Wie Yoga meine innere (und äußere) Welt komplett änderte

Yoga kennt jeder. Kannte ich auch! Wollte ich aber nicht! Ich konnte nicht verstehen, was an Yoga so besonders sein sollte. Ich dachte: „So ein Quatsch.“, wenn mir jemand erklärte, dass Yoga ihn so tief berührt, dass er weinen muss. Yoga sollte das ALLHEILMITTEL für ALLES sein. Es sollte befreien und glücklich machen. Das konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Diese komischen Verrenkungen sollen einen neuen Menschen aus mir machen? „Ja, klar.“

Kurzum: Wann immer ich gebeten wurde doch einmal mit zu einer Yoga Stunde zu gehen, lehnte ich ab.

Nun die Überschrift zeigt es ja bereits: Es blieb nicht dabei!

Vor einer ganzen Weile stand meine innere und äußere Welt komplett Kopf. Mit einem Schlag war alles aus den Fugen geraten. Eine Zeit in meinem Leben begann, in welcher für eine ganze Weile alles verloren schien. Jeden Moment bewusst erleben, daran war nicht zu denken. Ganz im Gegenteil: Ich wollte gerade das nicht. Jeder Moment schmerzte und ich hütete mich davor, diesem mehr Achtsamkeit zu schenken, als ich verkraften würde. Ich wollte einfach nur, dass jeder Moment vergeht, die Nacht kommt und wieder ein Tag irgendwie überstanden ist.

Dieser Hilflosigkeit meinem eigenen Leben gegenüber versuchte ich zuerst mit Kraftsport und Ausdauertraining zu entkommen. Für den Moment ist mir das teilweise auch gelungen, insbesondere, wenn ich stundenlang meine Bahnen im Schwimmbecken zog. Das große Loch unter meinen Füßen verschwand jedoch nicht.

Beim Stöbern im Internet fiel mir ein Buch auf: Yongey Mingyur Rinpoche: Buddha und die Weisheit vom Glück“. Nun gut: Ich, die sich von allem Glück der Welt verlassen fühlte, bestellte dieses Buch. Was sollte schon passieren? Schlimmer werden konnte es nicht und immerhin versprach das Buch einen starken Einfluss wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Das Buch erreichte Teile in meinem Inneren, die verschüttet waren. Ich versuchte mich für den Inhalt zu öffnen, was mir zur damaligen Zeit recht schwer viel. Ich bekam aber eine sehr leise Ahnung von einem weiten spirituellen Feld, welches sich mir zuvor nicht im Herzen eröffnete. Ich kaufte weitere Bücher und verschlang sie. Mein Gemüt besserte sich in ganz kleinen Schritten, war aber noch weit davon entfernt wirklich zu genesen.

Immer wieder stieß ich in den Büchern auf Yoga und deren ganzheitliche positive Wirkung auf Körper und Geist. Also gut! Im Fitnesscenter gab es ja diesen Yogakurs jeden Donnerstag vormittag. Der Donnerstag kam und ich lungerte in der Nähe der gläsernen Indoorhalle herum. Die Übungen sahen leicht aus, die Menschen wirkten entspannt und es waren viele bereits jenseits der 50. Gut, blamieren werde ich mich da wohl nicht.

Am nächsten Donnerstag wagte ich es. Ich besuchte meinen ersten Yogakurs. Die Matte schob ich hinten in die äußerste Ecke, muss ja niemand sehen, wenn ich etwas nicht hinbekomme. Ach du meine Güte, die Übungen waren zum Teil schwerer auszuführen als ich dachte. Die Rentner waren allesamt viel besser als ich. Mir schmerzte mein Rücken und ich sehnte das Ende der Stunde herbei. Ich war bei den abschließenden 10 Minuten schweigender Entspannung, mit dem Rücken auf der Matte liegend, einfach nur froh, dass ich es geschafft hatte. Das Licht ging an und ich verließ fluchtartig den Saal, daran zweifelnd, ob ich noch einmal wiederkommen würde.

 

Der Wendepunkt

Ich sprang schnell unter die Dusche und spülte mir die Strapazen von der Haut. Anschließend verließ ich sofort das Fitnesscenter und machte mich zu Fuß auf den Heimweg.

Mir fiel es nicht sofort auf, aber ich merkte sehr wohl, dass etwas anders war als auf dem Weg zum Fitnesscenter zwei Stunden zuvor. Es war ein warmer sonniger Frühlingstag. Die ersten Blümchen hatten sich durch die Erde gekämpft und es roch nach Neubeginn.

Ich nahm meine Umgebung plötzlich ganz bewusst wahr. Meine Schritte waren beschwingt und ich lächelte. Plötzlich fiel es mir auf: Ich lächelte und fühlte mich glücklich! Na hoppla! Ich konnte überhaupt nicht sagen warum. Ich ging glücklich meines Weges, erfreute mich an der Sonne und den Blumen und fühlte mich eins mit der Welt. Was für ein Wahnsinnsgefühl! Das ich es mir nicht erklären konnte, das spielte in dem Moment auch nicht so die Rolle, kostete ich es einfach nur aus.

Das Gefühl blieb, auch am nächsten Tag. Ich ertappte mich dabei wie ich völlig leichtfüssig und lächelnd auf dem Aussengehege in der Arbeit umher stolzierte und plötzlich absolute Lust dazu hatte die Yogastellung „Der Baum“ zu machen. Das tat ich auch. Ich stand selig grinsend als Baum zwischen unseren ganzen Hunden und war glücklich und zufrieden. [Anmerkung: Ich arbeite als Hundepsychologin in einer Hundetagesstätte]

Eine unbeschreiblich schöne Erfahrung!

Ich ging auch in der nächsten Woche zum Yogakurs. Am Ende des Kurses liefen mir während der Entspannungsphase Tränen über die Wangen, einfach so. Meine innere Starre begann sich zu lösen und innerhalb recht kurzer Zeit fand ich zur Schönheit des Lebens zurück. Ich war glücklich. Meine Probleme lösten sich wie von selbst. Das Yoga hatte mich gerettet und mir den Weg in ein komplett neues Lebensgefühl geebnet.

Ich gehe seitdem wesentlich achtsamer mit meiner Lebenszeit um und achte so gut wie möglich jeden einzelnen Augenblick.

 

Die Meditation

Die Meditation ist ein zweiter wichtiger Aspekt auf der Reise zu meinem persönlichen Glück. Wie viele andere Neulinge auch bin ich davon ausgegangen, dass es mir in der Meditation gelingen muss meine Gedanken abzuschalten und zwar komplett. Einfach mal Ruhe im Karton!

Das funktionierte natürlich nicht!

 

Meditation bedeutet, bei allem, was man tut, völlig aufmerksam zu sein – beispielsweise darauf zu achten, wie man mit jemandem spricht, wie man geht, wie man denkt, was man denkt.

-Krishnamurti-

Aha! Es geht also gar nicht darum, dass ich mich ausschalte. Ich soll mich achtsam betrachten. Ich soll meine Gedanken nicht verdrängen, sondern beobachten. Einfach nur beobachten, ohne sie zu manipulieren oder in einer andere Richtung zu lenken.

Dachte ich vorher: „Was soll ich nur tun, meine Gedanken lassen sich einfach nicht stoppen!“, so blieb ich von nun an ganz entspannt. Ich beobachtete was während der Meditation in meinem Geist geschah, so als würde ich einen Film schauen. Am Anfang war das ein ziemliches Chaos! Da war vielleicht was los. Alles polterte durcheinander und war durch und durch unstrukturiert. Mit der Zeit beruhigten sich die Gedanken ganz von selbst und ab und an sind sie für einen kleinen Moment sogar verschwunden.

Meditation hat mir geholfen:

  • wacher zu werden
  • Stress von mir abfallen zu lassen
  • achtsamer zu leben
  • innere Stärke zu finden
  • selbstbewusster aufzutreten
  • positiver zu denken
  • Energie zu tanken

 

Meditation? Das ist doch etwas für Esoteriker und Yogis! Nein! Also okay, ich mache nun zufällig auch Yoga, aber Meditation kannst Du völlig unabhängig davon ausüben.

Mit Meditation kannst du lernen klarer und fokussierter zu denken. Deinen Alltag meisterst du plötzlich viel müheloser. Eine Leichtigkeit stellt sich ein und Aufgaben werden mit mehr Achtsamkeit und dennoch schneller erledigt. Einfach, weil die Meditation uns lehrt, wie man seinen Geist auf sein Handeln lenkt.

Yoga Asana Baum

Eine kleine Meditation zur Einführung:

Ort der Meditation

Suche dir einen Ort der Ruhe, einen Platz an dem du meditieren möchtest. Es ist sehr wichtig, dass dich dort nichts ablenken kann. Du solltest dich an diesem Platz wohlfühlen und deine Zeit gerne dort verbringen wollen.

 

Ruhe

Schalte alle Störquellen ab, stelle dein Handy auf lautlos, achte auch darauf, dass es nicht vibriert.

Sorge dafür, dass niemand deine Meditation stören wird.

 

Richtig Sitzen

Setze dich bequem hin.  Als Anfänger empfehle ich dir den Schneidersitz. Bist du ein wenig geübter so probiere den Halb-Lotus-Sitz (einen Fuß auf den anderen legen). Ganz geübte nutzen den Lotussitz (Füße auf den jeweils anderen Oberschenkel).

Achte bitte darauf, dass du nicht auf dem kalten Boden sitzt. Nutze eine Yogamatte, ein dickes Handtuch oder eine Decke. Die Unterlage sollte aber stabil und nicht zu weich sein.

Hast du beim Sitzen auf dem Boden Schmerzen, so führe die Übung auf einem Stuhl durch. Das ist völlig in Ordnung.

Lotussitz

Achte auf deine Körperhaltung

Das Wichtigste: Deine Wirbelsäule muss unbedingt aufrecht sein. Deine Brust wird dadurch geöffnet und du kannst frei atmen. Dein Energiefluss kann ungehindert fließen. Lehne dich bitte auch nicht an eine Wand oder Stuhllehne, das würde den Fluss unterbrechen.

Lasse deine Schultern locker fallen.

Versuche eine entspannte aufrechte Haltung einzunehmen.

Lege deine Hände ineinander auf den Schoß, die Daumen einander zugewandt.

 

Es beginnt …

Stelle dir einen Timer auf 5 oder 10 Minuten.

Das genügt für den Anfang vollkommen.

Schließe deine Augen und atme ganz bewusst in den unteren Bauch tief ein und wieder aus. Wiederhole das Ganze ein paar Mal. Achte darauf gerade zu sitzen, die Schulter hängen zu lassen, den Brustraum zu öffnen und möglichst entspannt zu sein.

 

Meditiere

Lege all deine Aufmerksamkeit auf deinen Atem. Atme tief ein, spüre wie der Atem die Innenwände Deiner Nase entlangströmt, atme tief in den unteren Bauch und atme tief durch den Mund aus. Spüre wie dein Brustkorb sich bei jedem Atemzug hebt und senkt.

Beobachte deinen Körper ganz genau während du tief ein- und ausatmest.

Dein Bauch weitet sich, dein Brustkorb hebt sich, die Luft strömt die Naseninnenwände entlang … Dein Bauch wird wieder kleiner, deine Brust senkt sich, die Luft strömt über die feine Haut deiner Lippen.

Nimm das alles ganz bewusst wahr.

Bleibe während der gesamten Meditation bei deinem Atem.

Die Gedanken werden kommen. Lasse sie weiterziehen, beachte sie nicht. Lasse sie einfach gehen und kehre immer wieder zu deiner Atmung zurück.

Sei liebevoll mit dir. Ärger Dich nicht über aufkommende Gedanken, lasse sie in Liebe weiterziehen und bleibe bei deinem Atemrhythmus.

 

Meditationsende

Es wird das Signal erklingen, dass dich wieder in deinen Alltag zurückholen wird. Bleibe einen Moment sitzen. Lasse die Meditation auf dich wirken. Atme weich und langsam. Spüre in dich hinein und nimm deine liebevolle Ruhe mit in deinen Alltag.

❤ Namaste ❤

Om Aum Ganeesha

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