• Steuere deine Gedanken

Steuere deine Gedanken – Du bist der Kapitän

„Wenn das doch alles nur so einfach wäre.“

„Es wird einfach nicht besser.“

„Ich verstehe es, aber ich kann es nicht umsetzen.“

„Solange ich mich damit beschäftige ist alles gut, aber nach ein bis zwei Tagen verfalle ich wieder in den alten Trott.“

Viele Menschen möchten ihr Leben ändern, aber sie haben das Gefühl nicht voran zu kommen. Wir fallen schnell in alte Muster zurück. Wir beginnen wieder zu grübeln und machen uns zu viele Sorgen. Ewig dreht sich das Hamsterrad.

 

Darf ich dich mal etwas fragen?

Stell dir einmal vor, du besuchst den Kurs „Spanisch – 7 Tage Intensivkurs“. Sicher hast du einiges gelernt, was du in deinem nächsten Urlaub anwenden kannst. Was aber geschieht, wenn du nach deinem Urlaub kein einziges Wort spanisch mehr sprichst? Richtig, du wirst fast alles vergessen.

Du besuchst ein Fitnesscenter, weil du mehr Struktur in deinen Körper bringen möchtest. Genügt es dort kurz vorbei zu schauen um ein Leben lang einen wohldefinierten Körper zu haben. Einmal hin und Bauch, Beine und Po bleiben für immer straff? Das wäre absurd, nicht wahr?

Wir müssen regelmäßig lernen und trainieren, wenn wir langfristig profitieren möchten.

 

Trainiere deine Achtsamkeit und lerne sie zu nutzen

Die Erfahrung, dass alles nicht so einfach umzusetzen ist, ist ein typisches Verhaltensschema unseres Gehirns. Wir haben verschiedene Neuronen-Muster im Laufe unseres Lebens in unserem Gehirn aufgebaut. (mehr dazu: hier)

Dieses Muster ist dein Hamsterrad, aber du möchtest da raus. Du möchtest dich nicht immer weiter im Kreis drehen, sondern vorankommen ohne immer wieder am Ausgangspunkt anzukommen. Es gibt nur einen einzigen Weg: Du musst dieses Gedanken-Muster durchbrechen und zwar regelmäßig. Unterbrichst du dein Gehirn immer wieder bewusst, wird dein Geist lernen neue positive Verknüpfungen zu erstellen. Es ist wie beim Sport. Die Muskeln wachsen nur, wenn wir zwischendurch pausieren.

Lassen wir auf unser Lebensschiff nicht immer nur auf einem kleinen Binnensee herum schippern. Setzen wir die Segel und fahren wir hinaus auf die offenen riesigen Weltmeere.

Wir löschen alte Programmierungen, die wir aus Erfahrungen und durch Be- und Verurteilungen anderer Menschen gesammelt haben und ersetzen sie durch eine neues Programm.

Du kannst viele Bücher lesen oder Kurse zum Thema Achtsamkeit nutzen.  Jedes Buch, jeder Kurs wird dir einen Aha-Effekt bescheren. Es wird sich aber nichts grundlegendes ändern, wenn du die Achtsamkeit nicht jeden einzelnen Tag bewusst anwendest.

 

Komm, wir unternehmen eine kleine Reise

Es ist ein sonniger Morgen. Wir machen eine kleine Tour mit dem Rad und lassen die Stadt hinter uns. Der Verkehr auf der Landstrasse stresst uns. Ständig rasen Autos an uns vorbei . Unsere innere Anspannung wächst von Kilometer zu Kilometer. Ich drehe mich zu dir um und gebe dir zu verstehen, dass wir ein Stückchen weiter vorne in den kleinen Weg abbiegen, der zu einem Wäldchen führt.

Der Boden unter unseren Füßen ist nun holpriger. Steine liegen auf dem Weg. Ab und zu ist der Sand so weich, dass wir aufpassen müssen, dass unsere Räder nicht wegrutschen. Zu allem Überfluss geht es jetzt noch ein Stückchen bergan.

Ich halte an. Etwas ungehalten und außer Atem kommst du neben mir zum Stehen.

 

Spüre was du gerade machst

Achtest du auf den Boden unter deinen Füßen? Denkst du vielleicht, dass es eine blöde Idee war diesen Waldweg hinauf zu fahren? Möchtest du nächstes Mal doch lieber wieder mit dem Auto fahren?

Wo befinden sich deine Hände? Hältst du dich krampfhaft an deinem Lenkrad fest oder hast du das Fahrrad bereits an das kleine Bäumchen am Seitenrad gestellt? Wie fühlt sich dein Puls an, rast er? Was spürst du in deinen Waden, einen ziehenden Schmerz? Oder stehst du einfach nur verärgert da und ringst nach Luft?

Spüre ganz genau in dich hinein. Einfach nur spüren! Nicht bewerten, nicht darüber nachdenken. Nur fühlen, was jetzt gerade ist.

Strömt Wind durch dein Haar? Fühlt sich dein Kopf ein wenig heiß an? Bist du müde? Spürst du das Lenkrad in deiner Hand oder das Licht der Sonne in deinen Augen?

Achte ganz genau auf alle Details.

Wie fühlt sich das alles für dich an?

Tauchen Gedanken auf wie: „Dieser Sattel macht mich fertig, ich sollte mir dringend einen weicheren kaufen!“ oder „Hätte ich doch bloß das E-Bike gekauft!“ so beschäftige dich nicht mit ihnen. Jage sie aus deinem Kopf und kehre zum Spüren zurück. Konzentriere dich auf den Wind in deinen Haaren, den Boden unter deinen Füßen und die Sonne auf deinem Kopf.

Intensiviere dieses Spüren, versuche all deine Sinne auf den Augenblick zu lenken, um wirklich alles intensiv wahrzunehmen.

Achtung: Nicht bewerten, nur spüren!

 

Beginne dich zu öffnen

So langsam hast du dich ein wenig von dem Anstieg erholt. Du kannst nun deine Augen für die Welt um dich herum öffnen. Falls du es noch nicht getan hast, stelle jetzt dein Rad ab. Lege dich für einen Moment mit dem Rücken in das Gras am Wegesrand. Schaue in den Himmel und betrachte die Wolken. Sind sie heute aus Zuckerwatte oder hängen sie vereinzelt wie kleine zarte Schäfchen am Himmel. Ist das Blau des Himmels heute zart und leicht oder strahlend und kräftig?

Drehe deinen Kopf zur Seite und betrachte die Grashalme in deiner Nähe. Schau, wie sie sich ganz sanft im Winde wiegen. Ein kleiner Käfer klettert zur Spitze des Grashalmes empor. Nimm dieses intensive Grün wahr. Sieh dir die Strukturen des Halmes an. Berühre den Halm leicht mit deinen Fingerspitzen.

HerbstzeitloseUnd hast du gesehen, da vorne, die zarten lila Blüten einer Herbstzeitlosen. Betrachte die sechs blass violetten Blütenblätter. Die Herbstzeitlose ist wunderschön, aber auch tückisch. Immer mal wieder wird diese giftige Pflanze mit dem aromatischen Bärlauch verwechselt.

Steh auf und schau dich weiter um. Wo bist du gerade? Achte auf die Landschaft, betrachte die Bäume gleich da vorne am Rand des Waldes. Schau ganz weit hinten sind die Dächer von ein paar winzig ausschauenden Häusern erkennbar.

 

Nimm wahr!

Was für ein Gefühl hast du jetzt in dir? Denkst du noch immer daran, dass das ja alles viel zu anstrengend ist und es besser gewesen wäre mit dem Auto zu fahren?

Du hast deinen Ärger vergessen, nicht wahr?

Stopp jetzt tust du es erneut, weil ich deine Aufmerksamkeit wieder auf den Ärger gelenkt habe. Doch gerade eben war er weg, nicht wahr?

Das ist ACHTSAMKEIT! Genau das ist wahre und wirklich gelebte Achtsamkeit. Sie bewirkt Wunder, denn sie besitzt die Kraft deinen Ärger zu vertreiben.

 

Lebe diese Achtsamkeit

In unserem alltäglichen Leben läuft unsere Gedankenmaschinerie meist auf volle Kraft voraus. Wir denken nicht vom Punkt A zum Punkt B. Unsere Gedanken poltern wild durcheinander, weil wir uns sorgen, an bevorstehenden Aufgaben denken und stets und ständig Probleme wälzen.

„War das heute wieder anstrengend im Büro. Ich bräuchte dringend Urlaub.“

„Habe ich eigentlich schon alles für das Wochenende eingekauft?“

„Ob das Kind heute seinen Mathetest gut gemeistert hat?“ 

Die Gedanken rattern unaufhörlich. Wir sind nie wirklich da wo wir uns befinden, weil unsere Gedanken ständig in der Vergangenheit oder der Zukunft sind. Nicht wahr?

 

Wir leben, im HIER und JETZT

Lenke deinen Verstand immer wieder auf den Augenblick, so wie bei unserer Pause mit dem Rad. Befreie dich aus der Maschinerie deiner Gedanken, die dir deine Gegenwart stehlen und dich zeitversetzt leben lassen.

Nimm deine Augenblicke achtsam wahr. So oft du nur kannst. Ermahne dich immer wieder selbst, wenn du dich in alten Denkweisen verlierst. Kehre so oft wie möglich in deine Gegenwart zurück.

In dem Moment, wo es dir gelingt deine Achtsamkeit voll und ganz auf den Augenblick zu lenken, lebst du wahrhaftig. Du bist frei von den Urteilen, welche nur aus der Kraft deiner Gedanken entstehen und durch sie genährt werden. Denke daran, von einem Urteil zu einem Vorurteil ist es oft nur ein winziger Schritt.

Das ist am Anfang wirklich eine schwere Aufgabe. Die Gedanken drängen sich immer wieder nach vorne, wie die Groupies bei einem Popkonzert.

 

Nutze folgende Schritte

  1. Erkenne, dass die Groupies, die Gedanken sich gerade wieder nach vorne drängeln.
  2. Sei dir darüber im Klaren, dass es nur Gedanken sind.
  3. Beachte diese Gedanken nicht weiter, beschäftige dich nicht mit ihnen.
  4. Achte auf das, was du gerade spürst und tust.

Nutze diese Regeln jeden Tag. Nur durch ein konsequentes Anwenden werden sich die alten Muster in deinem Kopf lösen.

Sei geduldig. Du lernst keine Sprache in ein paar Tagen, wenn du nicht gerade ein Genie bist. Wendest du die Sprache nie an, so wirst du sie vergessen. Vertraue deinem Lernprozess. Mit der Zeit wird es immer leichter. Das neue Verhalten wird sich wie selbstverständlich in deinem gelebten Alltag integrieren.

Übe regelmäßig, um mehr Kontrolle über deine Gedanken und Gefühlen zu erhalten. Dein Hamsterrad aus alten Gedankenmustern löst sich nur durch Routine auf. Spüre deine Gegenwart, um deinen Geist zu beruhigen und gelassener zu werden. Erkenne, dass ein unkontrollierter Geist sich häufig mit Problemen und Angelegenheiten der Vergangenheit und Zukunft beschäftigt.

Yggdrasil der Weltenbaum

Gelingt es dir, in Achtsamkeit zu leben statt zu grübeln, dann wirst du in deiner eigenen Entwicklung weit voran schreiten. Viele Dinge fallen dir plötzlich auf, die du vorher übersehen hast. Die Last des Alltags wird leichter. Du bist offen für die Wunder der Welt. 

Denk daran: Du bist der Kapitän! 

4 Comments

  1. Anonymous 6. September 2018 um 6:19 am Uhr - Antworten

    Das ist ein wirklich schöner Zugang zu diesem Thema. Oft fehlt es einfach nur an der Konsequenz, es ist so wie die Vorbereitung auf die bevorstehenden Prüfungen. Der Kopf weiß dass nur mehr wenig Zeit bleibt, aber alles wehrt sich und man hat hundert andere Ideen was wichtig wäre.
    Alles Liebe Eva

    • Alexa Szeli 6. September 2018 um 2:56 pm Uhr - Antworten

      Liebe Eva, oh ja Du hast so recht. Wie wichtig es plötzlich wird die Bücher alphabetisch zu ordnen oder den Kleiderschrank aus und wieder einzuräumen. Es ist dann plötzlich sooooo viel zu tun.
      Zwinkernde Grüße, Alexa

  2. Pete J. Probe 9. Oktober 2015 um 1:44 pm Uhr - Antworten

    Hi Alexa,
    genau das habe ich am Di. Abend einem sehr engen Freund zu erklären versucht, und er hat es verstanden. Als ich dann noch auf die sog. Synchronizitäten zu sprechen kam, dauerte unser Treffen bis kurz vor Mitternacht! Ich finde auch den Satz von Paul Watzlawick ganz passend:
    `Wer einsieht, dass er seine Wirklichkeit selbst konstruiert, der ist wirklich frei. Er weiß, dass er seine Wirklichkeit jederzeit ändern kann´.
    Dein Artikel zeigt, wie man da hinkommt!!
    Vielen Dank und lieben Gruß und vor allem mal wieder Sonne.. :-)
    PJP

    • Alexa Szeli 10. Oktober 2015 um 8:07 am Uhr - Antworten

      Da gebe ich dem Paul Watzlawik recht. Lieben Dank für Deine Rückmeldung.

      Herzlichst, Alexa

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