Der Biergartenbesuch – Ein Selbst-Erfahrungsbericht

Parkplatz gesucht. Es ist heiss. Es ist voll. Ich bin gestresst, verschwitzt, falsch angezogen, versuche mir nichts anmerken zu lassen. Die quirlige Stimmung schlägt mir entgegen. Ein buntes Gewimmel voller Muster, Gerüche, Geräusche und Farben.  Um zu bestellen müssen wir in der Schlange stehen. Hinter uns drängeln und schubsen die Leute. Ich versuche irgendwie den Durchblick zu bewahren. Wo müssen wir uns eigentlich anstellen? Wo bezahlen? Irgendwo läutet ständig eine Glocke. Das irritiert mich. Die Weidenzweige wehen sanft im Wind, sie glitzern wunderschön in der Sonne.

Der Hautkontakt mit Fremden ekelt mich. „Der Typ scheint es aber nicht böse zu meinen“, versuche ich zu denken und ruhig und freundlich zu bleiben. Er atmet mir in den Nacken. Das ist mir dann entschieden zu viel.  Ich versuche hinter meiner Frau Schutz zu suchen.

Die Gespräche sind laut und die Menschen leicht angetrunken. Das mag ich gar nicht. Mir ist etwas übel vor Hunger und die sommerlichen Temperaturen mischen sich mit Schweiß, Rauch, Knoblauch, Fisch und Alkohol. Ich rieche selbst etwas unangenehm. Das stört mich sehr.

Ich will eigentlich nicht raus nach meinem langen Arbeitstag, doch würde ich es nicht machen, würde es mir auf Dauer auch fehlen. Sozialkontakten in Menschenansammlungen bin ich immer ambivalent gegenüber eingestellt.  Ich weiß, dass ich aber auch nicht immer zu Hause bleiben kann und das es an der Zeit ist mal wieder raus zu gehen.  Meine Frau und mein Sohn wünschen es sich so sehr, also tue ich ihnen den Gefallen. So stehen wir in diesem kleinen schönen Biergarten, der natürlich bei dem schönen Wetter abends voll ist. Diese Idee hatten heute wohl alle in unserer Nachbarschaft.

Die Bestellung

Ich versuche abzuschalten und ein Essen zu wählen. Das ist völlig unmöglich, denn ich erkenne die Speisekarte nicht.

Erst als ich schon so gut wie dran bin, kann ich sie sehen. Ich bin sehr gestresst. Ich weiß, dass ich nicht genug Zeit haben werde sie durchzulesen und ich nicht zwischen den ganzen Nachteilen abwägen kann. Immer wenn andere Leute als meine Frau oder ich das Essen zubereiten, hat das meist einen Haken für mich.  Die Bedienung ist geduldig, entspannt und ziemlich dick. Ich stelle mir vor wie sie aussehen würde, wenn sie dünner wäre. Sie wäre sehr hübsch mit ihrer olivfarbenen Haut und den Sommersprossen. Spätzle könnten gehen! Obwohl – zu viel Weissmehl und davon bekomme ich immer Bauchweh. Sie spielen ein schönes Lied, ich mag das. Ist ein bisschen laut, gefällt mir sehr. Ich beobachte wie die Bedienung sich die Finger ableckt bevor sie mit einer kleinen Kirschtomate meinen Salat garniert und ekel mich sehr.

Meine Frau ist ganz zufrieden, das freut mich. Ich sage nichts wegen dem Ablecken der Finger, ich möchte ihr nicht den Appetit verderben. Später werde ich die Tomate nicht essen.

Die Hollerschorle ist kalt und süss. Lecker. Schmeckt überraschend nach Holunder. Ein Hund läuft herum, wem er wohl gehört? Er sieht alt aus, hechelt und hat kahle Stellen. Er sieht aus als würde man sich nicht gut um ihn kümmern. Ich bin in Gedanken bei dem Tier und schaue ihm hinterher. Zu wem mag er wohl gehören? Er sucht nach Essbarem und läuft durch den Sandkasten. Das gefällt der Mutter nicht, sie klaubt ihr Baby aus dem Sand. Ich finde die Mutter entsetzlich blöd, denn der Hund hat dem Baby nichts getan. Das Baby schaut erschrocken, nicht wegen des Hundes sondern wegen der Mutter. Ich merke wie ich sie verurteile, was ich eigentlich nicht möchte. Mein Sohn reisst mich vehement aus meinen Gedanken. Er will das teuerste Gericht. 14 Euro.  Zu teuer, aber ja klar. Ich habe keine Kraft für eine Diskussion, das wäre mir jetzt zu viel und erlaube ihm alles was er will. Den missbilligenden Blick meiner Frau nehme ich wahr, kann aber nichts dagegen tun. Ich wünsche mir endlich diese Schlange zu verlassen und einen ruhigen Tisch zu finden.

Versuch eines Gespräches

Ich nehme vor lauter Geräuschen und Gerempel alles nur noch verschwommen war. Trotte meiner Frau hinterher. Bin froh, dass sie so ruhig bleibt und zielstrebig einen freien Tisch ansteuert. Einen Platz zu finden und zu wählen hätte mich jetzt gänzlich überfordert.

Igel im BiergartenDa sitze ich nun, mit einer Brezel und Salat, es schmeckt okay. Ich habe Staub im Auge oder eine kleine Fliege. Es schmerzt. Mein Auge schwillt an und brennt.  Mein Sohn ist glücklich. Meine Frau erzählt mir etwas über unser neues Projekt. Ihre Augen sehen toll aus und leuchten in der Sonne. Sie sieht immer wunderschön aus. Es ist zu windig hier, mag ich gar nicht! Der Hund läuft immer noch herum. Ich entdecke einen Igel am Rand in den Büschen. Hoffentlich tut ihm der Hund nichts. Warum läuft der Igel um die Uhrzeit herum? Er ist doch nicht etwa krank? Ob ich nach ihm schauen soll?

Meine Frau bemerkt, dass ich ihr nicht zuhöre und spricht mich an. Ich erschrecke und versuche krampfhaft die Situation zu retten und frage nach den Pfandmarken. „Hast Du sie eingesteckt?“ Ein nicht sehr geschickter Ablenkungsversuch. Natürlich bemerkt sie, dass ich total verpeilt und unaufmerksam bin. Das tut mir leid. Ich sehe eine Frau mit tollen Haaren. sie ist nicht hübsch. Der Haarschnitt auch nicht denke ich, aber beides zusammen irgendwie faszinierend. Es passt so gut zusammen, zu ihrem königsblauen Sommerkleid. Die blasse Haut. Sie sieht so ernst aus, viel zu ernst für ihr junges Alter. Das Kleid hat einen chinesischen Kragen und und wird von einem einzigen Knopf im Nacken zusammengehalten. Bezaubernd. Das muss ich mir merken. Es ist nicht königsblau, es ist mittelblau, mit einem Hauch ins Kalte. Erinnert mich an einen Film. Ich denke nach an welchen, schaue schnell weg. Die Frau hat sicher bemerkt, dass ich sie anstarre. Ich hoffe noch, dass meine Frau es nicht bemerkte. Ich gehe schnell aufs Klo, um zu flüchten, und geniesse einen kurzen Moment Ruhe.

Ein kurzer Moment der Stille

Ich befeuchte meine Stirn mit Wasser und erschrecke vor meinem Spiegelbild, Ich habe Augenringe und sehe erschöpft aus. Mein T-Shirt steht mir nicht. Das rote, brennende Auge komplettiert das Bild. Ich versuche das schlechte Gefühl zu verdrängen, atme tief durch und richte mich wieder auf. Versuche mir einzureden, dass nur ich mich nicht hübsch genug sehe. Anderen fällt das vielleicht gar nicht so auf.

Rückkehr

Ich gehe zurück zu meiner Familie und weiche dabei dem Tisch meiner ehemaligen Kollegen aus. Jetzt bloß kein, für sie, belangloses Geplauder. Ich weiss nicht, ob sie mich erkennen. Kurz denke ich, dass es schade ist, nicht einfach hinzugehen. Wie traurig, Menschen die man einmal jeden Tag gesehen hat, jetzt absichtlich zu ignorieren und für immer zu verlieren. Es würde mich zu große Überwindung kosten zu ihnen zu gehen. Mich in den Mittelpunkt der Gruppe zu stellen, die Situation vorher nicht einschätzen zu können. Es wäre unglaublich anstrengend für mich.

Das Baby weint jetzt. Es tut mir leid. Ich denke es ist ihm zu heiss. Es ist komplett in lange weiße Klamotten gehüllt. Eine Wespe setzt sich auf seine schokoladen- und tränenverschmierte dicke Wange. Die Mutter merkt das nicht. In mir spannt sich alles an, es ist als würde die Wespe mich auch gleich stechen. Gleich würde das Baby entsetzlich laut schreien, ich spüre schon fast den Schmerz. Ich wünsche mir so sehr, dass sie wegfliegt und sie fliegt. Gott sei dank.

Allein unter vielen

Mein Sohn erzählt etwas. Es ist gut, dass wir hier sind. Es fühlen sich alle wohl und wir unterhalten uns. Mein Sohn ist stolz, er hat schöne Neuigkeiten, Erfolge zu berichten. Das macht mich glücklich. Gut, dass ich mich aufgerafft habe. Es tut der Familie gut. Das ist mir sehr wichtig. Wir sollten öfter etwas zusammen machen. Ich nehme einen Geruch wahr, es ist der unangenehme Geruch von vorhin aus der Schlange. Das bin doch nicht ich selbst? Nein! Sehr gut, es ist der selbe Typ, der hinter mir war.

Es tröpfelt jetzt. Noch merkt es keiner. Kleine Punkte entstehen auf dem zarten blauen Sommerkleid der aparten jungen Frau. Regentropfen

Die Mutter ist die Erste, die es auch bemerkt. Sie packt hektisch das Baby ein, fasst es an wie einen Gegenstand, der nicht schmutzig werden darf. Ich finde sie jetzt noch blöder und das Baby noch ärmer. Ich stelle mir vor, wie es älter wird und später eine anankastische Persönlichkeit entwickelt, magersüchtig wird und nach dem super Abi zusammenbricht. Alle wundern sich und tuscheln: „Wie konnte das passieren?“ und ich denke: „Ich wusste es schon an diesem Sommertag, an dem es ein kleines sandiges Windelkind war. Es liegt an der reinweißen, zart geblümten Bluse der Mutter, diesem strengen Zug um den Mund, ihrem perfekten Gang und dem nichtssagenden Vater, der sich an seinem Bier festhält.“ Ich ermahne mich selbst. So überhebliche, klischeebehaftete und niveaulos schlechte Gedanken sollte ich nicht haben. Schliesslich kenne ich die Familie gar nicht.

Wirklich überall sind Wespen. Ich habe Panik, dass eine zu mir kommt. Ich habe grosse Angst vor Wespen. Ich habe Angst vor Schmerzen und will auch nicht mit der riesigen Schwellung herumlaufen die so ein, eigentlich harmloser, Stich bei mir verursacht. Die Fragen, die mir Andere stellen würden, wären mir extrem unangenehm. Kurz, ich reagiere auf Wespen ziemlich panisch, was mir in der Öffentlichkeit sehr peinlich wäre. Wie gut, dass keine herkommt. Sie interessieren sich mehr für das Fleisch und den Alkohol am Nebentisch.

Hinter uns reden zwei junge Frauen über ein sehr intimes Thema: Liebesgeschichten, die nicht klappen wollten. Ich bekomme jedes Wort mit: Es geht um einen Mann, der mit seiner Schwester lebt und sich auf keine Partnerin einlässt. Die Geschichte fesselt mich, es ist wie ein Sog. Voller Emotionen. Das Gespräch macht mich traurig und ein bisschen aufgeregt. In meinem Kopf kreisen Ideen, wie man den Mädchen helfen könnte.

Die Bierbänke sind gänzlich ungeeignet um bequem zu sitzen. Der Tisch ist schmutzig und riecht nach Fisch. Das hinter mir direkt jemand sitzt und ich keine Lehne habe verursacht bei mir eine starke Unsicherheit und ein nervöses Gefühl. Ständig dieses Gewackel, wenn jemand anderes auf der Bank sich bewegt. Das macht mich ganz wirr. Wo soll ich nur meine Sachen hin tun? Meine Tasche? Meinen Pulli? Ich muss aufpassen, dass nichts runter fällt. Hoffentlich klaut keiner was! Ich brauche immer sehr viele Sachen, sonst kann ich mich nicht wohl fühlen. Wird es kalt wird, brauche ich sofort einen Pulli. Scheint die Sonne, eine Sonnenbrille. Ein Taschentuch falls mir die Nase läuft. Diese Dinge schützen mich in solchen Situationen, vor den Umwelteinflüssen. Das alles muss aber irgendwo verstaut werden.

Diese Geräusche, diese Nähe zu Fremden, keine Möglichkeit mich abzugrenzen, Essensgeräusche, triefendes Fett von Tierleichen an den Händen der Tischnachbarn. Ich ertappe mich, wie ich entsetzt hinsehen muss und in eine Starre verfalle. Zigarettenrauch, Lachen, fettige Küsschen zur Begrüssung, sich zuprosten. Es ist eine laute, fröhliche Welt. Sie erscheint mir fremd. Eine Fremde die mich manchmal anzieht, selten aber mitten hinein.

Kurzer Moment der Harmonie

Ich bekomme überhaupt nichts mit von meiner Familie. Was haben sie bloß die ganze Zeit geredet? Es tut mir so leid. Krampfhaft versuche ich ein normales Gespräch in Gang zu bringen, aber es klappt nicht. Ich rede über das Essen. Sie wissen beide, dass es komisch ist für mich. „Das merkt man“, denke ich, oder nicht? Ich bereue, dass ich die Zeit mit den Beiden zusammen nicht für eine Begegnung nutzen konnte. So viele Eindrücke. Ich sehe wieder die Frau mit dem blauen Kleid, den Hund, ein Kind mit roten Locken, das Baby. Dieser Gestank, jemand raucht und jemand lacht. Ich habe fast alles aufgegessen und gar nicht bemerkt wie es schmeckte. Zu viel Ablenkung. Macht nichts, aber ich fühle mich einfach voll.

Die eklige kleine Kirschtomate liegt noch auf meinem Teller. Die Gedanken an das Ablecken der Finger quälen mich immer noch und ich erzähle meiner Frau davon. Sie findet es auch entsetzlich.

Lichter

Es wird schon etwas dunkel. Sie zünden jetzt kleine Lichter an. Das erzeugt eine wunderbar romantische Stimmung.  Es hat wieder aufgehört zu regnen und im Schutz der Dämmerung und im Schein der Kerze schaffe ich es mich auf ein schönes Gespräch einzulassen. Ich stelle viele Fragen und nehme meine Frau sowie meinen Sohn wahr. Ich bin sehr dankbar, dass ich es geschafft habe mich doch noch zu entspannen.

Heimweg

Auf dem Heimweg bin ich ein bisschen wehmütig. Diese Momente kommen so selten vor. Ich wünsche mir endlose Nächte am Lagerfeuer, Glühwürmchen, Zeit mit lieben Menschen. Ich träume so vor mich hin.

Meine Frau fragt: „Was ist denn los?“ Ich sage: „Nichts, nichts. Alles gut.“ Ich versuche wieder normal zu wirken. Das jetzt zu erklären wäre doch wirklich zu kompliziert.

In mir bin ich sehr dankbar für diesen Abend und sehr sehr müde. Eigentlich mag ich jetzt nicht nach Hause. Schade, dass es schon vorbei ist.  Gerade jetzt, wo ich es endlich geschafft habe, mich ganz auf die Situation einzulassen. Ich habe wohl einfach zu lange gebraucht.


Wir sind jetzt schon fast zwei Jahre nicht mehr in einem Biergarten gewesen. Vielleicht ist es Zeit mal wieder hin zu gehen? Fremden Menschen unerträglich nah zu sein inmitten von buntem Gewimmel.

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36 Responses

  1. Gabriele Hornscheidt

    Danke! Besser kann man es nicht beschreiben. Wie gut es tut, sich verstanden zu fühlen…

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    • Sorina Szeli

      Danke für Dein positives Feedback. Freue mich auch sehr, dass Du Dich wiedererkennst, weil ich mich dann auch verstanden fühle. Lieben Dank.

      Sorina

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    • Sandra

      Das unterschreibe ich zu 100%. Das klingt wie eine Situation in der ich mich total wiederfinde. Hätte ich alles auch genauso ausgedrückt. Da passt alles ich sehe die „Geschichte“ genau vor mir und kann jeden Punkt genauso nachvollziehen. Schön zu wissen, dass man nicht allein damit ist, aber dennoch auch nicht „krank“ ist, wenn man so empfindet.

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  2. Bianca Kühn-Ast

    Oh ja… genauso fühlt es sich an, wenn zu viele Menschen um einen herum sind. Ganz schlimm ist es dann, wenn bei z. B. einer Schulveranstaltung solche Ansammlungen in geschlossenen Räumen sind – und man von jedem einzelnen auch noch Stimmungen, Emotionen wahrnimmt

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    • Flauschewesen

      diese Emotionen und Stimmungen wahrnimmt, aber wie ich oft nicht richtig einschätzen kann. Das macht es für mich persönlich so schwierig, und deswegen meide ich Kontakte, weil ich in meinem Leben bisher nur gelernt hab, dass man „sich anpasst“ und „wenn das für mich und für Hans Muster kein Problem ist, dann hat es auch für dich keines zu sein, musst dich halt zusammen reissen“ :-(
      Macht mich mit meiner Überempfindlichkeit zur Aussenseiterin, seit meiner Kindheit schon.

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  3. Julia Bender

    Ein wunderbarer und für mich sehr nachvollziehbarer Artikel.

    Jedem Normalsensiblen würde wohl schwindlig werden ;-))) Wo ist denn hier der rote Faden?!? Hihi…

    Lieben Dank für diese detailgetreue Beschreibung, was einem Hochsensiblen bei einem „einfachen“ Biergartenbesuch so vorgeht.

    Die größte Herausforderung eines jeden Hochsensiblen ist es, die Balance zwischen Ruhe und Reizen zu finden… Nicht immer einfach – aber wenn es einem bewusst ist, dann kann man immer besser mit solchen Situationen umgehen.

    Viele liebe Grüße,
    Julia

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  4. Furby

    Heyho,

    danke für den wunderschönen Text. Eine sehr, sehr liebe Seele hat mir den weitergeleitet und ich muss sagen der hat mich heute morgen aus kennen und erkennen stellenweise zu Tränen gerührt =D. Auf den Punkt getroffen, vielen Dank dafür!

    Einen wunderschönen Tag euch allen <3

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  5. Janine Quest

    Das klingt wie das eigene Leben & erinnert mich gerade an meinen letzten Zoobesuch mit einem Freund und meiner Tochter. Ich kaufe immer Jahreskarten,um nie anstehen zu müssen. Dank ihm durften wir uns dann bei vollem Sonnenschein in dieser riesigen Menschenschlange anstellen, um später in dem überfüllten Zoo zwischen all diesen Menschen zu irren, über 1 Std auf jedem Spielplatz zu verbringen, ständig von fremden Kindern angefasst und anderen Besuchern angerempelt zu werden, von jedem Hund beschnüffelt zu werden, all diese Gerüche wahrzunehmen, im Streichelzoo-Bereich von Ziegen & Schafen vollgesabbert zu werden und und und…
    12 °° – 20: 30 Uhr
    Ich war total geschafft!
    Aber dennoch war der Tag schön,meine Kleine hatte super viel Spaß und ich war froh zugesagt zu haben. Auch,wenn das oft Überwindung kostet.

    Oft habe ich das Gefühl die einzige Person zu sein, die das alles so wahrnimmt, kenne niemanden persönlich,dem es genauso oder ähnlich geht. Dein Artikel zeigt , dass es doch immer wieder Menschen gibt, denen es genauso ergeht. Vielen Dank!

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    • Sorina Szeli

      Liebe Janine,

      das ist bestimmt nicht so einfach, wenn Du niemanden in Deinem persönlichen Umfeld hast der fühlt wie Du. Das ging mir auch lange so.

      Wünsche Dir ganz viel Kraft und Glück und auch wenn niemand in Deiner Nähe ist, wir sind ziemlich viele <3

      Pass gut auf Dich auf,
      Sorina

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  6. Peter

    Ich hänge mich zwar innerlich an anderen Eindrücken auf, kann aber das Muster gut nachvollziehen. Zuviele, nebensächliche Eindrücke, die das, was auf der Bühne aufgeführt wird, überschatten. Nachdem ich, ehrenamtlich, einige Jahre in einem Vorstand mitgearbeitet habe, war ich völlig platt, weil ich alles das aufgesaugt habe, was die Anderen, nach meinem Empfinden, nicht wahrnehmen konnten und wollten. Dadurch war ich emotional und gedanklich nie bei dem was besprochen wurde, sondern immer bei dem, was ausgelassen wurde. Und da es mir nicht möglich war mich damit zu verständigen, war ich nach einigen Jahren völlig fertig, musste das Amt niederlegen, hatte einen Bandscheibenvorfall und ein Burnout. Aber ich habe gelernt und meide solche Aufgaben, auch wenn ich beruflich damit zu tun habe. Im Beruf kann ich mich auf meine Rolle zurückziehen, aber in meiner Freizeit geht das nicht, da bin ich nur ich.
    Inzwischen das ich hochsensibel bin und nehme Rücksicht auf meine Grenzen. Durch Krisen habe ich viel gelernt und habe es immerhin geschafft seit über 30 Jahren meinen Beruf als Sozialpädagoge auszuüben (immer noch gern und mit Leidenschaft), drei Kinder erwachsen werden zu sehen und mit einer tollen Frau an der Seite, durch die Krisen hindurch zu wachsen.
    Was aber bleibt ist, das sich nicht verständigen können gegenüber Menschen, die diese Seite nicht haben. Aber das ist wohl einfach so… Entsprechend sind meine Freunde auch eher hochsensible Menschen oder solche, die meine Art zu schätzen wissen, auch wenn sie selbst anders sind…

    Antworten
  7. Waltraud

    Durch einen „Zufall“ habe ich deine Zeilen gelesen; ich konnte mit dem Begriff „hochsensibel“ eigentlich nichts anfangen bis es mir vor einiger Zeit jemand attestiert hat. Seit damals beobachte ich mich in diesen besonderen Situationen wie du sie hier schilderst, denn ich habe mich nie dabei wohl gefühlt. Öfters höre ich Kinder weinen und finde sie bevor ihre Mütter sie überhaupt vermissen, das ist mir eher peinlich! und ich spüre wie unwohl sich Hunde in der Masse fühlen. Auch ich neige dazu Menschen zu verurteilen und ihren Werdegang vorauszusehen, obwohl ich das gar nicht will. Lieber würde ich immer wieder helfen … Es ist anstrengend so zu sein und man kann sich nicht austauschen. Aber man nimmt auch wunderbare Dinge wahr wie die Schönheit der Natur und die Weisheit von manchen Menschen. Ich danke dir sehr für deine schöne Geschichte!

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    • Flauschewesen

      diese wunderbaren Dinge, die die meisten Menschen nicht interessieren und die leider für die Mehrheit der Menschen keinerlei Wert haben. :-(
      Ich empfinde meine Sensibilität als puren Fluch, dass niemand verstehen kann bzw. meistens nicht verstehen will, dass ich eben anders wahrnehme.
      Dass ich mich an bunten Blüten erfreuen möchte, und dass überall im Garten etwas blüht, und ich lieber Blüten und Kräuter pflanze die ich verwenden kann und für das Auge und die Nase etwas her geben ,als irgendwelches Grünzeugs das ich halt im Herbst dann mal ernte aber übers JAhr nicht besonders dekorativ ist. Dass ich nicht so bin wie andere, wird in meinem persönlichen Umfeld wahrscheinlich niemals akzeptiert werden. :-(

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      • Fan

        Hallo Flauschewesen!
        Es ist sehr wichtig, daß du dich langsam aber sicher mehr mit Menschen umgibst, die deine Besonderheiten schätzen und teilen. Dann wird es dir mit dir selbst sehr viel besser gehen. Alles Gute!

  8. Sabine Dinkel

    Ahoi,

    selten habe ich eine so gelungene Beschreibung dessen gelesen, was in „solchen“ Situationen auch bei mir stattfindet. Toll!

    Die Tomate hätte mich auch ganz fürchterlich davon abgehalten, das Essen zu genießen. Ich befürchte, ich hätte es gar nicht angerührt.

    Viele Grüße
    Sabine

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    • Sorina Szeli

      Einen zauberhaften Gruß an Dich Sabine,

      es ist immer wieder schön zu lesen, dass es anderen Menschen auch so ergeht. Lieben Dank für Deine Worte.

      Herzlichst,

      Sorina

      Antworten
  9. Micha

    Als ich diesen Text las, hatte ich nahezu das Gefühl, mir selbst gegenüber zu stehen. Vielen Dank dafür! Das Wissen macht es mir leichter, mit meinem. Alltagsgeschehen umzugehen. — Gibt es sowas wie einen Gedankenaustausch innerhalb einer Gruppe?

    Antworten
    • Sorina Szeli

      Hallo Micha,

      es freut mich, dass ich Dir mit meinem Bericht helfen konnte. Wir haben noch keine eigene Gruppe, aber das ist ein guter Denkanstoß. Wo immer die Möglichkeit besteht sich auszutauschen ist auf unserer Facebook Seite: klick hier. Natürlich auch immer direkt unter den Artikeln, nur kann es da ab und zu ein wenig dauern, bis wir antworten, da wir beide berufstätig sind.

      Ich wünsche Dir alles Liebe auf Deinem Weg,

      Sorina

      Antworten
  10. Nicole

    Gut dass ich das eben gefunden habe. WIe treffend alles beschrieben ist. Im Moment ist es bei mir wieder ganz schlimm und ich bin mal wieder soweit zu denken ich bin ja nicht normal und passe hier mal gar nicht mehr hin. Keine Akzeptanz dessen was ist sondern ständig Diskussionen ich solle mal nicht alles so ernst nehmen . Ihr kennt das ja alle. Da tun solche Artikel richtig gut zu erkennen dass man nicht alleine damit ist

    Antworten
  11. Roger

    Hallo Ihr Lieben!

    Danke für den wertvollen Beitrag der mich ein Stück weiter zu mir, zu Selbstannahme und Selbstliebe bringt. Schön das es so viele von uns gibt. Schreibe selber einen kostenlosenBlog über Annahme, Selbstliebe und das Leben. Vielleicht darf ich ja mal was bei euch posten. Ganz liebe Grüße Roger

    Antworten
    • Alexa Szeli

      Grüß Dich Roger,

      danke Für Dein Feedback. Du kannst Dich gerne bei uns melden und wir schauen mal was man zusammen machen könnte. :-)

      Lieben Gruß,

      Alexa

      Antworten
  12. Emma

    Die Geschichte des Biergartenbesuchs erinnert mich sehr an die Empfindungen früherer Zeiten bei ähnlichen Anlässen. Nicht ganz so arg, wie der Autor das beschreibt, aber immerhin. Lebensfreude ist etwas anderes.

    Nach fast sechzig Jahren als HSP muss ich aber erfreulicherweise sagen, dass ich gelernt habe in Bezug auf solche Aktivitäten viel besser umzugehen.

    Meine Strategie:
    In überfüllte Biergarten mit langen Warteschlangen gehe ich erst gar nicht. Such mir ruhigere Lokalitäten wo die Atmosphäre gut ist.

    Dann die Fokussierung auf mich selbst, mein Inneres, meine Mitte, meine Wünsche und Bedürfnisse. Dadurch strömen nicht so viele Eindrücke auf mich ein, die mich ablenken. Ich bleibe bei mir und kann mich auf mein Gegenüber einstellen und mich aufmerksam am Gespräch beteiligen. Es darf aber nicht zu laut werden um mich rum sein, sonst kostet mich die Konzentration immens viel Kraft. Spüre ich, dass es mir langsam zu viel wird, dann verabschiede ich mich…

    Ich stelle fest: Vermeidung von Überstimulation ist so eine Art roter Faden geworden, der sich durch mein Leben zieht… Geht ganz gut. Hat natürlich auch Nachteile.

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  13. Vicky

    Ich habe mich zu 100% wieder erkannt in diesem Text. Ich hatte das Gefühl, ich erleb diese Situation selbst und mir geht es genauso. Schon immer seit ich denken kann. In meiner Familie wurde keinerlei Rücksicht genommen, im Gegenteil, mit allen Mitteln versuchten meine Eltern mich „normal“ zu machen, in dem sie mich so lange all den Situationen aussetzten, die für mich belastend waren, in der Meinung „ich würd mich dran gewöhnen“. Erst jetzt mit Anfang 30 lerne ich, dass es normal ist, dass auch andere Menschen so sind, und dass ich nicht einfach „faul“ „dumm“ „böse“ etc. bin, wie es in meiner Kindheit geheissen hat.

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  14. Maya

    Toller und interessanter Bericht !
    Ich muss gestehen mir ging es zeitweise sogar noch wesentlich schlimmer. Einkaufen war/ist eine Tortour ! Wenn ich jemandem die Hand geben soll, bin ich unhöflich und vergrabe sie tief in meinen Taschen. Zuhören wird praktisch unmöglich. Tausende von Gedanken sind in meinem Kopf…
    Habe aber festgestellt, dass ich in meiner Mitte sein muss um das alles gut und souverän zu Händeln. Was aber nur möglich ist, wenn ich genügend Zeit für mich allein habe. Und mit genügend meine ich nicht ein oder zwei Stunden am Tag. Das kann auch schon mal ein oder zwei ganze Tage sein. Manchmal sogar mehr. Meistens habe ich dazu nicht die Möglichkeit.
    Aber wenn ich ausschliesslich so leben kann wie es meine Bedürfnisse verlangen, kann ich raus gehen, Einkaufen, essen gehen und andere Menschen begrüßen und dabei Souverän, gelassen und entspannt sein. Die Eindrücke sind trotzdem noch alle da, Prasseln auf mich ein. Manchmal sogar mehr. Aber es irritiert mich nicht. Ich fange nicht an zu urteilen (was ich sonst wenn ich chronisch überfordert bin sehr tue) . Kann hinnehmen was so ist. Kann aber auch ändern was möglich ist und sogar helfen. Bzw. die „Führung“ übernehmen. Aber auch dann ist diese Energie nur begrenzt verfügbar. Wenn mein „Schutzschild“ aufgebraucht ist, muss ich dann fix wieder in meine Höhle :D Sogar die Menschen , welche mir wirklich nahe stehen stressen mich auf diese Art. Dann stören mich die kleinsten Kleinigkeiten.

    Antworten
    • Alexa Szeli

      Diese Tage kenne ich auch, sie geschehen, wenn ich zu spät entstandenem Stress abbaue bzw. in sehr stressige Situationen gebracht werde.

      Lieben Gruß

      Antworten
  15. Rea Sufiani

    Liebe Alexa, ich kennen diese unendliche Fülle von Wahrnehmungen nur zu gut. Ich habe viele Jahre versucht meine Rolle als Frau und Mutter zu überleben. Dabei habe ich gelernt, diese Stresssituationen auszublenden. Leider funktioniert das nicht gefiltert und mir sind wertvolle Erinnerungen verloren gegangen. Jetzt bin ich schon seit 20 Jahren geschieden, meine Kinder sind erwachsen, ich bin in Frührente und mehr oder weniger nur noch mir selbst ausgeliefert. Ich habe Kunsttherapie studiert, weil mir die Worte durch das Ausblenden verloren gegangen waren, doch selbst das Malen kostet mich Überwindung. Ich bin glücklich und dankbar, dass andere, so wie du, ihre Worte und andere Ausdrucksformen erhalten haben und sie auf diesem Wege teilen. Ich fühle mich ermutigt, zum Ausdruck zurückzukehren und auf meine Art an mir und meinem Leben, so wie am Leben anderer teilzuhaben.

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    • Alexa Szeli

      Liebe Rea, ich wünsche Dir, dass Du mit viel Ausdruck in das Leben zurück findest. Es steckt sehr viel Ausdruck in Deinen Worten, Du solltest sie fließen lassen <3 Ich wünsche Dir alles Liebe,

      Alexa

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  16. MHN

    Genauso ergeht es mir auch immer, ich bin mit meine Augen und Ohren + Gefühlen immer woanders – nehme immer alle Situationen, Menschen, Tieren, Wind, Regen, Sonne, Emotionen gleichzeitig war und bin dann total gestresst.

    Auch in den Kommentaren finde ich mich immer wieder. Und das mit dem allein sein müssen um zu entspannen, das habe ich auch. Ist nur manchmal schwer umzusetzen wenn man in einer Partnerschaft lebt.

    Ich glaube das die verstärkte „Aufnahme“ / Wahrnehmung von Allem einen Sinn hat und sich mir irgendwann erschließt.

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