Oft werde ich das Gefühl nicht los, dass wir mehr denn je leichtsinnig mit der Wahl unserer Worte umgehen. Die Macht des Wortes aber ist gewaltig. Sie kann uns Freude schenken, aber auch zerstören. In der Magie helfen Worte uns, unsere Absichten nicht nur auszudrücken, sondern auch klar dazulegen. Worte können ein Fluch sein, aber auch ein Segen. Sie können beschwören, rufen, besprechen, bannen und vieles mehr.

„Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß.“, sagte das kleine Männchen im Märchen und als sein Namen genannt war, hatte dieses Wort die Kraft, ihn zu zerstören. Es siegte allein die Macht des Wortes.

Die Macht des Wortes

Einst las ich: „Worte sind wie Pistolenkugeln, einmal abgeschossen, können wir sie nicht mehr zurückholen.“ Vielleicht hast du es schon einmal erlebt, wir selbst können etwas sagen, dass für andere unverzeihlich ist. Andere können etwas sagen, was unser Verhältnis zu dieser Person für immer verändert. Es genügt manchmal ein einziger Satz. Worte können Balsam für unsere Seele sein, aber auch „tödliche“ Geschosse.

In der Wissenschaft ist längst erkannt, dass Worte die Macht haben, großen Einfluss zu nehmen. So hat beispielsweise der Neurowissenschaftler Dr. Andrew Newberg herausgefunden, dass Worte zu unterschiedlichen Hormonausschüttungen führen. Während „Frieden“, „Liebe“, „Glück“ oder auch „Freundschaft“ in unserem Körper Dopamin, Oxytocin und/oder Serotin ausschütten, können Worte wie „Hass“, „Krieg“, „Angst“ oder auch „Krankheit“ zu einer Ausschüttung von Adrenalin führen.

Bist du nicht überzeugt, dann schaue einmal ganz bewusst, was folgende Worte mit dir machen:

Verzweiflung – Schuld – Probleme – Angst – Schmerzen – Verlust – Krankheit

Wie fühlst du dich dabei, welche Bilder steigen in dir auf?

Nimm dir im Anschluss positive Worte wie:

Schönheit – Liebe – Freundschaft – Wärme – Glück – Verbundenheit – Freude

Lösen sie die gleichen Gefühle in dir aus? Vermutlich nicht.

Natürlich lässt sich das nicht auf ganzer Ebene pauschalisieren. Wer das x-te Mal von der Liebe enttäuscht wurde, der hat vielleicht erstmal keine so positive Assoziation zu diesem Begriff. Ich denke aber, das Grundprinzip, dass hinter der Macht des Wortes steckt, wird allein mit dieser kleinen Übung deutlich.

Erst denken, dann reden

Schaue ich mich in dieser Welt um und achte dabei auf die Worte der Menschen, dann würde ich mir wünschen, dass sich ein tieferes Bewusstsein für die Wahl unserer Aussagen formt. Ganz übel ist es teilweise in den Social Media Kanälen. Erschreckend oft werden Worte einfach so in den Raum gestellt und nur wenige Menschen scheinen sich darüber Gedanken zu machen, welche Energie sie in die Welt senden.

Ich brauche da gar nicht bei bewusst formulierten Hassbotschaften, Beleidigungen oder auch Drohungen anzufangen. Es ist wohl selbstredend, dass derlei zu nichts Gutem führt. Die Macht des Wortes indes beginnt schon im Kleinen.

Auf die Botschaft hinter dem Wort achten

Wie schnell sagt es sich: „Lass mich mal, du kannst das nicht.“, nur um ein Bespiel zu nennen. Die Absicht dahinter ist vielleicht gut, die Person möchte helfen. Eventuell sagt es eine Mutter zu ihrem Kind. Vielleicht hat am Morgen im Kindergarten die Erzieherin gesagt: „Ist ja nicht schlimm, dass du es nicht kannst, das lernst du schon noch.“ Am Abend schmeißt der Zwerg seine Anziehsachen auf den Boden und der Vater spricht: „Kannst du nicht einmal was richtig machen?“ Was wohl geschieht mit der zarten Kinderseele? Mutter, Erzieherin und Vater wollen dem Kind (hoffentlich) nichts böses, sie waren einfach nur achtlos in der Wahl ihrer Worte, haben die Macht des Wortes nicht bedacht. Das Kind aber lernt mit der Zeit: Ich kann nichts – Ich bin nichts wert. Fatal.

Wir können doch nicht immer darauf achten, was wir sagen! Können wir nicht? Und ob wir das können. Jeder Mensch kann lernen, erst zu denken und dann zu reden. Jede Person kann in sich ein Bewusstsein schaffen, dass Worte machtvoll sind und seine Formulierungen danach ausrichten. Sollte es dennoch einmal geschehen, dass etwas gesagt, aber nicht gemeint wurde, so sollte schleunigst erneut die Macht des Wortes genutzt werden, um das Ganze wieder zurecht zu biegen. Wie wäre es mit einer Entschuldigung?

Niemand läuft in den Schuhen des Anderen

Wir kennen die Gedanken, Erfahrungen, Gefühle des anderen Menschen nicht. Erst recht nicht, wenn er uns persönlich nicht einmal bekannt ist. Vielleicht war dieser Mensch einst der kleine Zwerg, der anscheinend nichts konnte, nie etwas richtig machte. Solche Wunden können sehr tief gehen. Jedesmal, wenn diese Person zu hören bekam, dass er das ja nicht kann, formte sich sein Bewusstsein mehr und mehr zu einem „Ich kann gar nichts.“ Das frustriert nicht nur, es zerstört auch das eigene Urvertrauen und das Selbstbewusstsein. Die stetigen Wiederholungen sind wie ätzende Säure, die sich ihren Weg in eine Richtung bahnen, die unter Umständen zu einer Eskalation führen können. Vielleicht beschließt der Mensch einfach „nur“ sich aus allem zurückzuziehen, vielleicht schluckt er es immer wieder herunter und wird mit der Zeit krank, vielleicht aber wird er eines Tages so wütend, dass schlimme Taten folgen.

Gewiss, es gibt noch schlimmere Sätze, die fallen können, als „du kannst das nicht“, aber ich habe bewusst ein eher „mildes“ Beispiel gewählt, um zu verdeutlichen, dass es schon im „Kleinen“ beginnt.

Haben wir nicht gelernt, dass wir uns mit Respekt ausdrücken, dann sollten wir zumindest immer daran denken, dass unsere Worte im Gegenüber Wirkungen erzielen. Wir können mit der Macht des Wortes, mit nur einem unbedachten Satz ein Fass zum Überlaufen bringen. Ein kleiner, einfacher Satz über den Andere vielleicht schmunzeln würden, der aber für diese eine Person tiefe Wunden reißt.

Pentagramm

Die Macht des Wortes in der Magie

Magie lässt sich mit Worten formen. Odin war ein großer Meister in dieser Kunst, dem Weben der Magie anhand von Zauberliedern, dem „galdr“. Er ist der „galdrs faðir“, der Vater der Zauberlieder. Vielleicht kennst du sein machtvolles Runenlied.

Zaubersprüche werden gesagt, Flüche hervorgestoßen, Warzen besprochen, Dämonen beschworen und dergleichen mehr. Die Macht des Wortes ist aus dem magischen Wirken nicht wegzudenken. Und doch bin ich immer wieder erstaunt, dass es im Repertoire der magischen Bücher oft nur einen kleinen Anteil einnimmt und in nicht wenigen Werken gänzlich unerwähnt bleibt.

Unsere Ahnen wussten um die Macht des Wortes. So gab es einiges, dass nicht benannt wurde. Wir kennen es heute aus Harry Potter, wenn Voldemort als der umschrieben wird „dessen Name nicht genannt werden darf“. Die alten Germanen ersetzten den alten Begriff „rksos“, der Bär mit Umschreibungen. Er war der „bero“, der Braune oder auch heute noch kennen wir ihn als Meister Petz. Die Griechen hatten für den Bären das Wort „árktos“, das wohl mit der heutigen Arktis in Verbindung steht. In der alten Zeit stand das Sternbild des „Großen Bären“ näher am Nordpol als heutzutage. Wird die eine Seite des Großen Bären verlängert, so führt sie direkt zum Polarstern, aber das nur am Rande. Fakt ist nur, dass vieles umschrieben ward, das ängstigte. Die Russen und auch Polen hatten beispielsweise gar kein Wort für den Bären, er war einfach nur „Er“, zu groß die Angst, das gefährliche Tier einfach allein durch seine Nennung herbeizurufen.

Als die schöne Müllerstochter, ihren Widersacher Rumpelstilzchen beim Namen nannte, sprach sie einen magischen Bann aus, der ihr den Giftzwerg für immer vom Leibe hielt.

Der magische Bann

Im Grunde verbannen wir ständig etwas aus unserem Leben und auch aus dem Leben anderer Menschen. Die Tochter soll nicht stetig Süßigkeiten essen, also verbannen wir das Naschwerk in den obersten Schrank, den sie nicht erreichen kann.

In der Magie möchten wir mit einem Bann erreichen, dass etwas oder jemand von uns fort bleibt, das oder der sich negativ auf uns auswirkt.

Wir können böse Geister, einen Fluch oder auch Schadenszauber bannen und dergleichen mehr. Um Schaden von einer Person abzuwenden können wir einen Schutzkreis bilden. Das kann mit Salz geschehen, mit Runen, mit einem weißen Band oder was immer deiner magischen Arbeit entspricht. Lege persönliche Dinge der Person in den Schutzkreis, wie ein Foto oder auch etwas von dem eigenen Haar. Vorher aber kommen Worte ins Spiel. Hauche allen Dingen, die in den Bannkreis gelegt werden, Leben ein. Verleihe der Materie also die Kraft ihres Träger. Verbinde den Menschen mit seinen symbolischen Objekten. Du kannst nun verschiedene Methoden anwenden, um den Schutzkreis stark zu machen. Du kannst beispielsweise einen Kreis aus Feuer visualisieren. Greife auch hier auf das zurück, dass dir vertraut ist und leicht fällt. Nutze in diesem Ritual die Macht des Wortes. Finde idealerweise einen bannenden Reim. Er wird die Kräfte stärken.

Überlasse den Schutzkreis nicht einfach so seinem Schicksal, sondern sorge dafür, dass er nicht gestört wird. Du kannst den Kreis immer wieder erneuern, wenn du das Gefühl hast, dass die Kräfte nachlassen.

Die Beschwörung

Wir können die Macht des Wortes auch in einer Beschwörung nutzen. Erstelle eine Sprengglyphe, eine Sigille oder schreibe einfach auf einen Zettel, was gehen soll. Du kannst auch ein Symbol nutzen, dass für einen verursachten Schaden steht. Bleiben wir im Beispiel der Bannung negativer Elemente. Umwickle was immer du erstellst hast mit einem Band. Sprich dabei Beschwörungen, sage klar und deutlich was gehen muss. Im Anschluss vergräbst du es in der Erde und auch hier kannst du die Macht des Wortes nutzen:

Mit meiner Macht der Fluch nun werde,

gebannt auf ewig in dieser Erde.

Du findest gewiss einen besseren Vers.

Das Rufen

Wir können die Kraft der Rituale durch die Anrufung stärken, auch hier kannst du die Macht des Wortes nutzen. Wir können die Elemente rufen, die Himmelsrichtungen, die Götter und Göttinnen, Pflanzengeister, spirituelle Führer*innen, eine andere Kraft oder ein anderes Wesen, dessen Kräfte und/oder dessen Beistand du benötigst.

Das Besprechen

Diese Form der Magie nutzt vor allem die Macht des Wortes. Sie wird häufig eingesetzt, wenn eine Krankheit verschwinden soll. Das können unangenehme Warzen sein oder vielleicht ein Geschwür. Besprich das was gehen soll immer wieder mit einer Formel, die du dir vorher gut überlegt hast. Wiederhole dies stetig und nutze dabei gerne Reime. Wiederholungen potenzieren die Kräfte und Reime sind wahre Freunde der Magie.

Verschwinde Schmerz aus meinem Bein

hinfort mit dir du üble Pein.

Auch hier findest du gewiss einen schöneren Reim, wichtig ist allein nur, dass du die Macht des Wortes zu nutzen weißt.

Pentagramm

Schlussgedanken

Immer wieder lese ich, dass die Macht des Wortes nur auf fruchtbaren Boden fällt, wenn wir meinen, was wir sagen und vollkommen dahinterstehen. Es heißt, es müssen unbedingt eigene Zauberformeln gefunden werden, da sonst nichts passiert. Ich sage nur, Vorsicht! Worte wirken, ob wir sie nun so meinen, wie wir sie sagen oder auch nicht. Stehen sie im Raum, so sind sie Energie und Energie verschwindet nicht einfach so, sie wirkt.

Natürlich ist es schön, beispielsweise bei Zauberformeln mit eigenen Worten zu arbeiten, aber das bedeutet keineswegs, dass die Worte anderer nicht funktionieren. Worte können ebenso eine Form der Magie der hohlen Hand heraufbeschwören. Wir sollten sie niemals leichtsinnig oder einfach mal so spaßeshalber verwenden.

Seien wir stets achtsam mit dem was wir sagen, die Magie des Wortes kann viel Gutes bewirken, sie kann aber auch Geister rufen, die wir oder andere nicht mehr loswerden und das meine ich nicht nur im übertragenen Sinne.

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