁴

Die wunderschöne Frau des Feenkönigs Midir lebte einst an seiner Seite im Feenpalast der Tuatha De Danann in Bri-Leith. Ein Zauber aber verwandelte sie in eine Sterbliche, welche den irischen König Eochy aus Liebe heiratete.

Der Feenkönig hörte nicht auf nach ihr zu suchen und brachte sie eines Tages zurück in seinen Palast. Eochy war verzweifelt und wandte sich an einen Druidenpriester, der sogleich begann Magie zu weben. Er fertigte drei Stäbe aus Eibenholz, welche er mit einem Ogham beschrieb. Mit diesem Ogham und dem Schlüssel der Weisheit erhielt er eine Vision. Er sah die Geliebte Etain im Reich der Feenhügel von Bri-Leith, verschleppt von Midir.

Es folgten viele Schlachten, bis das Feenreich besiegt war und Etain zu ihrem sterblichen König zurückkehrte.

Eibe Zweig und Arillus

Im Reich der Germanen

Mitunter wird die Eibe mit dem Weltenbaum Yggdrasil in Verbindung gebracht, da von einem immergrünen Baum die Rede ist. Allerdings nie direkt von einer Eibe, dafür sehr wohl von einer Esche. Persönlich empfinde ich die Eibe als Weltenbaum nicht passend, aber da möge jede für sich selbst eine Antwort finden, mit der sie leben kann.

Andere wiederum sagen, dass Odin die Runen unter diesem Baume fand. Auch dies erschließt sich mir nicht. So hing der Gott sich selbst auf, an einem windigen Baum. Passt dies zu einem Nadelholzgewächs? Wohl kaum. Vielleicht war es ja Yggdrasil selbst und einer seiner Äste. Vielleicht war es ja auch eine Buche, immerhin waren die Runen die Vorläufer der Buch-staben. Nun, man weiß es nicht, man munkelt noch.

Eindeutiger hingegen ist, dass eine der Runen ganz besonders mit dem Baum verbunden ist. Es handelt sich um die Rune Eihwaz, die den Schlüssel für die Geheimnisse um Leben und Tod in sich trägt. Ihwa / Eihwaz (ᛇ) ist die 13. Rune des älteren Futharks. Die Rune verbindet die Unterwelt mit der Oberwelt.

In den alten nordisch-germanischen Landen galt die Eibe als ein Baum, der Zauber abwehrt. In den Wohnstätten konnten zwei Zweige gekreuzt übereinander gelegt werden, um das Heim zu schützen. Es heißt auch, dass dann die Kobolde weniger Schabernack treiben würden und nichts mehr stehlen.

Wie aber auch bei den Kelten verkörperte der Baum auch hier die Ewigkeit und wurde so als begleitender Totenbaum auf Friedhöfen angepflanzt. Diese enge Verbindung zum Tod war auch der Grund dafür, dass ein kleines Stück Eibenholz am Körper getragen wurde, damit der Tod einen in Ruhe lässt. Und wurde irgendwie doch gestorben, so half sie als Baum des ewigen Kreislaufes dann zumindest bei der Wiedergeburt.

Symbol Feuer

Der Rauch und Spirit des Totenbaumes

Erinnerst du dich, ich riet dazu, ein wenig der neuen Triebe im Frühjahr zu sammeln.

Zu Samhain kannst du sie dann in ganz kleinen Mengen verräuchern, aber halte die Fenster offen oder gehe besser noch direkt ins Freie. Keine Räucherung der Nadeln in der Nähe von Kindern oder Schwangeren!

Der Rauch öffnet die Tore zur Anderswelt. Er zeigt dir auch den Weg zum Wissen der uralten Zeit. Wie der Saturn ist die Eibe die Hüterin der Schwelle und sie schenkt dir vielleicht den Schlüssel, um auf die andere Seite zu kommen.

Auch die Rinde kann in winzigen Mengen einem Räucherwerk beigemengt werden. Sie ruft den Geist unserer Vorfahren. Draußen, bei einem offenen Feuer, kannst du hingegen einen kompletten Zweig in die Flammen werfen.

Möchtest du dich mit dem Spirit des Baumes verbinden, so ziehe eine Linie aus deinem zweiten Chakra, dem Sakralchakra in das Reich ihrer Wurzeln. Spüre den langsamen, stetigen Puls des Baumes. Sei bereit, die Tore zu durchschreiten, welche sie öffnet. Erwarte nichts und du wirst neue Reiche betreten.


Quellen:

¹Eine der Sagen: Die Sage von der „Alten Taufe“

² Charlesdrakew, Public domain, via Wikimedia Commons

³ The Kentish Garland Vol., von Julia H. L. de Vaynes

⁴ Vorlage: Myths and Legends of the Celtic Race; von Thomas William Rolleston