Unter dem silbernen Atem der Mondin öffnet sich ein Tor, das zwischen den Welten schwingt. In diesem Licht, das zugleich enthüllt und prüft, erhebt sich eine alte Kraft aus den Tiefen der Frauenlinien. Auch wenn sie immer wieder brodelte, so ruhte sie lange unter der Oberfläche. Es ist an der Zeit. Sie steigt auf wie Nebel aus feuchter Erde, durchzogen von Erinnerung und Wahrheit.

Im Licht dieser Vollmondnacht liegt eine Schärfe, die uns Frauen weckt.

Wir spüren es alle. Seit Wochen verdichtet sich etwas im Feld vieler Frauen. Wir sehen es auf Social Media, bei Demonstrationen, in den Nachrichten. Aber es arbeitet auch in unseren Träumen. Zumindest geht es mir so. Es wird immer wieder in Gesprächen thematisiert. Wir spüren es auch in jenen stillen Entscheidungen, die erst im Inneren wachsen, um später geboren zu werden. Dieser Vollmond bringt diese Bewegung an einen sichtbaren Punkt. Großmutter Mond zeigt uns in ihrem Licht alles, was gereift ist. Und wir können nicht mehr wegschauen.

Triple Moon

VOLLMOND in WAAGE

SONNE in WIDDER

02. April 2026

04:11:55 MEZ / Berlin

Triple Moon

Die Achse zwischen Eigenmacht und Beziehung

Die Sonne steht im Widder im zweiten Haus und ruft nach unserem Selbstwert, einer würdevollen Haltung und dem klaren Ja zum eigenen Platz. Der Mond steht ihr in der Waage im achten Haus gegenüber und öffnet die Räume von echter Bindung, gnadenloser Spiegelung und tiefer Wandlung. In dieser Achse entfaltet sich die Macht dieser Nacht. Eine Frau begegnet sich selbst im Gegenüber. Sie erkennt mit einer neuen Klarheit, welche Beziehungen ihr Herz öffnen und welche Verbindungen sie ganz und gar nicht mehr wünscht. Nein, ganz klar nicht mehr will!

Diese Spannung wirkt tief. Großmutter Mond rupft und zupft an so einigen Schichten. Sie berührt dabei vor allem jene tiefen Bereiche, in denen sich unser Vertrauen öffnet, sich unsere Hingabe vertieft und unsere Macht unserer Verletzlichkeit begegnet. Viele Frauen spüren in diesen Tagen deutlich, wo ihre Energie sang- und klanglos versickert. Sie zögern nicht, dies zu beenden. Sie spüren aber auch, wo ihr Herz sich weitet und wo wahre Würde existiert. Dieser Vollmond hilft, noch mehr die heiße Glut unter der kalten Asche auflodern zu lassen.

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Was sich seit Wochen zusammenbraut

Die Kraft, die jetzt sichtbar wird, beginnt nicht erst mit diesem Vollmond. Sie brodelt seit Wochen, stellenweise schon viel länger, und sie meldet sich in vielen Leben auf ähnliche Weise. Frauen spüren immer genauer hin. Sie nehmen bewusster wahr, wann ihre innere Stimme leiser wurde und auch warum. Sie lösen sich aus Abhängigkeiten und erkennen immer klarer, welche Beziehungen sie nähren und welche sie nur klein halten.

Gerade darin liegt die Intensität dieser Zeit. Seit Wochen sammelt sich im Inneren vieler Frauen eine Klarheit, die immer mehr Gestalt gewinnt. Die innere Würde richtet sich auf und zeigt sich im Außen. Sie ist prall und rund und machtvoll. In ihr vibrieren zahllose Erfahrungen, eine neu gewonnene Reife und das Erkennen einer tieferen Wahrheit.

Die Waage öffnet den Raum der Beziehung. Der Widder weckt das eigene Feuer. Der Vollmond zeigt, wie beides zugleich im Leben einer Frau wirksam werden kann.

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Wurzel und Krone

Ein weiterer Schlüssel dieser Vollmondnacht liegt in der Achse von Haus vier und Haus zehn. Das vierte Haus reicht mitten hinein in den Raum unserer Wurzeln. Hier berühren wir die Herkunft, aber auch das innere Zuhause. In dieser Vollmond-Radix liegt Haus vier im Stier. An dieser Schwelle wirkt Uranus. Er rüttelt an alten Gewohnheiten, die in vielen Familien weiter und weitergegeben werden. Eine Frau hält die Familie zusammen und steckt dabei selbst zurück. Sie hält aus und schweigt, damit der oberflächliche Frieden nicht gestört wird. All das sitzt noch immer in vielen Köpfen fest wie Zement. Aber es beginnt sich zu lockern. Und mehr noch! Was über Generationen hinweg seinen festen Platz hatte, wird nun streng geprüft und zerfällt, wenn es diesem Blick nicht standhält.

Im zehnten Haus zeigt sich die Krone. Dieses Haus berührt die Lebensziele. Hier geht es um unsere Berufung, auch um die eigene Sichtbarkeit und die Art und Weise, wie eine Frau ihren Platz in dieser Welt einnimmt. Hier wacht der Skorpion und stampft die Lilith mit dem Fuß auf. Lilith steht für die ungezähmte weibliche Wahrheit. Sie ruft eine Frau dorthin zurück, wo sie sich selbst wieder spürt. Sie bringt sie zurück zu ihrem eigenen Willen. Und sie zeigt ihr, was wahre Würde ist.

In alldem zeigt sich eine weibliche Kraft, die sich nicht klein macht. Der Blick wird nicht mehr gesenkt. Was uns im Inneren längst klar ist, will nun gelebt werden. Viele Frauen spüren das. Ihr Rücken richtet sich auf. Ihre Stimme wird zur Waffe. Und Wahrheiten drängen an die Oberfläche.

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Der Widerhall des Dísablót

Diese Vollmondzeit fällt in den Lenzmond. Im alten germanischen Jahreskreis fiel in diese Zeit auch das Dísablót, ein Fest, das weiblichen Schutzkräften und Ahnwesen geweiht war. Schon diese kurze Erinnerung öffnet einen alten Raum in der Seele. Viele Frauen spüren dann sofort, dass hinter ihnen mehr steht als die sichtbare Familie allein. Hinter ihnen wirken die Linien der Frauen, ihre Erfahrungen und Kräfte.

In einer solchen Vollmondnacht rücken dieses alten Bräuche näher. Im Dísablót lebt die Erinnerung an eine Zeit, in der sich die Frauen, die Familie und die Sippe sich bewusst unter den Schutz alter Mächte stellten. Sie suchten den Segen für kommende Wege. Wir spüren das wieder in unseren Knochen, die nichts von alledem vergessen haben. Dieser Vollmond lädt dich ein, still zu werden. Schärfe in der Stille deine eigene innere Wachheit. Öffne dich für jene Botschaften und Zeichen, die nur in der Stille zu leuchten beginnen.

In meinem Podcast „Hagazussas Raunen“, der zu jedem Neumond und Vollmond erscheint, gehe ich tiefer auf diese alten Verbindungen ein, auf Frau und Mond, auf den Jahreskreis und auf das Wissen, das in solchen Schwellenzeiten lebendig wird.

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Beziehung als Spiegel

Der Vollmond zeigt dir deine Beziehungen in einem hellen, prüfenden Licht. Er zeigt dir, wo die Beziehungen ausgeglichen und lebendig sind und wo ein Ungleichgewicht seine Schatten wirft. Es geht dabei nicht nur um Partnerschaften. Es betrifft alle Formen von Beziehungen, wie Freundschaften, Familienbande oder Bekanntschaften. Selbst frühere Verstrickungen und alte innere Gelöbnisse können sich in diesen Tagen deutlich zeigen.

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Das kollektive Feld der Frauen

Wir Frauen spüren die Kräfte dieser Zeit ganz besonders. Das hat mit unserer tiefen Verbindung zur Mondin zu tun, mit der Frauenlinie und mit jener alten Schicht der Erinnerung, die in dieser Mondphase an die Oberfläche drängt und beleuchtet wird. Viele fühlen einen regelrechten Sog, die Wahrheit zu sprechen, echter, wahrhaftiger zu sein und sich innerlich aufzurichten. Sie bemerken, dass sie nicht mehr bereit sind, sich anzupassen und sich dabei zu verbiegen. Immer mehr spüren wieder eine neue Nähe zu ihrer Ahninnenlinie, zu ihrer Mutter, Großmutter oder zu einer Ahnenfrau, deren Name längst verweht ist.

Diese Bewegung berührt tiefe Schichten des Menschlichen. Sie öffnet den Blick für Würde, für klare Grenzen und für jene gelebte Nähe, die Seele und Körper gleichermaßen achtet. Gerade deshalb ist sie so kraftvoll. Sie entsteigt einer uralten Erinnerung und nimmt ihren Platz wieder ein.

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Ein einfaches Ritual für diese Nacht

In dieses neue Bewusstsein gehört auch die Erinnerung daran, dass wir nicht mehr Kraft aus einem Ritual ziehen, nur weil es große Geschütze auffährt. Es genügt eine Kerze, ein wenig Rauch und ein Ort, an dem du ungestört bist. Setze dich aufrecht hin und spüre den Raum rings um dich herum. Nimm wahr, dass du nicht alleine bist und auch nie warst. Viele Frauen sind bei dir. Immer. Es spielt keine Rolle, ob du sie sehen kannst oder nicht. Vertraue darauf, dass sie da sind.

Lege beide Hände auf dein Herz und sprich:

Ich ehre die Kraft, die durch mich weiterlebt.

Es ist Zeit. Ich nehme meinen Platz ein.

Bleibe danach still sitzen und lausche in deinen Körper. Achte auf Bilder, auf Empfindungen oder auf einen Gedanken, der sich aus der Tiefe hebt.

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Räucherung und Rune

Beifuß, Wacholder und ein wenig Fichtenharz passen gut zu dieser Nacht. Der Rauch reinigt den Raum und er hilft der Seele, tiefer zu lauschen. Führe ihn langsam an Rücken, Brust und Hände heran. Gerade die Wirbelsäule reagiert sehr fein auf diese Art der Räucherung. Räuchere auch den Rest deines Körpers.

Dazu kannst du mit der Rune Thurisaz wirken. Zeichne sie mit deinem Finger auf deine Haut oder vor dir in die Luft. Oder halte die Rune einfach in der Hand. Diese Rune hütet in dieser Vollmondnacht für dich die Schwelle. In ihr lebt die uralte Macht der Riesen, der Thursen. Sie stärkt die Kraft klarer Entscheidungen. Thurisaz eignet sich für jene Momente, in denen eine Frau spürt, dass ein alter Faden endet und ein neuer bewusst aufgenommen werden will.

Rune Thurisaz

Die Botschaft von Großmutter Mond

Du bist eine Hüterin des Mondlichts.

In dir lebt die Erinnerung an all jene Frauen, die vor dir diese Welt betraten und wieder gegangen sind. Ihr Wissen fließt durch dich. Es fließt durch deine Hände, durch deinen Blick und durch die Weise, in der du dem Leben gegenübertrittst.

Vor dir liegt ein Pfad, der deine Wahrheit sehen will. Gehe ihn mit aufrechtem Rücken, mit warmem Herzen und mit jener uralten Kraft, die aus der Tiefe von Mutter Erde aufsteigt.

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