Selbstliebe ist der Schlüssel zur Welt

Wer sich selbst nicht auf die rechte Art liebt, kann auch andere nicht lieben. Denn die rechte Liebe zu sich ist auch das natürliche Gutsein zu anderen. Selbstliebe ist also nicht Ichsucht, sondern Gutsein.

-Musil-

Selbstliebe ist kein Egoismus.

In vielen Köpfen herrscht noch immer ein trauriges Bild. Wir werden im Laufe unseres Lebens in vielen Dingen unterrichtet. Wir lernen wie wir mit Messer und Gabel zu essen haben, wann es gilt Bitte und Danke zu sagen, wie wir unser Taschengeld ausrechnen können und vielerlei anderer nützlicher (sowie weniger nützlicher) Dinge.

Die wichtigste Lektion des Lebens jedoch kommt in fast allen Kinderherzen viel zu kurz. Wir lernen früh, dass unser Verhalten, unser Sein in die Kategorien schlecht und gut eingeteilt wird. Unsere Eltern erklären uns wieso wir nicht in der guten Sonntagskleidung durch Pfützen hüpfen dürfen, warum es falsch ist sich Kaugummi in die Haare zu kleben oder wieso wir beim Essen nicht schmatzen sollen. Im Laufe der Zeit verinnerlichen wir dermaßen viele Regeln, dass uns unsere Kinderseele manchmal bis zum Erreichen des Erwachsenenalters vollständig verloren geht.

Was gut ist und gerne gesehen wird, dass lernen die Kinder zumeist nicht durch die Bestätigung der Erwachsenen, sondern einfach nur dadurch, dass sie für diese Handlungen nicht ermahnt oder bestraft werden. Diese Erwachsene haben genau das auch einmal gelernt, als in ihrer Brust noch das wilde Kinderherz Purzelbäume schlug.

Natürlich gibt es auch herzerfrischende Ausnahmen!

Menschen, die den kleinen zarten Wesen sagen wie wundervoll sie sind. Menschen, die wertungsfrei das Kind wachsen lassen und es auf ihrem Weg unterstützen, indem sie dem Kind Halt und Liebe schenken und ihm immer wieder zu verstehen geben, dass es ein wundervolles Wesen ist. Diese Menschen pflegen den Samen der Liebe in den unbekümmerten Herzen der Kinder, so dass kräftige Triebe einen stark verwurzelten Baum der Selbstliebe wachsen lassen.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Fast alle Eltern lieben ihre Kinder. Sie möchten sie schützen und behüten. Einige gehen dabei den Weg, den sie selbst gelernt haben und bringen den Kindern bei was richtig und was falsch ist, andere gehen den Weg der bedingungslosen Liebe und geben den Kindern vor allem Selbstvertrauen in den eigenen Wert der Person mit.

Selbstliebe ist kein Egoismus schrieb ich einleitend. Betrachten wir die Art und Weise des Heranwachsens der Kinder zu Erwachsenen so verwundert es mich nicht allzu sehr, dass viele eine gesunde Liebe zu sich selbst mit egoistischen Zügen verwechseln.

Selbstliebe schenkt uns eine enorme innere Kraft und Stärke, die wir auch in die Aussenwelt ausstrahlen. Sie liegt wie ein magischer Zauber über uns. In der Liebe zu uns selbst steckt eine Urkraft des Vertrauens auf das Leben. Eine spürbare Energie wie ein inneres Leuchten. Lieben wir uns selbst, so stecken wir voller Lebenskraft.

Menschen, die nie gelernt haben sich selbst als so wertvoll anzusehen, dass sie sich selbst von ganzem Herzen uneingeschränkt lieben können sehen dieses Leuchten, diese Power und Energie, aber es dringt selten in ihre Herzen vor und so geschieht es leider, dass diese Liebe mit Egoismus verwechselt wird.

 

Selbstliebe ist die Wurzel zur Nächstenliebe.

 

Eigenliebe ist der Beginn einer lebenslangen Leidenschaft.

-Oscar Wilde-

Ich nehme mich bedingungslos an. Ich akzeptiere mich absolut wertungsfrei. Ich liebe mich selbst.

In der Liebe zu sich selbst ist der Liebende bereit alles anzunehmen, was das Leben an Erfahrungen bietet. Es ist eine schützende, achtsame, liebevolle Haltung sich selbst gegenüber. In der Eigenliebe gibt es keinen Unterschied zwischen gut und böse, richtig und falsch. Diese Attribute existieren in einer bedingungslosen Liebe nicht. Es spielt keine Rolle in welcher Verfassung wir uns befinden: Ob wir voller Schmerz oder voller Freude sind. Wir lieben das, was wir sind.

In Eigenliebe leben heißt sich vollkommen bedingungslos zu akzeptieren mit all seinen Facetten und Eigenarten. Natürlich bedeutet das nicht, dass sich selbst liebende Menschen frei von „Fehlern“ sind. Es kommt jedoch darauf an die Liebe trotzdem zu fühlen, sich in Liebe zu vergeben und sich in Liebe zu hüllen, egal welchen Weg wir gerade gehen. Wir dürfen „Fehler“ machen, wir dürfen Umwege laufen, wir dürfen Irrwege gehen, wir dürfen einfach Erfahrungen sammeln und JA: Wir dürfen uns auf all diesen Wegen in Liebe begleiten.

Ich bin mir selbst ein liebender guter Freund! Ich bin mir selbst Vater, ich bin mir selbst Mutter. Ich bin fürsorglich, achtsam und liebevoll mit mir selbst.

Ich fülle mich selbst mit Liebe auf. Immer und jederzeit. Diese Liebe ist mein Samen für die Liebe zu meinen Nächsten.

 

Nächstenliebe ohne Selbstliebe ist wie ein Baum ohne Wurzeln.

 

Versuche ich Liebe zu schenken, ohne innere Liebe zu empfinden, so schöpfe ich aus leeren Quellen. Ich gebe aus einem See ohne Wasser zu trinken. Das hilft weder mir, noch dem Durstenden.

Der Wunsch zu lieben ist da und verliert sich nicht selten in einer emotionalen Erschöpfung. Gedanken wie „Immer helfe ich nur Anderen, wer hilft denn einmal mir!“ oder „Ich schaff das einfach nicht mehr, ich bin mit meinen Kräften am Ende.“ sind keine Seltenheit. Ein ausgebrannter Mensch mit angeblich zu starkem Helfersyndrom, einem bevorstehenden BurnOut oder einer aufkeimenden Melancholie versteht die Welt nicht mehr und verliert sich selbst auf der Suche nach einem gesunden Maß an Liebe.

Bauen wir das Fundament unserer Seele mit einer Achtung gegenüber uns selbst, mit Selbstvertrauen und Selbstliebe, so wird der eigene Selbstwert steigen. Das ist die Basis unseres, meines Selbstwertgefühls. In Liebe zu mir selbst erkenne ich meine Stärken und meine Schwächen, weiß ich um meine Grenzen.

Ich bin die wichtigste Person in meinem Leben und wenn es mir gut geht, so habe ich genug Kraft und Liebe für meine Nächsten.

 

Liebe innerhalb einer Partnerschaft

Träumst du noch immer von dem Prinzen auf dem weißen Pferd? Von einer Liebe wie ein ewiges Tanzen durch kunterbunte Seifenblasen? Hast du die Szenen im Kopf wo sich liebende Paare lachend einen Abhang hinunter kullern lassen, sich gegenseitig die Erdbeeren in den Mund stecken oder des Mitternachts auf einer vom Mond erhellten Brücke einen Walzer tanzen?

märchenliebe

So ungefähr ist das doch mit der Liebe zu einem Partner oder nicht? So zeigen es uns doch die Spielfilme und Liebesromane.

Die Liebe, welche uns über mediale Kanäle oftmals vermittelt wird, ist nur ein schillernd bunter Schein aus Lug und Trug.

Die Liebe zu einem Partner ist mehr, viel mehr und sie ist viel erfüllender als die Sucht nach ewig flatternden Schmetterlingen im Bauch.

Ja! Am Anfang, wenn die Liebe nur eine Ahnung ist, wenn das Blut vor Aufregung kribbelt und die Verliebtheit in jede deiner Poren dringt, da ist es so! Da kribbelt es im Magen, als würden ganzen Armeen von Ameisen hindurch wandern. Da ist die Welt plötzlich wie in ein buntes Farbenmehr getaucht. Der Regen ein Fest, die Kälte ein Witz, die Sonne im Herzen strahlt stärker als jene im Universum und dein Herz, es hüpft und lacht vor Freude.

Mit ein klein wenig Glück wird aus diesem zauberhaften Chaos der Verliebtheit eine Liebe für eine sehr lange Zeit, mitunter für ein ganzes Leben. Diese Liebe hat nicht alles vergessen aus der Zeit, als sie noch eine kleine zarte Verliebtheit war. Ein ganz bestimmtes Lächeln Deines Partners lässt die Schmetterlinge für einen Augenblick wieder tanzen. Der Song der gerade im Radio läuft und an damals erinnert, als der erste Kuss noch unbeholfen die Lippen des Anderen traf, verwandelt einen tristen Regentag für einen Moment in goldenes Sonnenlicht. Diese Momente sind winzige kleine Juwelen in der riesigen Schatztruhe der Liebe, aber sie sind nicht deren wertvollster Inhalt.

In der wahren, achtsamen Liebe zwischen zwei Menschen sind beide immer vollkommen und absolut gleichgestellt. Es gibt keine Unterschiede. Jeder darf sein wie er ist und jeder lässt den Anderen in bedingungslosem Vertrauen unverändert in seinem ureigenes Wesen.

Worte müssen nicht wie Bäche glitzernd im Sonnenlicht durch den Alltag fließen, es sind vielmehr die stillen, leisen Blicke des Verstehens jenseits der gesprochenen Sprache. Der zärtliche Kuss zur Begrüßung, das liebevolle Umarmen während die Hände noch ellenbogentief im Abwaschbecken stecken oder die fürsorgliche Frage: „Wie war dein Tag?“ am Abend.

Liebe ist Respekt. Respekt in der Art wie wir unsere Worte füreinander wählen. Respekt wie wir unsere Worte über unseren Partner in Gegenwart Dritter wählen. Respekt im gegenseitigen Umgang: Ob wir die Wünsche des Anderen wahrnehmen und erkennen können, ob wir den Anderen ausreden lassen oder auch der Respekt gegenüber seinen Handlungen, die wir nicht immer verstehen müssen.

Liebe ist Ehrlichkeit. Einander auch nach Jahren noch in die Augen blicken können ohne das schlechte Gewissen einer Lüge im Nacken. Das Wissen, dass was auch immer gesagt wird auf ein weiches Bett gegenseitigen Vertrauens fällt.

Liebe ist Reden, den Partner am eigenen Leben teilhaben lassen. Gefühle, egal ob positiv oder negativ, nicht in den Tiefen des eigenen Geistes zu verdrängen, sondern sich zu offenbaren. Keine Angst vor falschen Worten zu haben.

Liebe ist Zuhören. Die Liebe ist kein Monolog, sie bedeutet Verständigung, ein sich Mitteilen und auch ein Zuhören. Ein offenes Ohr zu haben, wahrhaftig anwesend zu sein, wenn Worte an unsere Ohren drängen und sie nicht einfach nur zu registrieren wie das lästige Summen einer Mücke im Schlaf.

Liebe ist ein „Machen lassen“. Jeder Mensch hat Träume und Wünsche. Lasse deinem Partner seine Träume und Wünsche. Du musst sie nicht teilen, aber du solltest sie unterstützen. Steht euch nicht in euren Träumen im Weg. Achte die Bedürfnisse deines Partners als wären es deine eigenen.

Händchen halten Liebe ist Zärtlichkeit. Das Tragen ihrer Einkaufstaschen, das Reichen des Taschentuches, wenn der Film sie zu Tränen rührt. Die Zärtlichkeit der Hände, welche sich beim spazieren gehen finden und einander halten. Der leise Kuss auf die Stirn, das zarte Streicheln der Wange. Seid zärtlich miteinander in Euren Gesten und Worten.

Liebe ist Sicherheit. Dieses tiefe wohlig warme Gefühl, wenn sich die Tür zum Zuhause öffnet. Sich in den Armen des Anderen fallen zu lassen, den Kopf an die Schulter zu legen und zu spüren wie alles gut ist. Der beruhigende Atem in der Nacht, der dir sagt „Ich bin hier, bei dir. An deiner Seite schlafend, mit dir am Morgen erwachend.“

Am Morgen, wenn die Augen noch halb geschlossen sind spüren wir den Partner an unserer Seite und fühlen eine tiefe innere Zufriedenheit. Wir atmen die Wärme der Gegenwart und hüllen uns in den Mantel der Geborgenheit.

Wir starten mit der Wärme und der Energie zweier Herzen in den Tag. Tage der Liebe und der gegenseitigen Fürsorge.

Seien wir achtsam mit dieser Liebe, sie ist ein unbezahlbares Geschenk.

 

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4 Responses

  1. Pete J. Probe

    „Menschen, die nie gelernt haben sich selbst als so wertvoll anzusehen, dass sie sich selbst von ganzem Herzen uneingeschränkt lieben können sehen dieses Leuchten, diese Power und Energie, aber es dringt selten in ihre Herzen vor und so geschieht es leider, dass diese Liebe mit Egoismus verwechselt wird.“, dieser Auszug ist für mich sehr schwer zu verstehen.
    `Eigenliebe´ finde ich besser als `Selbstliebe´, weil die Selbstliebe eine `Eigenart´ sein muss anstatt einer `Selbstdarstellung´…?.. nur`ne Frage der Begriffe..?..
    OK, dieser Satz ist auch nur sehr schwer zu verstehen…
    Werd später weiterlesen und bin gespannt auf das Ganze deines Artikels und was die anderen Leser/innen dazu sagen.
    Viele liebe Grüße
    PJP

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    • Alexa Szeli

      Menschen die voller Liebe handeln, handeln voller Kraft, Energie, Lebensfreude. Sie strahlen es mit einer starken Intensität nach außen aus. Jemand der sich selbst nicht in diesem Maße lieben gelernt hat, weiß nicht, dass es aus dieser Person selbst heraus geschieht und auch nicht das es aus Liebe geschieht. Für ihn ist es ein unerklärliches Leuchten, dass aufgrund seiner Ausstrahlung mit Egoismus verwechselt werden kann – insofern auch mit Selbstdarstellung ja!

      Eigenliebe geht natürlich auch … mir gefällt nur der Gedanke mein Selbst zu lieben mehr als mein Eigen“art“ zu lieben.

      Lieben Gruß zurück :-)

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  2. Pete J. Probe

    So hab ich`s verstanden. Vielen Dank!
    Schon interessant, wie man mit Begriffen so umgeht. Lieben des `Selbsts´oder des `Eignen(en)´, vom Gefühl her stimme immer noch für Eigen, weil Eigenliebe `selbstloser´ rüberkommt…. dieses Begriffsspiel kann man wohl ewig weiterspielen. Bringt nichts ein, also lassen wir das!
    Will lieber deinen Artikel weiterlesen.
    Herzl.
    PJP

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