• Nicht weggeschaut: Metamorphose der Reinkarnation

Mal kurz nicht weggeschaut: „Die Metamorphose der Reinkarnation“

Ich habe nicht weggeschaut, sondern meine Wut in Worte verwandelt. Folgende Kurzgeschichte entstand Im Rahmen eines Literaturwettbewerbes im Spätsommer 2002. Sie erreichte den zweiten Platz.

– Vorsicht – schwere Kost

Die Metamorphose der Reinkarnation

„Es waren die zugenähten Lippen, die Anlass gaben, den Schmerz Euch ins Gesicht zu lachen.“

Der Hass formt einen Kokon aus dem Sabber des mit dem Schwanz fletschenden Dämons, welches klebrig stinkend aus ihrer Mitte quillt.
Sie streift mit komatösem Blick den letzten Hoffnungsschimmer von der blassen Haut. Das Gewand ist zerfetzt und von schattigen Spuren durchweinter Nächte übersäht. Sie legt es vorsichtig in die Hülle.

Der Stachel der Scham durchbohrt ihr Herz. Eine süßliche Brühe umspült ihre Zunge und lässt sie erbrechen. Mühsam klettert sie zum Rand ihrer Mördergrube, den Kokon zum Wurf bereit. Ihr blutverschmierter Mund verzieht sich zu einem diabolischen Grinsen. Sie sieht ihre Illusionen hinabrasen, vorbei an der sich immer wieder empor kämpfenden und doch durch stetes Fallen halb verwesten Hoffnung. Beim Aufklatschen im Matsch der ausgekotzten Kindheit durchdringt ein klagendes Echo das letzte Mal die Katakomben, ehe sich das Leichentuch seufzend über die Gruft nieder senkt.

Sie breitet ihre Arme aus und lässt sich fallen bis die nackten Füße den kalten Stoff berühren.

Ihre Willenskraft spannt es zum Trampolin und lässt sie höher und höher fliegen. Alles Schwere fällt von ihr ab und verliert sich im Nirgendwo. Fast schon berührt die Fingerspitze die Feuerleiter ihres letzten Wunsches. Ein letzter Sprung. Die erste Sprosse fest umklammert schwebt sie hinab.

Körperlos durchdringt sie das Tuch und lässt sich von der Dunkelheit umarmen. Sie kann es fühlen, fast schmecken. Es ist überall. Sie ertastet ihr Selbst, sammelt es ein und verstaut es in einem Netz aus Tränen.

Das Ich über die Schulter geworfen erklimmt sie Stufe für Stufe. Das Leichentuch klammert sich – auf Rettung hoffend – an ihren Leib. Es zerfällt in der Schönheit der neuen Dimension zu tanzenden Schmetterlingen.

Der Hämorrhoidenschlund des Vergangenen ist endgültig unter ihren Füßen verblaßt.

 

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