Neumond im WidderUnter dem schwarzen Mantel der Mondin regt sich etwas im Innersten der Frau. Dieser Neumond bringt eine rohe, urtümliche Bewegung. Er steigt durch Erdschichten, durch Wurzelwerk und Gestein, dringt durch Mark und Rippenbogen, bis er den Schoßraum erreicht, jene tiefe Kammer, in der das Werden und die Wandlung ihren Ursprung haben.

Die Schwelle zu Beltane öffnet sich bereits in dieser Dunkelzeit. Das kommende Feuer kündigt sich an. Es flackert noch verborgen unter der Oberfläche des Alltags, doch jede Frau, die lauscht, kann es spüren.

Triple Moon

NEUMOND in WIDDER

SONNE in WIDDER

17. April 2026

13:51:45 MEZ / Berlin

Triple Moon

Die Signatur dieses Neumondes

Die Radix dieses Neumondes birgt eine geballte Kraft im Zeichen Widder, konzentriert im neunten Haus. Sonne und Mond stehen vereint, begleitet von Chiron und weiteren Planeten in derselben Zone.

Diese Konstellation spricht von Aufbruch und Wahrheit. Sie offenbart ein inneres Drängen, das nicht länger im Verborgenen bleiben will. Es ist die Kraft des ersten Schnittes. Es ist eine Kraft, die alte Häute löst und neue Wege freilegt.

Der Löwe-Aszendent bringt diese Bewegung sichtbar in die Welt. Was im Inneren erwacht, will nun endlich seinen Ausdruck finden. Die Venus im Stier im zehnten Haus ruft die Frau zugleich in ihren Körper zurück. Sie rückt den Leib, die Sinnlichkeit und die schöpferische Verkörperung in den Vordergrund.

Für die Frau spricht diese Konstellation mit einer sehr deutlichen Stimme. Sie ruft sie zurück in das innere Becken, in die knöcherne Schale, aus der das Leben, der Wille, die Lust und die klare Richtung aufsteigen.

Finde deine Wahrheit.

Spüre sie im Leib.

Trage sie hinaus in die Welt.

Beltane, die Schwelle zum Sommer, nähert sich. Im Jahreskreis richtet sich die Aufmerksamkeit nun stärker nach außen. Sie verlangt nach Licht, nach Wachstum und Handlung. Doch jede Blüte benötigt ihr Wurzelwerk. Jede Frucht verlangt einen dunklen, warmen Ursprung. Darum führt dieser Neumond zuerst hinab, dorthin, wo eine Frau spürt, was durch sie geboren werden will.

Das vierte Haus, das Reich unserer Wurzeln, steht im Skorpion, dem Reich des Schwesternfestes Samhain. Es öffnet damit den Raum der tiefen Herkunft, der Ahninnenkraft und der seelischen Wurzeln. Das vierte Haus ist wie ein inneres Heim, der Wurzelraum und der Kessel der seelischen Geborgenheit. Das zehnte Haus liegt in der Krone des Hexenbaumes und offenbart die sichtbare Berufung und den Ruf, die eigenen Gaben in die Welt zu bringen. Zwischen diesen beiden Räumen spannt sich das große Thema dieses Neumondes. Die Frau steigt in ihre Tiefe, berührt dort das alte Wissen ihres Leibes und webt daraus eine Kraft, die Gestalt annehmen will.

Mond und Schlange

Der Kessel der Erinnerung

Das Becken der Frau ist der Kessel, in dem jedwede Erinnerung ruht. Es ist die Schale, in der sich alte Bindungen, ungelebte Sehnsüchte, schöpferische Kraft und weibliche Würde sammeln. Viele Frauen bergen in diesem Raum ein versiegeltes Feuer. Der Alltag legt Schichten aus Staub darüber. Fremde Erwartungen ziehen daran wie Sehnen an einem müden Gerippe. Alte Erfahrungen kerben ihre Male in das Fleisch. Die schwarze Mondin greift nach dieser versunkenen Glut. Sie fordert uns Frauen auf, den eigenen Leib wieder als Orakel zu lesen.

Wo Wärme aufsteigt, lebt Wahrheit.

Wo Schwere sitzt, wartet gebundenes Leben.

Wo Weichheit zurückkehrt, beginnt die Erde wieder zu atmen.

Mond und Schlange

Zwischen Erdung und Aufbruch

Die Venus schenkt diesem Geschehen eine zutiefst weibliche und verkörperte Note. Hier geht es um Schönheit, die sich aus einer tiefen Erdung erhebt. Es geht um Sinnlichkeit, die in Würde gelebt wird. Und es geht um Fruchtbarkeit, die in ihrem eigenen Rhythmus reift.

Uranus, ebenfalls im zehnten Haus, zerrt zugleich am festen Gefüge und löst somit alte Formen auf. Dadurch kann eine Frau unter diesem Neumond erkennen, was sie hinter sich lassen darf und was nun entstehen möchte.

Der Widder im neunten Haus entzündet dabei den Mut, dieser Wahrheit zu folgen. Er schlägt an das Brustbein und ruft:

Erhebe dein Haupt.

Sprich deine Wahrheit.

Vertraue dem Feuer, das in deinem Mark lodert.

Mond und Schlange

Der Schoßraum als innerer Herd

In dieser Schwellenzeit zu Beltane berührt die schwarze Mondin alles mit einer tiefen, archaischen Kraft. Beltane weckt das Feuer des Werdens und hebt das Lebendige aus der Erde empor. Doch jedes heilige Feuer braucht einen Herd. Für die Frau liegt dieser Herd in ihrem Becken. Dort wohnen die uralten Kräfte des Empfangens und des Hervorbringens. In ihrem Becken pulsiert die Fähigkeit, Ideen zu nähren, Grenzen zu setzen, Lust zuzulassen, Werke zu gebären und dem eigenen Leben die Richtung zu geben, die ihr bestimmt ist. Wenn eine Frau mit diesem Raum verbunden ist, verändert sich ihre Art, durch die Welt zu gehen. Sie wird klarer in dem, was sie will. Ihre Stimme gewinnt an Kraft. Sie erkennt leichter, was zu ihr gehört. Auch ihre Entscheidungen entstehen dann tiefer innen, dort, wo ein altes Wissen in ihr ruht.

Mond und Schlange

Die Weihe des Schoßraumes

Dieser Neumond eignet sich für ein Ritual, das wirklich kraftvoll ist. Du brauchst:

  • eine Kerze,
  • ein Glas Wasser,
  • ein Tuch oder Kissen
  • und eine kleine Menge Beifuß oder Wacholder für eine sanfte Räucherung.

Wähle den Abend des Neumondes oder eine der drei folgenden Nächte. Nutze einen Raum, in dem du für eine Weile ungestört sitzen kannst. Lege die Kerze vor dich, das Wasser links von dir und die Räucherung rechts von dir bereit. Zünde zuerst die Kerze an und dann behutsam das Räucherwerk. Es genügt ein feiner Faden Rauch. Gib dem Duft Zeit, sich zu entfalten, bis du innerlich zur Ruhe kommst.

Setze dich dann aufrecht hin und lege beide Hände auf deinen Unterbauch. Spüre die Knochen deines Beckens. Lass das Gewicht deines Leibes in die Unterlage sinken. Atme ruhig und tief. Stelle dir vor, unter dir befindet sich dunkle Erde, feucht und fruchtbar. Sie ist voller Wurzelwerk, Moos und alter Kraft. Mit jedem Atemzug steigt aus dieser Erde eine nährende Wärme dein Becken empor. Ziehe nicht daran, erzwinge nichts. Sei einfach nur gegenwärtig und fühle. Bleib so, bis dein Atem sich vertieft und dein Leib dir antwortet.

Dann sprich langsam und mit voller Stimme:

Schwarze Mondin, Hüterin der Schwelle,

tritt an mein Gebein und segne mein Becken.

Öffne die Schale des Werdens.

Wecke die Schöpferkraft, die in mir ruht.

Rufe die Glut, die meinen Weg erhellt.

Was in meiner Tiefe reift, richte sich auf.

Was durch mich leben will, finde Fleisch und Gestalt.

Was meinem Wesen entspricht, wachse unter deinem Blick.

Hast du gesprochen, so bewege dein Becken in kleinen, weichen Kreisen. Führe dreizehn Kreise nach rechts und dreizehn nach links durch. Diese Bewegung soll ruhig und fließend sein, als würdest du in einem uralten Takt ein inneres Feuer nähren. Spüre dabei, ob Wärme aufsteigt. Lass dein Unterleib weiter werden und den Atem tiefer sinken. Lege danach beide Hände wieder auf deinen Unterbauch und spüre einen Moment nach. Nimm dann das Glas Wasser in beide Hände.

Sprich über dem Wasser:

Ich ehre das Wasser meines Leibes.

Ich ehre das Blut, das mit Erinnerung verwoben ist.

Ich ehre die Schale meines Werdens.

Möge meine Kraft fließen und mein Weg Früchte tragen.

Trinke einen kleinen Schluck. Schaue in die Kerzenflamme und frage dich in der Stille: Was will bis Beltane in mir heranreifen? Lass dir Zeit, zu lauschen. Nimm dann ein Blatt Papier und schreibe auf, was aus deiner Tiefe emporsteigt. Kürze es zu einem Satz. Er ist dein Keim. Zum Beispiel:

Ich nähre mein Sein.

Ich erhebe meine Stimme.

Ich gebe meiner Lust einen würdigen Platz.

Lege das Blatt unter die Kerze oder bewahre es an einem geschützten Ort bis Beltane auf. Sprich dann die Versiegelung:

Bei Knochen und Mark,

bei Blut und Atem,

bei der Erde unter mir und dem Feuer in mir,

webe ich mit Schöpferkraft.

Ich hüte die Glut in meinem weiblichen Kessel.

Ich nähre, was wachsen will.

Ich bringe mein inneres Feuer mit Würde in die Welt.

Lösche die Kerze und gib die erkalteten Räucherreste später an die Erde zurück. So schließt sich der Kreis. Mutter Erde nimmt in sich auf, was du geweiht hast. Dein Becken bewahrt die Glut. Und Beltane wird nähren, was du jetzt in dein Leben gerufen hast.

Mond und Schlange

Dieser Neumond erinnert dich an eine tiefe Wahrheit.

Jede Schöpfung beginnt im Dunkel.

Jedes Wachstum wächst aus dem Erdreich.

Jede Sichtbarkeit verlangt nach Wurzeln.

Wer das eigene Becken als heiligen Kessel ehrt, tritt anders durch die Schwelle der kommenden Wochen. Das Feuer wird in dir bewahrt. Du kennst den Ort, an dem es ruht. Du weißt, wie du es nährst.

Mond und Schlange

Die Botschaft der Mondin

Tochter der Tiefe, seit uralter Zeit ruht in deinem Schoßraum eine Glut, die auf deine Rückkehr gewartet hat. Ich habe sie in dein Gebein gewebt. Ich habe sie mit Blutwissen genährt und in die Tiefe deines Leibes gehüllt. Jetzt ist die Stunde gekommen, in der du dich ihr zuwendest und ihr wieder deinen Atem schenkst. Hüte, was in dir leuchtet. Ehre, was in dir reift. Wenn du dich mit dieser Kraft verbindest, wächst aus deinem Innersten ein Weg, der deinem Wesen entspricht, und alles, was du aus dieser Tiefe heraus erschaffst, bewahrt die Würde deiner Wahrheit.

Mond und Schlange