Unter dem dunklen Himmel des Wonnemondes sammelt Großmutter Mond ihre Kraft. Mutter Erde ist im Mai längst erwacht. Auf den Wiesen, an Wegesrändern und in den jungen Zweigen duftet es nach frischem Grün. Die Frühlingskräuter bündeln ihre Kraft. Die Luft riecht nach Regen, Holz und dem ersten warmen Staub auf den Wegen. In dieser Nacht wandert der Neumond durch den Stier und webt seine Magie in dein Zuhause.
Sonne und Mond stehen dicht beieinander. Merkur wandelt bei ihnen. Er spinnt Worte, Zeichen und Namen in diese Mondnacht. Uranus rührt an der gewohnten Ordnung und fegt mit frischem Wind durch dein Hexenheim. Jetzt machst du endlich das, was schon längst auf dich wartet. Es ist an der Zeit, all das umzusetzen, was du dir schon lange vorgenommen hast.
Mars und Chiron stehen im vierten Haus, im Raum deiner Herkunft. Dort ruht das Erbe deiner Linie. Dort liegen die frühen Erfahrungen, die sich in deinem Körper abgelegt haben, die Geschichten deiner Familie und all die Spuren, die du als Kind aufgenommen hast. Mars im Widder rüttelt an diesen Wurzeln. Er fordert deinen eigenen Willen heraus und ruft dich dorthin zurück, wo du dich zum ersten Mal klein gemacht hast, um dazuzugehören. Chiron berührt dabei die Wunde, die genau an dieser Stelle sitzt, an der du gelernt hast, deine Kraft zu dämpfen, damit andere sich besser fühlen.
Wenn diese beiden Kräfte gemeinsam wirken, spürst du ein deutliches Ziehen aus der Tiefe. Du merkst, dass du dein geerbtes Feld nicht einfach so weiterführen willst. Du beginnst, es zu ordnen. Deine Magie zeigt sich dann auch in der Art, wie du über deine Herkunft sprichst, wie du deinen Platz in der Familie einnimmst und wie du deine Ahninnen anrufst. Dieser Neumond lädt dich ein, dein Erbe bewusst in die Hand zu nehmen. Du schaust neu auf dein Erbe. Du entscheidest, welche Spuren du weiterführst und welche in deiner Linie enden. So entsteht in dir nach und nach ein Zuhause, das wirklich zu dir passt.

NEUMOND in STIER
SONNE in STIER
16. Mai 2026
22:01:00 MEZ / Berlin

Die Magie dieses Neumondes
Der Neumond liegt verborgen im Stier. Seine Kraft zieht nach unten, in den Boden und in den Körper. Sie wirkt ruhig, beständig und schwer, manchmal auch ein wenig zäh. In so einer Zeit reagiert alles stärker, was du langsam, bewusst und mit den Händen tust. Jede wiederkehrende Geste an deinem Tisch, an deinem Herd oder an deiner Schwelle nimmt diese Kraft auf.
Großmutter Mond wirkt nun in dem Bereich deines Lebens, in dem du deinen Alltag lebst. Also dort, wo du kochst, aufräumst, arbeitest, schreibst, putzt, pflegst und immer wieder an dieselben Plätze zurückkehrst, baut sich ihre Energie auf. In alledem steckt eine stille Form von Magie. Sie entsteht, weil du wiederkommst und dieselben Handgriffe immer wieder ausführst.
Eine Hexe kennt diese Art von Magie, die leise beginnt und mit den Jahren immer mehr an Tiefe gewinnt. Sie merkt, wie sich ein Platz verändert, an dem sie regelmäßig Kräuter schneidet, Gläser füllt oder Rezepte aufschreibt. Sie spürt, dass sich eine Schwelle anders anfühlt, wenn sie sie immer wieder fegt, Schutzsalz streut und einen Segen spricht. Ihr Ritualbuch wird mit den Jahren schwerer und dichter, gefüllt von all den Zeichen, Symbolen, Ritualen und Schwüren, die sie darin über die Jahre sammelt.
Merkur begleitet Großmutter Mond im Stier. Er webt die Worte in deine Arbeit. Vielleicht spürst du jetzt stärker den Wunsch, aufzuschreiben, was du tust, und zu benennen, wofür du etwas tust. Du hältst fest, welches Kraut du im Wonnemond gesammelt hast, wann du dein Schutzsalz angesetzt hast und welchen Spruch du an deiner Tür sprichst. So wird deine Hausmagie zu einem Handwerk, das du ernst nimmst.
Uranus bewegt sich ebenfalls durch dieses Feld und rührt an dem, was sich eingeschliffen hat. Du räumst vielleicht einen Platz frei und machst daraus deine Wirkstätte. Du richtest dir ein kleines Brett oder Regal nur für dein Hexenwerk ein. Du nimmst alte Rituale noch einmal in die Hand und formst sie so, dass sie zu deinem Leben heute passen.
So beginnt diese neue Mondphase. In dieser Zeit fließen die Stierkraft, dein Alltag und das Wirken von Merkur und Uranus ineinander. Du arbeitest mit dem, was du wirklich in der Hand hältst. Du nimmst deine alltäglichen Handgriffe ernst. Du richtest den Platz, an dem du wirkst, so ein, dass du dort gern bist. Auf diese Weise verankert sich die Hausmagie im Holz deines Tisches, im Glas im Regal und in der Schwelle vor deiner Tür.

Öffne deine Hexenwerkstatt
Richte dir einen festen Platz für dein Hexenwerk ein. Wähle einen Raum, in dem du dich gern aufhältst und regelmäßig wirkst. Wichtig ist, dass du immer wieder zu genau dieser Stelle zurückkehrst.
Lege ein Tuch aus und bereite diesen Platz für den Wonnemond vor. Du stellst ein Glas hin, in dem später Kräuter liegen. Du legst den Mörser dazu, der das Salz aufnimmt. Ein roter Faden kommt dazu und dein Grimoire, das den ersten Eintrag zu dieser Mondzeit erhält.
Nimm jedes Stück bewusst in die Hand. Spüle ein Glas aus, wische eine Schale ab und lege deine Werkzeuge so hin, dass du sie gern benutzt. Diese achtsame Ordnung wirkt wie ein stiller Zauber. Sie sammelt deine Kraft an dem Platz, an dem du arbeitest.
Schreibe den Beginn des Wonnemondes in dein Ritualbuch. Notiere den Neumond im Stier, den 16. Mai und die Pflanzen, die du sammeln willst. Gib dieser Mondzeit eine klare Aufgabe. Vielleicht schützt du in diesen Wochen dein Haus. Oder du legst dir einen kleinen Kräutervorrat an. Vielleicht ist es an der Zeit, deine Schwelle zu stärken. Schreibe es ebenfalls auf. All dies wird zum ersten Pfahl im Boden.

Sammle Kräuter
Geh hinaus. Es sollte sonnig sein und der Tau nicht mehr auf den Pflanzen liegen, aber die Mittagsglut sollte auch noch nicht erreicht sein. Nimm ein Tuch, ein kleines Messer oder eine Schere mit. Wähle eine Pflanze, die du ganz sicher erkennst. Im Mai kannst du beispielsweise Brennnessel, Gundermann, Spitzwegerich, Löwenzahn, Gänseblümchen, junge Birkenblätter und Fichtenspitzen sammeln. In manchen Gegenden öffnet auch der Weißdorn bereits seine Blüten, und gegen Ende des Wonnemondes kommt der Holunder hinzu.
Schneide eine kleine Menge und sprich deinen Dank. Die Brennnessel stärkt Schutz und Grenze. Gundermann gehört zur Hausmagie und zur Schwelle. Spitzwegerich begleitet Wege und Standfestigkeit. Löwenzahn bringt Fülle in deine Arbeit, und Gänseblümchen legt einen hellen Segen auf kleine Zauber. So füllt sich dein Tuch mit Pflanzen, die wirklich in diese Zeit gehören.
Zu Hause breitest du die Kräuter auf einem Tuch aus. Du entfernst Erde, kleine Halme und welke Stellen und lässt die Pflanzen zur Ruhe kommen. Der Duft steigt in den Raum, und jede Pflanze beginnt ihren Weg von draußen in deine Werkstatt. Sie sind allesamt eine Gabe von Mutter Erde und finden später ihren Platz im Glas.

Trockne die Kräuter
Breite die Kräuter an einem luftigen Platz aus. Wende sie in den kommenden Tagen immer wieder einmal, bis die Blätter trocken rascheln. Während sie ihre Feuchtigkeit verlieren, wird ihr Duft dichter. Die Pflanze zieht sich zusammen und bewahrt ihre Kraft für spätere Zauber.
Fülle die getrockneten Kräuter in saubere, dunkle Gläser. Schreibe den Namen der Pflanze auf das Glas und füge den Tag des Sammelns hinzu. Notiere danach ihre Aufgabe, wenn du magst. Die Brennnessel für Schutz. Der Gundermann gehört zu Haus und Schwelle. Die Birke stärkt die Reinigung. Die Fichtenspitze bringt Waldkraft in Rauch und Räucherwerk.
So wächst dein Vorrat. Er entsteht aus dem, was du gesammelt, berührt und mit Sorgfalt aufbewahrt hast.

Mörsere ein Schutzsalz
Stelle den Mörser auf den Tisch und gib grobes Salz hinein. Füge getrocknete Brennnessel, Gundermann, Birkenblatt oder Fichtenspitze hinzu. Wenn du Weißdornblüten gesammelt und getrocknet hast, gib ein paar Blüten in die Mischung.
Führe den Stößel langsam durch das Salz und die Kräuter. Der Klang des Mörsers erfüllt den Raum. Mit jeder Bewegung nährst du deine Absicht tiefer hinein. Sprich dabei Worte wie diese:
Dieses Salz hütet mein Haus.
Dieses Salz stärkt meine Schwelle.
Dieses Salz bewahrt den Frieden an diesem Ort.
Fülle das Salz in ein Glas und verschließe es. Stelle es an einen dunklen, trockenen Platz. Dort ruht der Zauber weiter, bis du ihn brauchst.

Schütz deine Schwelle
Geh zur Tür und feg die Schwelle sorgsam. Nutze gerne deinen Hexenbesen dafür. Die Schwelle ist ein alter Ort der Magie. Sie trennt draußen und drinnen, Fremdes und Eigenes.
Nimm etwas Schutzsalz oder bereite eine kleine Schale mit Salzwasser vor. Tauche den Finger hinein und zeichne ein Zeichen an den Türrahmen. Du kannst die Rune Algiz wählen. Oder zeichne ein Pentagramm. Vielleicht wählst du ein ganz eigenes Schutzzeichen und formst es zu einer Sigille. Mars stärkt diese Handlung. Chiron webt Ruhe in die Stellen des Hauses, die Heilung benötigen.
Sprich danach:
Diese Schwelle ist gehütet.
Dieses Haus sammelt Kraft.
Alles Gute findet hier seinen Platz.
Lass das Zeichen trocknen. Schließe die Tür und bleib still stehen. Achte darauf, wie sich dein Zuhause nach dem Schutzzeichen anfühlt.

Binde einen roten Faden
Schneide ein Stück roten Faden ab und lege ihn neben dein Schutzsalz. Knote drei, fünf oder neun Knoten hinein. Jeder Knoten erhält eine Aufgabe. Der erste Knoten schützt die Schwelle, der zweite stärkt deinen Wohnraum und der dritte hütet den Frieden in deinem Zuhause.
Führe den Faden durch etwas Rauch oder lege ihn für eine Weile neben das Glas mit Schutzsalz. Danach bekommt er seinen Platz nahe der Tür. Befestige ihn am Rahmen, lege ihn in eine Schale oder auf deinen Altar. Der rote Faden nimmt die Kraft von Mars auf und verbindet sie mit der ruhigen Beständigkeit des Stiers. Aus der einfachen Schnur wird ein Schutzband für dein Zuhause.

Runenbotschaft zum Neumond
Othala führt die Kraft von Mars und Chiron ins vierte Haus. Diese Rune gehört zum Haus, zu deinem Erbe, der Schwelle und zu allem, was aus deiner Linie in dein Zuhause hineinwirkt. Mit ihr kannst du den Raum segnen, in dem du lebst, und zugleich den Platz stärken, den du heute einnimmst.
Die Rune Fehu passt zum Wonnemond, weil sie eine bewegliche Kraft ist. Sie steht für Besitz, Geld, Ideen, Gedanken und all das, woraus etwas entstehen kann. Ihre Linien streben nach oben, als würde eine Kraft aus der Erde aufsteigen und ihren Weg suchen. Fehu atmet, fließt und bewegt sich. Sie gehört zum Anfang, zum Schöpfungsmoment und zu jener frischen Energie, aus der neue Wege entstehen.
Lege Othala und Fehu neben dein Schutzsalz oder schreibe beide Runen auf ein kleines Papier und lege es unter das Glas. Othala hütet deinen Ort. Fehu bringt die Kraft in Bewegung. Zusammen verbinden sie Hausmagie mit neuer Schöpferkraft, damit aus deinem Wonnemond ein lebendiges Werk entsteht.

Eine Botschaft von Großmutter Mond
Ich bin verborgen am Anfang des Wonnemondes und doch lege ich meine Kraft in deine Hände. Geh langsam, Erdenkind. Sammle die Kräuter mit Achtung. Breite sie aus, lass sie trocknen und gib ihnen einen Platz in deiner Hexenwerkstatt.
Mische Salz und Kraut und sprich deine Worte darüber. Feg deine Schwelle, zeichne dein Zeichen und erinnere dein Zuhause daran, dass deine Kraft hier wohnen darf.
Was du in diesen Tagen mit besonnener Hand vollbringst, wirkt weiter.
Hüte deinen Ort.
Ordne dein Werk.
Schütze, was dir heilig ist.
Der Wonnemond öffnet dir einen Weg. Gehe ihn Schritt für Schritt.




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