Licht fällt auf meine Lider. Ich spüre die wärmende Sonne in meinem Gesicht. Versuche jedoch die Nacht zu halten und öffne nicht meine Augen. Ich strecke meine Hände den Strahlen entgegen. Spiele mit den Schatten auf meinen Augen. Langsam lasse ich einen Hauch des Berührens, nur die Fingerspitzen, mein Gesicht erforschen. Auf meinen Lippen ein unerträglich wundervolles Kribbeln. Meine Hand umgreift fast unmerklich meinen Hals.

Eine eisige Kälte beißt sich in meinen Körper wie ein Schatten der sich als zweite Haut an mich schmiegt. Die Luft wird dünn. Mein Atem zu schnell. Die Angst mein ungebetener Gast. Mutlos öffne ich die Augen einen winzigen Spalt. Es ist mein Raum. Und wieder nicht. Noch ein wenig weiter öffne ich meinen Blick.

Das Zimmer scheint unverändert. Dort drüben der Schrank, der Sessel in der Ecke. Alles an seinem Platz und doch nicht vertraut. Etwas hat sich gewandelt und ich beginne zu begreifen. Mein Raum ist kleiner geworden. Der Abstand zwischen den Dingen hat sich verschoben. Ich greife das kalte Schattentuch und lege es neben mich. Langsam richte ich mich auf zu meiner vollen Größe. Ich staune, dass meine Haare fast die Zimmerdecke berühren. Ich möchte die Tür zu meinem Balkon öffnen, doch der Griff geht ins Leere. Panisch drehe ich mich zur Zimmertür, doch auch dort keine Klinke. Mein alter Raum engt mich ein. Nimmt mir nun die Luft zum atmen. Ich muss hier raus.

„Verdammt ich muss hier raus!“ schreie ich laut.

Zu meinem Erstaunen springen beide Türen auf. Ich habe die Wahl. Hinaus in den Flur den ich tagein tagaus durchquerte? Ich trete auf den Balkon und steige über die Brüstung. Meine nackten Füße tragen mich fort ohne einen Blick zu riskieren.

Vorbei.


Alles begann hier:

Kapitel 1: Die Nacht nährt die Gedanken

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6 Responses

  1. Pete J. Probe

    Wie ich bereits woanders schrieb, verbergen Gefühle ein großes Geheimnis. Ich glaube keiner weiß genau, wo sie herkommen und wie sie entstehen.
    Deine Geschichte drückt so etwas wie Leiden(schaft) aus, ein Gefühl, das wie gesagt auch Leiden mit sich bringt, in der Sehnsucht nach Erfüllung von Gefühlen, die dich überwältigen.
    Dieser „Schutzmantel aus Geborgenheit und Liebe“ gebührt schon Kindern, ein Gefühl, das sie meist beim Einschlafen umgeben sollte, mit „Hauch einer Nähe“ wunderbar ausgedrückt!!
    Gefühle pur würde ich mal sagen, toll formuliert!
    Vielen Dank!
    Pete J. Probe

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