„Die Linde hat große Wärme, und jene Wärme ist ganz in der Wurzel, und sie steigt in die Zweige und in die Blätter auf. (…) Und der Mensch der Herzschmerzen hat, nimm die innere Wurzel und das Mark der Wurzel und pulverisiere es und esse jenes Pulver oft mit Brot, und es wird ihm im Herzen besser gehen. (…) Und im Sommer, wenn du schlafen gehst, lege frische Lindenblätter auf deine Augen und bedecke das ganze Gesicht damit, es macht deine Augen klar und rein. Und wer Gicht hat, der nehme von der Erde, welche um die Wurzel der Linde liegt, und bringe sie ins Feuer und mach sie glühend. Und im Dampfbad gieße man Wasser darüber und bade so. Er tue dies über neun Tage, und er wird geheilt werden.“

Hildegard von Bingen

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Hildegard von Bingen schreibt die eigentliche Kraft der Linde den Wurzeln und dem Holz zu. Vor allem im Holz liege die Magie, so sei ein Mensch, der einen Ring aus Lindenholz trägt vor gefährlichen Krankheiten geschützt.

In der Antike jedoch finden sich nur recht wenige Aufzeichnungen über die Linde. Die Heilkräfte ihrer Blüten wurden sogar erst im 18. Jahrhundert entdeckt.

Es ranken sich viele Geschichten, Gedichte, Lieder und Legenden um die Linde, denken wir nur an die bekannte Liedzeile von Franz Schubert (1827):

 

„Am Brunnen vor dem Tore das steht ein Lindenbaum,

ich träumt in seinem Schatten so manchen süßen Traum.

Ich schnitt in seine Rinde so manches liebe Wort.

Es zog in Freud und Leide zu ihm mich immerfort,

zu ihm mich immerfort.“

 

Bei den Menschen war und ist sie bis heute als Hof-, Dorf- und Stadtlinde äusserst beliebt. Früher wurde unter der sogenannten Gerichtslinde Wahrheit und Versöhnung gesucht. Der Stellenwert der Linde ist hoch. Aus den Wäldern wurde sie in die Städte geholt, was ihr zum Glück nicht schadete, denn sie macht sich auch hervorragend als Einzelbaum.

Die Linde hat von jeher etwas mütterliches. Die Menschen kamen unter ihr zusammen. Mit ihren herzförmigen Blättern, dem süßen Blütenduft, welchen auch die Bienen sehr lieben, und ihrer ausladenden Krone, hat sie seit jeher eine besondere Anziehungskraft. Eine Linde schenkt uns ein Gefühl ganz besonderer Geborgenheit. Sie ist ein Platz der Gemeinschaft, ein Symbold für Gerechtigkeit, Liebe, Frieden und Heimat. Schon Martin Luther sagte eins:

„Wenn wir Reuter sehen unter der Linden halten, wäre das ein Zeichen des Friedens. Denn unter der Linde pflegen wir zu trinken, tanzen, fröhlich sein, denn die Linde ist unser Friede- und Freudebaum.“

Übrigens ist zumeist immer nur die Rede von der Linde, es existiert aber sowohl die Sommer- als auch die Winterlinde. Die Sommer- und die Winterlinde lassen sich in erster Linie an ihren Blättern unterscheiden: Während die Blätter der Sommerlinde kleiner und rundum behaart sind, sind die Blätter der Winterlinde oberseits und am Stiehl kahl.

 

Was wird verwendet und was ist drin?

In der Heilkunde verwenden wir hauptsächlich die Blüten (Tiliae flos) der Sommer- als auch der Winterlinde. In den Blüten sind in etwa ein Prozent Flavonoide, vor allem die Substanzen Quercitrin, Rutin und Astragalin, enthalten. In geringen Mengen ist zudem ätherisches Öl enthalten, welches sich vor allem aus den Stoffen Linalool, Geraniol und Eugenol zusammensetzt. Der Rest sind Schleim- und Gerbstoffe. Von den Schleimstoffen sind bis zu zehn Prozent enthalten, vorwiegend Arabinogalactane.

Die Stoffe in den Blüten wirken schweißtreibend und fiebersenkend. So lässt sich damit ein grippaler Infekt ausschwitzen. Die Wirkung ist mild und kann daher auch sehr gut bei Kindern eingesetzt werden. Der hohe Anteil der Schleim- und Gerbstoffe wirkt auswurffördernd und reizlindernd. So kann trockener Reizhusten sehr gut gelindert werden, indem die Schleimstoffe eine Art Schutzschicht auf die Schleimhaut in Mund und Rachen legen.

 

9 Rezepte mit Lindenblüten

1Lindenblüten einfach so verzehren

Lindenblüten sind sehr schmackhaft. Sie können einfach einem Salat beigefügt werden. Sie eignen sich hervorragend als essbare Dekoration. Du kannst sie im Smoothie mit mixen oder einfach auf einem Brot essen.

 

2Lindenblütentee als Heißgetränk

Lindenblütentee ist vor allem auch für eine prophylaktische Anwendung geeignet, wenn wir ohne Erkältung durch die kühle Jahreszeit kommen wollen. Er kann selbstverständlich aber auch zur Behandlung eines grippalen Infekts eingesetzt werden. Aber warum ausbaden, wenn wir vorbeugen können? Die Tagesdosis sollte zwischen 2 und 4 Gramm liegen.

Du benötigst:

  • 1 TL getrocknete Lindenblüten

oder

  • 2 Teelöffel frische Lindenblüten

sowie

  • 250ml kochendes Wasser

Übergieße die Blüten mit dem heißen Wasser und lasse ihn anschließend 10 Minuten abgedeckt ziehen.

Tipp: Trinke den Tee möglichst heiß. Genieße 3 Tassen täglich.

Der abgekühlte Tee eignet sich hervorragend als Gesichtswasser. Vor allem auch im Sommer. Den kalten Tee in eine Sprühflasche geben und das Gesicht einsprühen. Man munkelt, es helfe auch gegen Falten.

Hat dich ein Sonnenbrand erwischt so gib den kalten Tee auf einen Umschlag und lege ihn auf die betreffende Stelle auf.

3Lindenblüten & weitere Kräuter für einen Schwitztee

Diesen Tee solltest du zubereiten, wenn deine Krankheit gehörig ausgeschwitzt werden sollte.

Teegemisch besteht aus:

  • 35g Lindenblüten
  • 25g Holunderblüten
  • 23g Hagebuttenschalen
  • 10g Brombeerblätter
  • 7g Fenchelfrüchte

 

Dosierung:

  • 2 Teelöffel der Teemischung
  • 250ml kochendes Wasser

Zerstoße das Teegemisch im Mörser, übergieße es mit dem kochenden Wasser und lasse es zugedeckt 5 Minuten ziehen.

Danach: Ab ins Bett und warm einpacken!

 

4Lindenblütentee als Kaltgetränk

Genieße die Süße des Sommers, alles was du brauchst sind:

  • eine Handvoll frische Lindenblüten
  • ein Liter kaltes Wasser

Füge beide Zutaten in einem Glaskrug zusammen. Idealerweise lässt du den Tee bis zu acht Stunden ziehen.

 

 

5Lindenblütentinktur

Die Tinktur aus Lindenblüten kannst du innerlich und äußerlich anwenden.

Dosierung für eine innerliche Anwendung: 10-50 Tropfen täglich

Äußerliche Anwendung: Als Zusatz im Badewasser oder in verdünnter Form auf Umschläge geben um die Heilung von Wunden, Abszessen und Furunkeln zu unterstützen.

 

Herstellung:

Je nach gewünschter Menge die Blüten sammeln und anschließend in ein Glasgefäß füllen. Die Blüten vollständig mit 40-45 Prozentigen Doppelkorn oder Wodka bedecken und 2 Wochen an einem sonnigen Platz aufbewahren. Seihe anschließend die Tinktur ab und fülle sie in ein dunkles Glas.

 

Dosierung:

3 Mal 10 – 40 Tropfen täglich

 

6Lindenblütenhonig

Die Honig ist eine leckere Alternative um unseren Bienen nicht ihr Futter zu stehlen.

400g Lindenblüten

2 Bio Zitronen

1,5kg Zucker

1,5l Wasser

Koche die Lindenblüten mit dem Wasser auf. Lasse es anschließend 5 Minuten gut kochen. Nimm die Mischung vom Herd und lasse sie nun 24 Stunden ziehen. Seihe es am nächsten Tag gut ab.

Gib nun den Saft der Zitronen hinzu und koche alles zusammen mit dem Zucker auf. Reduziere die Hitze auf die mittlere Stufe und koche solange bis eine honigartige Konsistenz erreicht ist.

Fülle den Lindenblütenhonig sofort in kalt ausgespülte Gläser und verschließe diese gut. Der Honig sollte dunkel und kühl gelagert werden.

 

7Lindenblätter Augenmaske

Hildegard von Bingen war es bereits bekannt. Die Blätter der Linde haben eine reinigende und klärende Wirkung auf deine Augen. Lege hierfür jeweils ein Blatt auf das Auge und fixiere diese mit einer Schlafmaske. Am nächsten Morgen wirst du mit einem klaren, strahlendem Blick belohnt.

 

8Einmal in der Linde baden

Ein Bad in Lindenblüten wirkt nicht nur beruhigend, es stärkt auch dein Immunsystem.

Was du dafür benötigst:

  • 100 g Lindenblüten
  • 2 Liter Wasser
  • 1 TL Olivenöl

Bringe das Wasser mit den Blüten zum Kochen. Nimm es vom Herd und lasse es 10 Minuten ziehen. Du kannst das Olivenöl dem Sud direkt hinzufügen und es als komplette Mischung dem Badewasser hinzufügen oder aber du trennst mit einem feinmaschigen Sieb die Blüten von der Flüssigkeit, fügst dieser das Öl zu und nimmst es in dieser Form als Badezusatz.

 

9Das Holz der Linde zum Ausschwemmen von Giftstoffen

Holzkohle aus dem Holz der Linde lässt sich recht einfach herstellen. Ich möchte aber an dieser Stelle nicht darauf eingehen, da dieses hernach meistens nicht den nötigen Reinheitsgehalt aufweist. Du kannst sehr reine Holzkohle der Linde in entsprechenden Naturshops kaufen. Mitunter wird die Holzkohle zu Kohlenstaub weiterverarbeitet. Sie ist in einigen sehr guten Apotheken erhältlich. Das Lindenholz liefert den feinsten und besten Kohlenstaub!

Nach Krankheiten die stark den Verdauungsapparat geschädigt haben, nach Vergiftungen, für eine Entsäuerung sowie bei Leberschäden empfiehlt sich eine Kur mit Holzkohle. Nimm 3x täglich eine Messerspitze der Kohle zu dir. Die Kohle bindet fremde Stoffe mit einer bis zu 90-fachen Menge ihres Eigengewichts. Du kannst die Kohle zusammen mit einem Glas Wasser zu dir nehmen. Es wird empfohlen die Kohle mit einem leichten Abführmittel wieder aus dem Körper auszuschwemmen.

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„Sieh dieses Lindenblatt!

Du wirst es

Wie ein Herz gestaltet finden,

Darum sitzen die Verliebten

Auch am liebsten unter Linden.“

Heinrich Heine

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