Von Zeit zu Zeit gibt es Momente in denen die Sehnsucht nach ihr richtig schmerzt.

Es ist wie eine Schwere, welche sich auf mich legt und ich habe das Gefühl, sie dringt durch meine Haut in mich ein, nimmt mich in ihren Besitz und sammelt sich in meinem Herzen.

Es ist sehr verwunderlich, wie dieser riesige Muskel den Anschein erweckt ein Monopol auf meine Emotionen zu erheben. Es fühlt sich an wie ein leichtes Kribbeln, aber nicht zu vergleichen mit den im Bauch fliegenden Schmetterlingen. Vielleicht ein wenig so, als wenn es sich von sanften Lippen küssen lässt, nur gemischt mit dem Schmerz, welcher ein Abschiedskuss hinterlässt.

Stille Seufzer wandern hinunter zu den Zehen, wieder hinauf, suchen Dich vergeblich in jedem Winkel, halten die Luft an und lauschen, nur um dann ruhelos weiter zu irren.

Das Gesicht ist von Traurigkeit entspannt, ganz ruhig. Die Augen blicken wie ein im Abendrot schimmernder Bergsee, tief in Gedanken versunken und sein Geheimnis mit in die Nacht nehmend.

Der Mund verharrt regungslos. Keinen Drang verspürend die Lippen für Worte zu formen. Die Zeit genießend in denen unausgesprochenes alles sagt.

Der gesamte Körper ist von einer unheimlichen Ruhe erfasst. In einen Nebel gehüllt, der augenblicklich nichts hinein, aber auch nichts hinaus dringen lässt.

Würde sie jetzt, in dieser Stimmung, hinter mich treten, vielleicht ihre Hände verschränkend um meinen Hals gelegt, ich würde meinen Kopf zentnerschwer und federleicht auf ihre Schulter legen. Ich fühle es, wie dieser Schutzmantel aus Geborgenheit und Liebe mich erfassen und überwältigen würde.

Ich glaube, ich würde weinen, weil ich nicht anders in der Lage wäre diese Intensität zu ertragen. Tränen über das Gesicht laufen lassen, welche ich kaum wahrnehmen würde, da sie nur eine periphere Erscheinung meines Innersten wären.

Lange würde ich so sitzen, bis auch die letzte Faser in mir begriffen hat, dass sie hier ist, bei mir ist – mir nah.

Meine Finger würden sich nach ihr sehnen, meine Lippen sie berühren, all meine Sinne sie kosten und erobern wollen.

Mein Körper dreht sich zu ihr. Ihr in ihre widerspiegelnden Augen schauend würde ich mich erheben, mein Blick ihren stehlend. Ihr heller, klarer Blick, welcher mich so häufig schon beruhigte, des Öfteren irritierte, immer wieder erregte, verunsicherte. Mich jedes Mal aufs Neue fasziniert.

Meine Fingerspitzen würden von diesem leichten Beben erfasst werden, was mich so oft überfällt, wenn ich ihr die Haare aus dem Gesicht streiche. Sie würden nicht widerstehen können die Rundungen ihrer Ohren nachzuzeichnen. Ihre Lippen zu berühren, als kleinen Vorgeschmack auf die meinigen, welche sich schutzlos nähern. Mit ihren verschmelzen – randlos, raumlos. Einhüllen in den Hauch meiner Nähe für unendliche Minuten.

Langsam zöge ich sie zum Bett. Schale für Schale sie zu entblättern bis ihre Nacktheit meine Seele nährt. Mein nicht greifbares Erkennen ruht auf ihr. So sehr dieser Moment mich auch fesseln mag, er lässt sich nicht halten. Der Drang sie zu berühren zu groß. Sie immer wieder sanft streichelnd, zart küssend und mich selbst zu entblößen Blatt für Blatt ist unausweichlich.

Meine nackte Haut warm und weich an ihrer geschmiegt, würden unsere Seelen zärtlich miteinander schlafen, sich auf einer körperlich unerreichbaren Ebene lieben, währenddessen ich beruhigt und von unfassbarer Zärtlichkeit erfüllt in ihren Armen einschlafen würde.

In den Armen der Frau, die mich überwältigt hat. In den Armen, welche mich halten, aber nicht erdrücken.

Sie hat mein Herz in eines dieser Wärmepflaster eingewickelt und liebevoll verteilend verbreitet sich dieses wohlige Gefühl in meinem Körper. Nimmt es mehr und mehr Besitz von mir. Teils heilend, teils erhitzend, aber immer beruhigend und angenehm.

Ich, die nie weinen konnte, vergieße abermals Tränen des Glücks.

Die Sehnsucht ist mein Schmerz. Süß und unschuldig und doch quälend.

Geräusche der Nacht dringen durch die geöffnete Balkontür. Lassen die Realität erahnen. Ich stehe auf und verschließe die Welt. Bette meine Träume in weiche Kissen. Mein Blick verliert sich im Dunkel des Raumes. Sehend und doch nichts erkennend.

Sie …

Mein Geist versucht sie zu beschreiben, aber das ist unmöglich. Nichts, kein jemals erfundenes Wort, kein jemals gemaltes Bild, keine jemals komponierte Melodie, welche ihr zeigen könnte, was ich empfinde. Was sie ist für mich. Tonlos die vibrierende Melodie spüren, strotzend vor Energie, getragen von Flügeln einer unendlichen Leichtigkeit, umhüllt von einem schwingenden Klang, der knistert und lodert, aber doch meditativ beruhigt. Mit heißen Rhythmen träumend sich im Fluß unendlich sanfter Melodien sich verlierend.

Der Sinn ihrer Worte erstaunt mich. Kein Satz verlässt achtlos und oberflächlich ihre Lippen. Diese Klugheit, diese gewisse Art von Intelligenz ist so erotisch. Ich genieße die Herausforderung mich einem solchen Menschen stellen zu dürfen.

Sie fasziniert mich. Ich könnte ihr stundenlang zuhören, wenn sie redet. Sie schafft es mich zu beeindrucken. Sie zu achten fällt mir nicht schwer. Ihre unglaublich sinnliche Ausstrahlung, die perfekte Mischung zwischen zärtlicher Sanftheit und wilder Begierde. Keines der beiden Seiten erdrückt oder überfordert mich. Alles wohldosiert und überwältigend, brodelnd und glühend, verträumt und verspielt. Nichts bereitet mir mehr Genuss als mit ihr zu schlafen, mich ihr hinzugeben, mich fallen zu lassen und eins zu werden mit ihr.

Träume ich, denke ich … ?

… sie …


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Hier entlang zum nächsten Kapitel:

Kapitel 2: Die Erkenntnis des Morgens

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